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Archivneubau in Bad Hersfeld kommt, Standort aber noch unklar

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Hier könnte das neue Stadt- und Kreisarchiv entstehen: In der  Antoniengasse in Bad Hersfeld, gegenüber des ehemaligen Herkules.
Hier könnte das neue Stadt- und Kreisarchiv entstehen: In der Antoniengasse in Bad Hersfeld, gegenüber des ehemaligen Herkules. © Laura Hellwig

Aktualisiert am 9. 12. 2022, 17.30 Uhr: In der Diskussion um ein neues Archivgebäude für Stadt und Kreis in Bad Hersfeld geht es nun vor allem um die Frage des Standorts.

Bad Hersfeld - In der Diskussion um das Stadtarchiv in Bad Hersfeld zeichnet sich endlich eine Lösung ab: Nach intensiven Verhandlungen streben Stadt und Kreis einen gemeinsamen Neubau in der Bad Hersfelder Antoniengasse an. Auch alternative Standorte sollen geprüft werden. Darüber informierten am Donnerstagabend die designierte Bürgermeisterin Anke Hofmann und der Erste Stadtrat Gunter Grimm den Haupt- und Finanzausschuss. Zuvor hatten auch die zuständigen Gremien des Kreises den Plänen grünes Licht gegeben.

Über die genaue Umsetzung des Bauvorhabens sollen nun weitere Verhandlungen geführt werden. Grimm sagte, „ich bin mehr als froh, dass diese Lösung gefunden wurde.“

Im Falle eines Neubaus wäre die ebenfalls diskutierte Mietlösung im Herkules-Gebäude vom Tisch. Der Kreis dringe auf eine „dauerhafte, rechtssichere Unterbringung für mindestens 80 Jahre im kommunalen Besitz“, heißt es in der Beschlussvorlage. Hinzu kommt, dass im Herkules-Gebäude auch eine Hochwassergefahr besteht.

Bereits geprüft wurden zudem erste alternative Standort. Das ehemalige Postgebäude in der Hainstraße schied dabei für eine Archivnutzung aus, weil die Bodenlasten für eine solche Nutzung nicht ausreichten.

Das alte Fachwerkhaus am Markt 16 (ehemals Ordnungsamt) kommt ebenfalls nicht für eine gemeinsame Archivnutzung mit dem Kreis in Frage, weil es zu klein ist. Für eine Archivnutzung nur durch die Stadt wären zudem erhebliche Investitionen nötig. Gleichwohl kündigte Anke Hofmann an, im kommenden Jahr eine Vorlage für die weitere Nutzung des Gebäudes Markt 16 vorlegen zu wollen.

Für einen gemeinsamen Archivneubau gibt es laut Hofmann zudem auch höhere Fördermittel. Der Eigenanteil der Stadt Bad Hersfeld am Bau soll nach ihren Angaben rund 2,8 Millionen Euro betragen.

Die Beschlussvorlage wurde von den Mitgliedern des Haupt- und Finanzausschusses überwiegend positiv aufgenommen. Der Ausschussvorsitzende Karsten Vollmar dankte dem Kreis für seine Unterstützung, ohne die das Archivvorhaben wohl nicht zustande gekommen wären. Er äußerte zugleich Zweifel daran, ob der Standort in der Antoniengasse für ein Archivgebäude ohne viel Publikumsverkehr der richtige sei.

Gunter Grimm versicherte ihm, dass weiterhin auch noch andere alternative Standorte geprüft werden, wenngleich die Antoniengasse schon allein aus Gründen der Städtebauförderung der favorisierte Bauplatz sei.

Die Ausschussmitglieder stimmten der Vorlage schließlich einstimmig bei einer Enthaltung zu.

Landrat setzt auf Synergieeffekte

Der Landkreis erhofft sich vom gemeinsamen Bau eines Archivgebäudes in Bad Herfeld zahlreiche Synergieeffekte. Dazu gehörten nach Ansicht von Landrat Torsten Warnecke unter anderem bessere Erreichbarkeit sowohl digital als auch vor Ort. „Ebenso wächst die Archivbibliothek deutlich, es wird einen Lesesaal sowie Fachräume für die verschiedenen Aufgaben geben“, sagte der Landrat unserer Zeitung. Am Donnerstagabend war im Haupt- und Finanzausschuss von Bad Hersfeld bekannt geworden, dass zuvor der Kreisausschuss beschlossen hatte, die Verhandlungen mit der Stadt für einen gemeinsamen Archivbau aufzunehmen.

Warnecke erklärte, der Kreis lehne eine Mietlösung im Herkules-Parkhaus des VR-Bankvereins ab, weil es im Hochwassergefährdungsgebiet liege, weshalb eine Unterbringung der wertvollen Dokumente auch nach geltenden DIN-Normen für Archivgebäude nicht gestattet sei. Auch der Umbau wäre sehr aufwendig. „Bei einer Mietlösung würden zudem hohe Förderzuschüsse verloren gehen“, sagte Warnecke. Stadt und Kreis hoffen auf eine über 60-prozentige Förderung, des über zehn Millionen Euro teuren Neubaus. Der Eigenanteil der Stadt liege bei 2,8 Millionen Euro.

Ausschuss diskutierte über Standort

Über den Standort des Neubaus gab es im Bad Hersfelder Ausschuss noch Uneinigkeit, obwohl alle Fraktionen ausdrücklich begrüßten, dass Stadt und Kreis nun Verhandlungen aufnehmen wollen. Der Vorsitzende Karsten Vollmar (SPD) sagte jedoch, bei dem Gebäude sei keine hohe Publikumsfrequenz zu erwarten, weshalb er einen anderen Standort als das Filetstück in der Antoniengasse bevorzugen würde. Die designierte Bürgermeisterin Anke Hofmann verwies hingegen darauf, dass die Fördergelder an innerstädtische Sanierungsgebiete gebunden seien. Für die Antoniengasse liege zudem bereits eine Baugenehmigung vor. Gleichwohl seien auch andere Standorte, wie etwa das alte Postamt in der Hainstraße oder das Haus am Markt 16 als mögliche Standorte geprüft worden aber entweder statisch nicht geeignet oder zu klein für ein gemeinsames Archiv.

Landrat Warnecke hält sich in der Standortfrage indes noch bedeckt: „Der Landkreis hat ein Interesse daran, ein optimales und funktionales Archiv zu errichten. Dazu wird die Stadt Vorschläge unterbreiten. Gewichtig sind die Städtebauförderungsmittel“, betonte er.

VR-Bankverein: Neubau würde Quartiert attraktiver machen

Obwohl der VR-Bankverein Bad Hersfeld-Rotenburg sein Parkhaus nun nicht als Archiv vermieten kann, begrüßte Vorstandsmitglied Thomas Balk „nun endlich Planungssicherheit für unser VR-Bankverein Quartier“ zu haben. Er setzt auf einen Neubau in der Antoniengasse, der das Stadtviertel aufwerten und attraktiver machen werde. Der VR-Bankverein könne nun die Planung für den Quartiersplatz gemeinsam mit der Stadt abstimmen, man hoffe auf eine zügige Umsetzung, erklärte Balk.

Die Planungen hinsichtlich der Entwicklung des „VR-Bankverein Quartiers“ seien unabhängig von der Entscheidung zum Kreis- und Stadtarchivs fortgeführt worden. Die Entwicklung von Gewerbeflächen hänge auch von der zeitnahen Gestaltung der brachliegenden Flächen in der Antoniengasse ab. Die ursprünglichen Pläne sehen dort eine parkähnliche Grünfläche vor. Dies nennt auch der VR-Bankverein als eine Voraussetzung für die angestrebte Revitalisierung des gesamten Stadtviertels.  (Kai A. Struthoff)

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