Kundgebung am Mittwoch

Amazon-Mitarbeiter in Bad Hersfeld setzen ihren Streik fort

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In der Bad Hersfelder Schilde-Halle hat Verdi erneut das Streiklokal eingerichtet.

Bad Hersfeld. Mit Beginn der Frühschicht haben am Montag wieder einige hundert Mitarbeiter beider Amazon-Standorte in Bad Hersfeld die Arbeit niedergelegt. Die Dienstleistungsgewerkschaft Verdi hat erneut zu einem dreitägigen Streik aufgerufen.

Seit April 2013 streiken die Mitarbeiter des Online-Versandhändlers für einen Tarifvertrag auf dem Niveau des Einzelhandels. Amazon lehnt Gespräche allerdings nach wie vor ab. Bislang gibt es keinerlei Annäherung im Tarifstreit zwischen dem Online-Versandhändler und Verdi. Als erste kleine Erfolge wertet die Gewerkschaft jedoch Lohnerhöhungen und das erstmals ausgezahlte Weihnachtsgeld (wir berichteten mehrfach). Das Unternehmen orientiert sich eigenen Angaben zufolge an den Löhnen der Logistikbranche.

In den beiden Bad Hersfelder Verteilzentren sind laut Verdi rund 3500 Mitarbeiter beschäftigt.

Für Mittwoch sind eine Demonstration und eine Kundgebung in der Bad Hersfelder Innenstadt geplant. Beendet werden soll der Ausstand dann am Mittwoch nach der Spätschicht.

Als Streiklokal dient diesmal wieder die Schilde-Halle. Etwa 200 Amazonier hatten sich dort am Montagvormittag eingefunden. Unter anderem sprach in einem Solidaritätsbeitrag der KAB Fulda (Katholische Arbeitnehmerbewegung) Michael Schmitt zu den Streik-Teilnehmern. Er appellierte an die soziale Verantwortung und kritisierte, dass es "Arbeitsplätze nicht nur um der Arbeitsplätze willen" geben dürfe.

Verdi-Sekretärin Mechthild Middeke kündigte an, man werde weitermachen und sicher auch im Dezember das Weihnachtsgeschäft bestreiken. "Der Streik ist gut angelaufen. Wir rechnen mit 400 bis 600 Streikenden", so Middeke am Montag. Ein Tarifvertrag sei nach wie vor das Ziel, mit den bisher gezahlten freiwilligen Lohnerhöhungen von 2,2 Prozent wolle man sich nicht zufrieden geben.

Auch an anderen deutschen Amazon-Standorten haben Beschäftigte die Arbeit niedergelegt, unter anderem in Leipzig. (nm)

Hintergrund

Kampf um Geld und Rechte: Der Tarifstreit zwischen Verdi und Amazon

Der Streit der Gewerkschaft Verdi mit dem weltgrößten Online-Versandhändler Amazon zieht sich bereits seit fast drei Jahren hin. Verdi fordert einen Tarifvertrag, der den Beschäftigten existenzsichernde Einkommen und Arbeitsbedingungen mit Schutzregeln zu Arbeitszeiten, Urlaub oder Pausen garantiert. Amazon lehnt Verhandlungen dazu bislang ab. Die Entwicklung im Überblick:

Dezember 2011: Bildung einer Tarifkommission in Sachsen. Verdi fordert die Aufnahme von Verhandlungen über einen Tarifvertrag des Einzel- und Versandhandels für die Amazon Distribution GmbH Leipzig.

Oktober 2012: Zweite Tarifkommission in Bad Hersfeld (Hessen).

März/April 2013: Urabstimmungen bei Amazon in Leipzig und Bad Hersfeld. Rund 97 Prozent der Verdi-Mitglieder befürworten Streiks.

14. Mai 2013: Mitarbeiter bestreiken den größten deutschen Standort in Bad Hersfeld und den Standort Leipzig einen ganzen Tag lang.

19. bis 21. September 2013: Erstmals dreitägiger Streik in Bad Hersfeld und Leipzig.

16. Dezember 2013: Verdi beginnt einen sechstägigen Dauerstreik im für Amazon wichtigen Weihnachtsgeschäft. Für Deutschland meldet der Konzern dennoch bis zu 4,6 Millionen Bestellungen pro Tag.

17. April 2014: Unmittelbar vor Ostern treten Beschäftigte erneut im Leipziger Lager und in den hessischen Verteilzentren in den Ausstand.

30. Mai bis 3. Juni 2014: Mehrtägige Arbeitsniederlegungen in Leipzig und Bad Hersfeld. Graben (Bayern) und Rheinberg (Nordrhein-Westfalen) kommen als dritter und vierter Streikstandort hinzu.

2. Juli 2014: Gewerkschaftsvertreter aus Polen, Tschechien, Großbritannien und den USA beschließen in Berlin, grenzüberschreitend für bessere Arbeitsbedingungen bei Amazon kämpfen zu wollen.

22. September 2014: Erstmals gleichzeitiger Streik in Leipzig, Bad Hersfeld, Graben und Rheinberg. Verdi kündigt an, die Ausstände noch auszuweiten und das Weihnachtsgeschäft treffen zu wollen.

18. Oktober 2014: Verdi ruft die Beschäftigten in Leipzig kurzfristig zu einem Streik auf. Mit dem Ausstand der Spätschicht an einem Samstag soll darauf hingewiesen werden, dass Arbeit zu ungünstigen Zeiten tariflich geregelt werden müsse.

27. Oktober 2014: Eine neue Streikwelle beginnt an fünf Amazon-Standorten: Neben Leipzig, Bad Hersfeld, Graben und Rheinberg wird auch Werne in NRW bestreikt. (dpa)

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