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Anouschka Renzi über Dschungelcamp und Image-Fragen

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 Anouschka Renzi zeigt im Interview mit der Hersfelder Zeitung  ihre sensible Seite.
Sie hat gelernt, mit ihrem Image zu leben: Anouschka Renzi gilt oft als zickig. Im Interview mit unserer Zeitung zeigte sie aber ihre sensible Seite. © Steffen Sennewald

Aus dem Dschungelcamp in die Stiftsruine: Anouschka Renzi ist wohl die bekannteste Schauspielerin im diesjährigen Festspiel-Ensemble. Mit ihr sprach Kai A. Struthoff.

Bad Hersfeld – Frau Renzi, seit Ihrem Auftritt im Dschungelcamp sind Sie sehr präsent in vielen Medien, obwohl Sie dort zuweilen eher negativ als „Dschungel-Diva“ dargestellt werden. Bereuen Sie Ihren Ausflug in den Dschungel?

Ich bereue überhaupt nichts, denn ich habe da sehr viel Geld verdient. Die Aufzeichnung habe ich mir auch gar nicht angesehen. Und außerdem ist das alles sehr schnell wieder vergessen. Oder wissen Sie noch, wer vor zehn Jahren im Camp war?

Sie sind seit vielen Jahren eine sehr gefragte und bekannte Schauspielerin im Theater, Fernsehen und Film. Hatten Sie es da wirklich nötig, für Geld in den Dschungel zu gehen?

Natürlich habe ich ein paar finanzielle Reserven. Aber die sind für mein Alter und für das Studium meiner Tochter gedacht. Diese zwei Jahre Corona, in denen ich wie viele andere Schauspieler, nichts verdient habe, haben an meinen Rücklagen gezehrt. Ich konnte als Schauspielerin immer mehr oder weniger gut von meinen Gagen leben. Aber die Vorstellung, dass alle Schauspieler furchtbar reich sind, stimmt einfach nicht.

Was war für Sie rückblickend das Schlimmste im Dschungelcamp?

Der Schlafmangel, alles andere war mir egal. Die Nächte sind kurz, man wird ständig geweckt und muss Nachtwachen am Feuer halten, morgens wird es früh hell, dazu die Geräusche des Dschungels. Das macht einen mürbe, und nach einigen Tagen auch launisch und gereizt. Aber das ist ja der Sinn der Sache. Alles, was man da sieht, ist echt. Und alles ist genauso schlimm, wie es aussieht.

Sie haben in einem Interview gesagt: Ist der Ruf erst ruiniert, lebt es sich völlig ungeniert. Auf mich machen Sie vielmehr einen sehr sensiblen Eindruck ...

Das bin ich auch! Aber ich werde schon seit mehr als 20 Jahren immer wieder in der Öffentlichkeit angegangen, zuweilen nicht sehr liebevoll. Danach ist dann auch der Dschungel nicht mehr so schlimm. Inzwischen definiere ich mich nicht mehr ausschließlich über meinen Beruf. Ich habe gelernt, dass man gegen sein Image nur sehr wenig tun kann. Und das Image, das ich im Dschungel bekommen habe, das hatte ich ja schon vorher. Ich habe den Ruf, zickig zu sein, was ich gar nicht bin. Eigentlich nehme ich mich selbst auch nicht so ernst. Ich gelte zuweilen als arrogant, nur weil ich eben nicht der Lächel-und-Bussi-Bussi-Typ bin.

Nach der harten Zeit im Dschungel sind Sie vermutlich umso glücklicher in Bad Hersfeld zu sein. Wie begegnen Ihnen hier die Menschen?

Ich bin wirklich froh hier zu sein. Viele Leute erkennen mich auch auf der Straße, und ich habe den Eindruck, dass sie mich mögen. Ich glaube übrigens auch, dass mich im Dschungel viele gemocht haben, eben weil ich nicht so gekünstelt war, sondern so wie ich bin.

Sie spielen im Festspiel-Stück „Notre-Dame“ eine Puff-Mutter und eine adelige Dame ...

Und auch noch eine Erzählerin. Ich konzentriere mich jetzt vor allem auf die Rolle der Puff-Mutter, einer extrem bodenständigen Frau, die vor allem ernst genommen werden möchte.

Das Ensemble setzt sich aus jüngeren und älteren, bekannteren und weniger bekannten Darstellern zusammen. Wie ist die Stimmung?

Die Stimmung ist bislang sehr gut, das liegt auch an Joern Hinkel, der eine sehr positive Ausstrahlung hat. Er sagt, was er will, es ist auch anstrengend, aber bislang macht es allen viel Spaß. Nach den Proben gehen wir zuweilen auch noch abends gemeinsam zum Essen.

Wie lernen Sie eigentlich Ihre Rollen?

Text lernen, macht keinen Spaß, das ist einfach nur pauken. Glücklicherweise habe ich hier keine sehr große Rolle. Wir proben das Stück Szene für Szene, und das auch chronologisch. Da dauert es dann eine Weile, bis der eigene Einsatz kommt. Dann besteht die Gefahr, den Text bis dahin zu vergessen. Man muss das Stück einfach so oft wie möglich lesen, dann kommt der Text wie von selbst. Man legt in jede Rolle ein Stück von sich selbst rein. Auch wenn ich mich persönlich nicht unbedingt mit der Puff-Mutter identifizieren kann, persifliere ich diese Rolle auch nicht. Das Kostüm allein reicht. Schließlich sind ja auch Puff-Mütter ganz normale Frauen.

Als Schauspielerin haben Sie schon auf vielen Bühnen – auch Open Air – gespielt. Ist die Stiftsruine trotzdem für Sie ein besonderer Spielort?

Die Bühne in der Stiftsruine hat eine ganz eigene Magie. Das ist ein so toller Ort, den man mit nichts vergleichen kann.

Interview in der Festspiel-Kantine: Redaktionsleiter Kai A. Struthoff im Gespräch mit Anouschka Renzi.
Interview in der Festspiel-Kantine: Redaktionsleiter Kai A. Struthoff im Gespräch mit Anouschka Renzi. © Kai A. Struthoff

Sie sind gebürtige Berlinerin ...

... ja, aber mit einem Schweizer Pass. Ich habe auch lange Zeit in Frankreich gelebt. Aber jetzt wohne ich in Charlottenburg – obwohl ich in den nächsten zwei Jahren kaum zu Hause sein werde. Deshalb genieße ich auch jetzt die Zeit hier in Bad Hersfeld, in meiner süßen Wohnung direkt im Zentrum. In der Freizeit gehe ich hier gern mit meinem Hund spazieren oder zum Yoga.

Nach den Festspielen sind Sie dann viel unterwegs. Wo werden wir Sie sehen?

Ich spiele dann nur Theater. Zum Beispiel eine Boulevardkomödie in Essen, und später in einer Komödie in Frankfurt. 2024 mache ich dann eine Theatertournee mit Desiree Nick ....

... die ja als Ihre Intim-Feindin gilt. Haben Sie sich jetzt wirklich versöhnt?

Na ja, wir haben uns arrangiert, auch weil wir gemeinsam dieses tolle Stück „Betty und Joan“ – die Geschichte von Betty Davis und Joan Crawford – spielen. Eigentlich wollte ich ja nie wieder etwas mit Desiree Nick zu tun haben, aber das ist jetzt vorbei, denn jetzt geht es um etwas Professionelles, und das wird sicher viel Interesse wecken.

Sie sind seit zwei Jahren mit ihrem langjährigen Partner, dem Schauspieler Marc Zabinski, verlobt. Läuten bei Ihnen bald die Hochzeitsglocken?

Keine Ahnung, wir verstehen uns gut, obwohl wir uns nicht ständig sehen, denn Marc und ich arbeiten meist an verschiedenen Orten. Zur Zeit probt er gerade an der Ostsee bei den Piraten Open-Air in Boltenhagen. Leider ist es dorthin von hier sehr weit. Vor Corona hatten wir zwar über eine Hochzeit nachgedacht. Aber Heiraten muss auch nicht sein. Schließlich war ich ja auch schon zweimal verheiratet.

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