"Für verlässliche Bedingungen"

Amazon-Streik: Verdi-Sekretärin Mechthild Middeke im Interview

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Gesicht und Stimme des Amazon-Streiks: Verdi-Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke.

Bad Hersfeld. Im Bemühen um einen Tarifvertrag bei Amazon lässt die Gewerkschaft Verdi nicht locker. Am Sonntag jährt sich der erste Streiktag in Bad Hersfeld zum vierten Mal. Wir sprachen aus diesem Anlass mit der zuständigen Gewerkschaftssekretärin Mechthild Middeke.

Seit vier Jahren wird bei Amazon in Bad Hersfeld gestreikt – wie lange soll das noch so weitergehen?

Mechthild Middeke: Wir streiken für einen Tarifvertrag, und solange Amazon nicht mit uns über einen solchen verhandelt, werden wir auch weiterstreiken. Das haben wir immer wieder so erklärt und so sieht es auch die Belegschaft.

Einen Tarifvertrag lehnt der Versandhändler aber kategorisch ab. Frustriert das nicht? 

Middeke: Natürlich fragt man sich immer mal wieder, ob und wie es weitergeht. Das wird auch in den Streikversammlungen diskutiert. Die Motivation ist jedenfalls nach wie vor da. Das hat auch der erste Streiktag 2017 gezeigt. Die Beteiligung hat nicht nachgelassen. Rund 500 Streikende sind eine konstante Größe.

Aber auch nur ein Teil, der kompletten Belegschaft ... 

Middeke: Natürlich stellen auch die streikenden Kollegen die Frage, ob wir Amazon mit unseren Streiks überhaupt treffen können. Das muss man natürlich realistisch einschätzen. Solange wir nicht mit mindestens 75 Prozent vor dem Tor stehen, werden wir Amazon nicht wirklich treffen. Wir verursachen wirtschaftliche Schäden und Mehraufwand, um die Ausfälle zu kompensieren, aber in die Knie zwingen werden wir das Unternehmen so nicht. Wir setzen darauf, dass sich die Streikbewegung weiterentwickelt, auch an Standorten, die noch nicht beteiligt sind.

Zeigen multinationale Konzerne den Gewerkschaften ihre Machtlosigkeit in einer globalisierten Welt auf? 

Middeke: Gewerkschaftliche Macht, was ist das überhaupt? Sie hat das Ziel, verlässliche Arbeitsbedingungen in Form von Tarifverträgen zu schaffen. Gewerkschaftliche Macht bedeutet aber auch Zusammenhalt und Solidarität unter den Beschäftigten zu schaffen. Das macht sich im alltäglichen Arbeitsleben bemerkbar. Man muss sich auch im Kleinen nicht alles bieten lassen.

Was haben die Streiks bisher gebracht? 

Middeke: Amazon ist verstärkt in den Blickpunkt geraten. Inzwischen versucht das Unternehmen transparenter zu sein und sich als guter Arbeitgeber zu präsentieren. Das ist durchaus nicht nur PR. Gesundheitsmanagement, Lohnerhöhungen, Weihnachtsgeld – das sind durchaus Dinge, von denen die Mitarbeiter profitieren.

Das komplette Interview und mehr zum Thema lesen Sie in der gedruckten Zeitung am Montag und im E-Paper.

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