Verdi ruft erneut zur Arbeitsniederlegung auf

Amazon: Schon wieder Streik in Bad Hersfeld

Das Bild zeigt eine Streikteilnehmerin auf dem Amazon-Parkplatz mit einer Fahne in der Hand. Auf ihrem T-Shirt steht: Ich seh euch immer reden. Aber nichts passiert.
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Streik bei Amazon in Bad Hersfeld: Nicole Schreiner aus Großensee (im Bild) beteiligt sich seit 2015 an den Streiks. Sie kritisiert vor allem die Arbeitsbedingungen sowie fehlendes Urlaubsgeld.

Verdi hat die Beschäftigten der beiden Amazon-Versandzentren in Bad Hersfeld am heutigen Freitag erneut zum Streik aufgerufen. Bereits Anfang der Woche gab es Arbeitsniederlegungen.

+++ Aktualisiert am Freitag, 25. Juni 2021, 11.55 Uhr +++ Nachdem bereits von Montag bis Mittwoch in den beiden Amazon-Versandzentren in Bad Hersfeld gestreikt wurde (wir berichteten), hat die Gewerkschaft Verdi am Freitag erneut zum Streik aufgerufen – beginnend mit der Frühschicht bis zum Ende der Nachtschicht am frühen Samstag. Aktueller Anlass für die Arbeitsniederlegungen waren die Schnäppchentage (Prime Day). 

Bad Hersfeld - Die Gewerkschaft Verdi hat die Beschäftigten der beiden Amazon-Versandzentren FRA1 und FRA3 in Bad Hersfeld aufgerufen, sich an den Prime-Day-Streiktagen von Montag bis Mittwoch zu beteiligen. Damit will Verdi die Forderung untermauern, dass Amazon die Tarifverträge des Einzel- und Versandhandels Hessen anerkennt. Der Amazon Prime Day findet in diesem Jahr am 21. und 22. Juni statt.

„Amazon hat unlängst Lohnerhöhungen angekündigt, die bei 2,5 Prozent liegen. Das ist gerade mal ein Ausgleich für die derzeitige Preissteigerung. Das ist keine Wertschätzung und Anerkennung der besonderen Belastungen in der Corona-Zeit. Dabei ist Amazon einer der großen Gewinner im Handel. Die Beschäftigten bei Amazon haben mehr verdient,“ sagt Verdi-Streikleiterin Mechthild Middeke. Auch für den Tarifbereich des Einzel- und Versandhandels Hessen fordert Verdi in der Tarifrunde eine Lohnsteigerung von 4,5 Prozent plus 45 Euro pro Monat, ein tarifliches Mindestentgelt von 12,50 Euro sowie die Allgemeinverbindlichkeit (AVE) der Tarifverträge.

Auch vom Streik betroffen: Der Amazon-Standort am Eichhof.

Amazon in Bad Hersfeld: Verdi ruft zum Prime Day 2021 zum Streik auf

Das Unternehmen äußert sich dazu wie folgt: „Die Wahrheit ist, dass Amazon bereits eine exzellente Bezahlung, exzellente Zusatzleistungen und exzellente Karrierechancen bietet und das alles in einer sicheren, modernen Arbeitsumgebung. Die Gewerkschaft weiß das.“ Erst kürzlich habe man angekündigt, dass die Einstiegslöhne für alle Mitarbeiter im deutschen Logistiknetzwerk ab Juli 2021 auf umgerechnet mindestens 12 Euro brutto pro Stunde steigen sollen. Dies sei eine Ergänzung zum umfangreichen Leistungspaket, das unter anderem eine Sondervergütung für Überstunden, eine Lebens- und Erwerbsunfähigkeitsversicherung sowie Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge enthalte.

Auswirkungen auf die Kunden erwartet Amazon durch die Streik-Aktionen nicht. Die Aufrufe zum Streik hätten sich in der Vergangenheit stets auf wenige der 16 deutschen Logistikzentren und nur einen Teil der Beschäftigten beschränkt. In Bad Hersfeld wird seit 2013 regelmäßig gestreikt. Auch 2019 hatte Verdi Amazon-Mitarbeiter in Bad Hersfeld zum Prime Day zum Streik aufgerufen.

Verdi-Streikleiterin Mechthild Middeke rechnete am Montag mit insgesamt 550 bis 600 Teilnehmern. Rund 3500 Beschäftigte hat Amazon in Bad Hersfeld. Die Streikgelderfassung findet coronagerecht auf dem Parkplatz statt. Man setze auf sie wenig Präsenz der Streikenden wie nötig, aber so viel wie möglich, betonte Middeke mit Blick auf die Pandemie in einer kurzen Ansprache für die Spätschicht. Bereits im elften Jahr arbeitet Nicole Schreiner aus Großensee (Thüringen) bei Amazon in Bad Hersfeld. Seit 2015 beteiligt sie sich an den Streiks. Sie kritisiert vor allem die Arbeitsbedingungen sowie fehlendes Urlaubsgeld. So sei Ergonomie am Arbeitsplatz noch überall vorhanden, sie fühlt sich zudem „vom System gejagt“. „Wir arbeiten für den reichsten Menschen der Welt, ich brauche keine Aktien, ich möchte meinen Lohn auf dem Lohnzettel sehen“, so Schreiner.

Eine Solidaritätsbekundung gab es in Bad Hersfeld von Martin Püschel als Vertreter der Linken im Kreis Hersfeld-Rotenburg. Heidemarie Scheuch-Paschkewitz, Abgeordnete der Fraktion Die Linke im Hessischen Landtag, schreibt in einer Pressemitteilung: „Wir stehen solidarisch an der Seite der Beschäftigten von Amazon, wenn sie zu den Prime-Superschnäppchentagen dem Aufruf ihrer Gewerkschaft zum Streik folgen. Die Beschäftigten gehören besonders an einem Tag wie dem Prime Day in den Mittelpunkt gestellt.“ Der Einsatz der Beschäftigten müsse endlich besser honoriert und tarifvertraglich geregelt werden, so Scheuch-Paschkewitz. (red/nm)

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