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Streik bei Amazon in Bad Hersfeld: Hunderte legen kurz vor Ostern die Arbeit nieder

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Von: Alexander Gottschalk

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Ein Transparent mit der Aufschrift „streiken“ ist vor dem einem Logistikzentrum von Amazon zu sehen.
Ein Transparent mit der Aufschrift „streiken“ ist vor dem einem Logistikzentrum von Amazon zu sehen. © Uwe Zucchi/dpa/Archivbild

Im nordhessischen Bad Hersfeld kämpfen die Beschäftigten von Amazon für bessere Arbeitsbedingungen. Dieses Mal wird bis Ostern gestreikt.

Bad Hersfeld - Am Amazon-Standort in Bad Hersfeld* (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) wird derzeit gestreikt. Es geht erneut um die Anerkennung der Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels in Hessen. Wie die Gewerkschaft Verdi am Montag (11.04.2022) mitteilte, legten die ersten Beschäftigten des Internetriesen in der Nachtschicht ihre Arbeit nieder, am Donnerstag (14.04.2022) soll der Ausstand mit der Spätschicht enden.

Man rechne mit rund 700 Streikenden, sagte Verdi-Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke auf Nachfrage. Insgesamt zählten die beiden Amazon-Logistikzentren in Bad Hersfeld rund 3500 Mitarbeitende. Für sie fordert die Arbeitnehmerorganisation „mehr Wertschätzung und Gesundheitsschutz durch Tarifverträge“. Diese brächten den Angestellten vor allem höhere Löhne.

Streik bei Amazon in Bad Hersfeld: Pakete sollen trotzdem ankommen

Von Amazon hieß es auf Nachfrage, man erwarte, dass der Streik im nordhessischen Bad Hersfeld keine Auswirkungen auf die Kundschaft haben werde. Alle Pakete sollen ankommen. Zu den Verdi-Forderungen teilte ein Firmensprecher mit, Amazon glaube „fest an die Kombination aus fairem Lohn und attraktiven Zusatzleistungen in einer modernen, sicheren Arbeitsumgebung.“

Alle Mitarbeitenden in der Logistik bekommen Unternehmensangaben nach „ab 12 Euro brutto aufwärts pro Stunde plus Extras“ gezahlt. Nach einem und nach zwei Jahren gebe es automatische Gehaltserhöhungen. Danach verdiene man bei Amazon „durchschnittlich rund 2.750 Euro brutto im Monat, inklusive beschränkter Mitarbeiteraktien und zusätzlicher Extras“.

Streik bei Amazon in Bad Hersfeld: Verdi fordert mehr Geld

Bei Verdi sorgen die Amazon-Angaben für Stirnrunzeln. „Wenn wir rechnen, kommen wir nie auf diese Zahlen“, so Gewerkschaftssekretärin Middeke. Ein Groß der Mitarbeitenden könne in der Gehaltsendstufe etwa mit 2484 Euro brutto monatlich rechnen. Mit den geforderten tariflichen Zugeständnissen wären es rund 163 Euro mehr.

Für ihren „fortwährenden Einsatz“ verdienten es die Amazon-Beschäftigten, „dass ihre Arbeit tariflich entlohnt wird“, führte Middeke aus. „Durch eine Tarifbindung erhalten sie nicht nur die nötige Anerkennung für ihre Arbeit, sondern auch den rechtlich abgesicherten Schutz ihrer Einkommen.“ Das sei besonders wegen der steigenden Lebenshaltungskosten wichtig.

Zu den zentralen Punkten gehören in Bad Hersfeld ein tariflich geregeltes Weihnachts- und Urlaubsgeld. Ersteres würde wesentlich höher ausfallen, letzteres erstmals eingeführt werden, erklärte Middeke. Verdi will außerdem einen Tarifvertrag über „gute und gesunde Arbeit“, der beispielsweise eine Art Gesundheitsfonds umfassen soll.

Streik bei Amazon: Standort in Bad Hersfeld ist nicht allein

Gewerkschaftlerin Middeke: „Amazon könnte hier mit gutem Beispiel vorangehen auf dem Weg zu einem guten und gesunden Arbeitgeber.“ Die Standorte des Internetriesen in Rheinberg und Werne in Nordrhein-Westfalen sind ebenfalls zum Arbeitskampf für den Tarifvertrag aufgerufen. (ag mit dpa und red) *hna.de ist ein Angebot von IPPEN.MEDIA

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