Seuche bereitet Landwirten im Kreis Sorge

Afrikanische Schweinepest bedroht Tierbestände auch im Kreis Hersfeld-Rotenburg

Ein Mastschwein steht am 16.10.2014 in einem Mastbetrieb
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Gefährdet: In Deutschland wurde bisher noc kein Ausbruch de Afrikanischen Schweinepest bei Hausschweinen festgestellt.

Die Sorge vor der Afrikanischen Schweinepest (ASP) treibt auch die Landwirte in der Region um. Die Seuche ist für den Menschen ungefährlich, dennoch hätte ein Ausbruch gravierende Folgen.

Hersfeld-Rotenburg – Vor seinem Schweinemaststall hat der Hohenrodaer Landwirt Sven Mares einen Bauzaun aufgestellt. Eine zusätzlich vorgeschriebene Sicherheitsmaßnahme, die verhindern soll, dass seine Tiere, etwa bei der Verladung, in Kontakt mit Wildschweinen oder deren Hinterlassenschaften kommen.

Denn auch wenn es um das Thema Afrikanische Schweinepest (ASP) ruhig geworden zu sein scheint, schwebt die Tierseuche auch über den heimischen Schweinemästern wie ein Damoklesschwert. Einen Grund zur Panik sieht der Hohenrodaer Landwirt derzeit zwar nicht, jedoch sei es wichtig, die Seuchengefahr ernst zu nehmen und die gute fachliche Praxis konsequent anzuwenden, um den Erreger nicht in den eigenen Schweinebestand einzuschleppen. Am Eingang seines Maststalls hat Mares beispielsweise eine Hygieneschleuse eingerichtet. Dort werden vor dem Betreten des Stalls Schuhe und Kleidung gewechselt.

Zusätzlicher Schutz: Mit diesem Bauzaun schirmt der Hohenrodaer Landwirt Sven Mares den Verladebereich seines Maststalls vor Wildschweinen ab.

Die Abläufe auf dem Hof hat der Landwirt so organisiert, dass sich seine eigenen Wege und die von Externen wie Futterlieferanten und Viehspediteur möglichst wenig kreuzen. Von zentraler Bedeutung sei auch eine gute Schädlingsbekämpfung, um einer indirekten Übertragung über Ratten, Mäuse oder Insekten vorzubeugen. Ebenso die gewissenhafte Reinigung der Fahrzeuge bei Lieferanten und Abnehmern. Zugekauftes Futter werde seit Ausbruch der Seuche nur noch auf Einwegpaletten angeliefert, um zu verhindern, dass der Erreger über die Rückläufer auf den Höfen verteilt werden.

Doch selbst wenn es ihm gelinge, das Virus vom eigenen Betrieb fernzuhalten: Sollten anderenorts in Deutschland Fälle in einem Hausschweinebestand auftreten, würde das nach Ansicht des Landwirts alle Schweinehalter hart treffen. „Schon als die ersten toten Wildschweine gefunden wurden, hat sich das das am Preis deutlich bemerkbar gemacht – obwohl Hausschweine bislang gar nicht betroffen waren“, verdeutlicht Sven Mares. Sollte die Seuche in einem Schweinebestand ausbrechen, würden einige Länder wohl mit einem Einfuhrverbot für deutsches Schweinefleisch reagieren. Mit dem Wegfall des Exports würden die Preise ins Bodenlose fallen, fürchtet der Landwirt.

Trete in näheren Umkreis ein Fall auf, würden auch angrenzende Betriebe gesperrt. Schlachtreife Schweine dürften dann nicht abtransportiert werden, was die Betroffenen vor große Probleme stelle, wie Mares am Beispiel seines eigenen Betriebes verdeutlicht: In seinem 2014 gebauten Stall mit Platz für 1400 Tiere mästet er die Ferkel seiner 180 Zuchtsauen. Bei einer Tragzeit von 114 Tagen könne er auf einen Schweinestau nur zeitversetzt reagieren.

Bei den Wildschweinen sei es wohl eine Frage der Zeit, bis die Seuche auch die Region erreicht. „Wir können aber nur hoffen, dass die Hausschweinebestände weiterhin verschont bleiben, betont Sven Mares. (Jan-Christoph Eisenberg)

Amtstierarzt: Der Schweine-Eimer ist Vergangenheit

Der Leiter des Fachdienstes Veterinärwesen und Verbraucherschutz beim Landkreis, Dr. Thomas Berge, geht davon aus, dass die Afrikanische Schweinepest Landwirte und Jäger im Kreis noch längere Zeit beschäftigen wird.

Im September 2020 sei an der Grenze zu Polen in Brandenburg der erste Fall der Afrikanischen Schweinepest (ASP) bei Wildschweinen in Deutschland bestätigt worden, 1300 weitere mit dem Virus der ASP infizierte Wildschweine wurden seither in Brandenburg und Sachsen aufgefunden beziehungsweise erlegt.

Dr. Thomas Berge Leiter Veterinäramt

Die betroffenen Gebiete würden großräumig fest eingezäunt, um zu verhindern, dass infizierte Wildschweine in bislang nicht betroffene Gebiete abwandern und die Seuche somit unkontrolliert weiterverbreiten. Allerdings bestehe ständig die Gefahr der sprunghaften Ausbreitung durch infizierte Lebensmittel oder Gegenstände. Dass dies keine theoretische Gefahr sei, zeige der Nachweis von ASP-Viren in Fleischprodukten aus Rumänien, die bei einer Autobahnkontrolle im vergangenen Dezember im Landkreis Offenbach aus einem Transporter sichergestellt wurden. Rumänien sei ganz besonders im Hausschweinebereich von der ASP betroffen. „Es gibt dort eine immense Zahl an Kleinsthaltungen, in die das Virus immer einen Weg findet“, erklärt der Fachdienstleiter. Die notwendige Sensibilität für das Thema sei bei den Schweinehaltern oder in der Jägerschaft vorhanden. Das Veterinäramt kontrolliere aber die hiesigen Schweinehaltungen auf die Einhaltung der vorgeschriebenen Biosicherheitsmaßnahmen. Die Jäger stünden in ständigem Kontakt mit dem Amt und seien bei der Beprobung von erlegten und tot aufgefundenen Wildschweinen behilflich, um einen möglichen Eintrag der Seuche hierzulande schnell zu erkennen.

Sollte es irgendwann zu einem Fall der ASP im Landkreis Hersfeld-Rotenburg kommen, sei es äußerst entscheidend, den Eintrag früh zu erkennen, um schnell Maßnahmen einleiten zu können, die eine unerkannte Weiterverbreitung verhindern. „Da es zurzeit keinen wirksamen Impfstoff gegen die Afrikanische Schweinepest gibt, muss alles daran gesetzt werden, die Seuche früh zu erkennen und schnell wieder einzudämmen, sonst wird man sich – zumindest im Bereich Wildschweine – auf ein jahrelanges Seuchengeschehen einstellen müssen“, unterstreicht Berge.

Ein Ausbruch bei Hausschweinen hätte laut Amtstierarzt zur Folge, dass der betroffene Betrieb und das darum liegende Gebiet gesperrt werden. Wenn der Ausbruchsbetrieb geräumt und desinfiziert wurde und im Umkreis keine weiteren Betriebe betroffen sein sollten, wäre die Seuche relativ rasch wieder erloschen. „Allerdings hätte ein Ausbruch bei Hausschweinen in Deutschland extrem negative Auswirkungen auf die gesamte Schweinebranche. Dies muss unbedingt verhindert werden und jeder Schweinehalter muss sich selbst fragen, ob die nötigen Vorkehrungen vorhanden sind, um den eigenen Schweinebestand zu schützen. Der sogenannte Schweine-Eimer sollte absolut der Vergangenheit angehören. Das Verfüttern von Speiseresten an Schweine ist im Übrigen schon seit Jahren verboten“, betont der Amtstierarzt.

Sollte ein ASP-Ausbruch bei Wildschweinen festgestellt werden, bildet die Veterinärbehörde ein sogenanntes gefährdetes Gebiet und darum eine sogenannte Pufferzone. Im gefährdeten Gebiet, welches um den Fundort mit etwa zehn bis 15 Kilometer-Radius gebildet wird, lägen dann schon mehrere Kommunen. „Es würde anfangs ein Jagdverbot verfügt werden. Verendete Wildschweine müssen gesucht, geborgen und beseitigt werden, weil die infizierten Kadaver über Monate eine Infektionsquelle darstellen können. Ein Betretungsverbot für die Bevölkerung und gegebenenfalls auch Ernteverbote werden erlassen. Zäune werden eingesetzt. In diesen Gebieten ist erst einmal der Transport von Schweinen eingeschränkt, sowie die Auslauf- und Freilandhaltung verboten“, nennt der Fachdienstleiter die notwendigen Maßnahmen.

Ein Ausbruch beim Schwarzwild habe somit sowohl Auswirkungen auf die Hausschweinehaltung und die Bewirtschaftung von landwirtschaftlichen Flächen, aber auch auf das Freizeitverhalten der Bevölkerung und besonders auf die Jagdausübung. Frühestens sechs Monate nach dem letzten Fall könnten diese Maßnahmen aufgehoben werden. ( jce)

Schweinebest: Erreger ist widerstandsfähig, aber für Menschen ungefährlich 

Die Afrikanische Schweinepest (ASP) ist eine anzeigepflichtige Tierseuche, die Haus- und Wildschweine befällt. Sie kam ursprünglich nur in Afrika vor. 2007 wurde sie über Georgien in den Osten Europas eingeschleppt. Mögliche Symptome sind hohes Fieber, eine Blaufärbung der Haut, Husten, Atemnot, blutiger Durchfall und Erbrechen. Bei einem Großteil der infizierten Tiere führt die Krankheit zum Tod. Die Afrikanische Schweinepest ist keine auf den Menschen übertragbare Krankheit und daher für den Menschen ungefährlich. Da es dagegen keinen Impfstoff gibt, ist die Bekämpfung deutlich schwerer als die der Europäischen Schweinepest, die durch Impfköder eingedämmt wurde. Eine Übertragung ist laut Bundeslandwirtschaftsministerium über direkten Kontakt zwischen infizierten und nicht infizierten Tieren möglich, insbesondere über Blutkontakt. Darüber hinaus kann das Virus indirekt über verunreinigte Gegenstände wie Werkzeuge, Fahrzeuge, Schuhe und Kleidung, Lebensmittel oder über kontaminiertes Futter übertragen werden. Die Ansteckungsgefahr ist dann besonders hoch, wenn Schweine Kontakt zum Blut oder zum Kadaver eines infizierten Tieres haben. Der Erreger ist gegenüber Umwelteinflüssen sehr widerstandsfähig, er bleibt auch während des Verwesungsprozesses des Schweins mehrere Wochen bis Monate infektiös. Er überlebt in frischem, gefrorenem, gepökeltem und geräuchertem Fleisch sowie Wurstwaren. Essensreste sollten deshalb nur in fest verschlossenen Müllbehältern entsorgt werden. ( jce)

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