Kurzinterview mit Leichtathletinnen

Olympische Spiele: Anna und Lisa Hahner bereiten sich auf ihren Marathon-Start vor

Bad Hersfeld. Alles ist auf den 14. August ausgerichtet. Dann werden Anna und Lisa Hahner aus Rimmels bei Fulda gemeinsam bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im Marathonlauf starten.

Der Traum der Zwillinge wird dann wahr. Und nicht nur in ihrem Heimatort, wo für den Lauf ein Public Viewing geplant ist, sondern auch in und um Bad Hersfeld werden die Fans dann mitfiebern. Denn beim Bad Hersfelder Lollslauf sind die beiden Frohnaturen schon mehrfach gestartet und haben die Herzen der Zuschauer erobert.

Der Weg zu Olympia

Die Qualifikation für Rio - ein Zitterspiel nach dem Zieleinlauf. Anna, die um 16 Minuten ältere der beiden 26-jährigen Schwestern, lief im vergangenen September in Berlin 2:30,19 Stunden. Die Olympianorm (damals 2:28,30) war verpasst, es flossen Tränen der Enttäuschung. Und einen Monat später scheiterte Lisa in Frankfurt um ganze neun Sekunden an der Norm. Strahlen durften die beiden erst, als diese nachträglich auf 2:30,30 angehoben wurde. Lisa war als Deutsche Meisterin gesetzt, Anna später auch als eine der aktuell drei schnellsten Deutschen.

Die Entscheidung vorher 

Laufen statt lehren - das war salopp gesagt die Entscheidung, vor der die Zwillinge standen, als sie ihren Lehramts-Bachelor in Mainz (Anna in Französisch und katholischer Theologie, Lisa in Französisch und Mathematik) in der Tasche hatten. Statt den Master anzugehen, setzten sie voll auf die Karte „Laufen“. Und kontern die immer wieder mal aufkommende Kritik von Verbandsseite, sie kümmerten sich allzu offensiv um ihre Vermarktung, cool und treffend: „Es reicht nicht, schnell zu laufen, wenn niemand weiß, dass man schnell läuft“, sagte Anna unlängst.

Die Unterschiede 

Sind winzig. Wenn nicht, wie bei großen Läufen üblich, der Name auf der Startnummer steht, muss man schon ganz genau hinschauen, um die beiden auseinanderzuhalten.

Lisa ist zwei Zentimeter größer als Anna (was man im Fernsehen nicht sehen wird), sie trägt ihren Scheitel von links nach rechts, Anna umgekehrt (was ebenfalls schwierig zu erkennen ist). Vielleicht am einfachsten: Anna trägt stets Ohrringe, Lisa nie.

Der Terminplan ist eng, und das Training soll im Vordergrund stehen - sagt Trainer Thomas Dold. Daher war auch kein Termin für ein Gespräch mit den beiden Läuferinnen zu bekommen. Allerdings haben sich Anna und Lisa Hahner Zeit genommen, unsere Fragen schriftlich zu beantworten.

Läuft die Olympia-Vorbereitung denn derzeit nach Plan?

„Ein klares Ja! Es gibt keinerlei Probleme.“

Wann genau geht es denn los? 

„Wir fliegen am 4. August.“

Habt ihr denn Gelegenheit, bei der Eröffnungsfeier dabeizusein? 

„Auf alle Fälle! Darauf freuen wir uns schon. Und wir werden auch im Olympischen Dorf wohnen.“

Ihr seid den Rio-Marathon ja schon einmal gelaufen. Was erwartet euch da - von der Strecke, vom Wetter, von den Zuschauern her? 

„Wir waren fast genau ein Jahr vor den Spielen beim Stadtmarathon. Daher wissen wir ziemlich genau, wie es sich anfühlen wird, bei diesen Wetterbedingungen zu laufen. Die Strecke kennen wir noch nicht - bei Olympia wird es im Gegensatz zum Stadtmarathon einen Rundkurs geben. Doch wir waren schon im Sambodromo, wo das Ziel beim Olympischen Marathon sein wird. Eine geniale Kulisse, und wir bekommen jetzt schon Gänsehaut, wenn wir an den Zieleinlauf denken!“

Ihr seid beide als absolute Frohnaturen bekannt. Was bedeutet es für euch, in einer solchen Stadt zu laufen, die ja ebenfalls für ihre Lebensfreude berühmt ist?

„Natürlich hat jede Stadt ihren eigenen Charme, aber Rio hat uns sofort in seinen Bann gezogen. Wir waren 2014 und 2015 jeweils für ein paar Tage dort. Die Lebensfreude und Sportbegeisterung war überall zu spüren. Auch deshalb sind wir uns sicher, dass Olympia ein Fest von Freude, Sport und Inspiration sein wird.“

Natürlich lernt man bei Olympia auch viele andere Sportler kennen. Gibt es jemanden, auf den ihr euch besonders freut? 

„Wir freuen uns auf die unterschiedlichen Sportler. Jeder hat eine eigene interessante Geschichte. Sport ist multikulti, und das kann man bei den Olympischen Spielen am besten erleben.“

Usain Bolt ist wahrscheinlich wieder der Leichtathletik-Star der Spiele. Wie würdet ihr ihm begründen, dass Marathon irgendwie cooler ist als 100-Meter-Lauf? 

„Er würde im Marathon doch viel mehr von der Stadt sehen, und ein verpatzter Start ist bei uns völlig egal. Er könnte viel länger auf der Zielgeraden jubeln, und das Rennen bietet viel länger Zeit, sich zu zeigen.“ www.hahnertwins.com

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