Verunreinigung sorgt für Frust

Asbachtalbrücke: Nach Unfällen auf der A4 sind oft Ölsperren nötig

Großeinsatz für die Feuerwehr: Bei einem Lkw-Unfall Anfang Juli auf der A 4 mitten auf der Asbachtalbrücke liefen 500 bis 600 Liter Diesel auf die Fahrbahn, die durch andere Fahrzeuge über gut einen Kilometer großflächig verteilt wurden. Immer wieder kommt es nach solchen Unfällen vor, dass Kraftstoff in den Asbach fließt.
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Großeinsatz für die Feuerwehr: Bei einem Lkw-Unfall Anfang Juli auf der A 4 mitten auf der Asbachtalbrücke liefen 500 bis 600 Liter Diesel auf die Fahrbahn, die durch andere Fahrzeuge über gut einen Kilometer großflächig verteilt wurden. Immer wieder kommt es nach solchen Unfällen vor, dass Kraftstoff in den Asbach fließt.

Wenn auf der A 4 bei Asbach mal wieder ein Unfall passiert, muss die Feuerwehr nicht nur bei der Bergung und den Aufräumarbeiten helfen, sondern häufig auch noch Ölsperren setzen.

Asbach - So soll möglichst schnell und effektiv verhindert werden, dass ausgelaufenes Öl, Diesel, Benzin oder gefährlichere Stoffe in den direkt unter der Asbachtalbrücke verlaufenden Asbach fließen, der in die Fulda mündet. Dass es dort keine technische Anlage zum Umwelt- und Hochwasserschutz gibt, ärgert und irritiert nicht nur den CDU-Stadtverordneten und Feuerwehrmann Jonas Seitz, dessen Fraktion nun eine entsprechende Anfrage an den Magistrat gestellt hat. Wobei für die ordnungsgemäße Entwässerung der Autobahn die Autobahn GmbH des Bundes (zuvor Hessen Mobil) zuständig ist. Bei der Stadt sei das Problem gleichwohl bekannt und in Arbeit.

„Über das massive Brückenbauwerk führt die Bundesautobahn 4 jeweils dreispurig plus Standstreifen in östlicher und westlicher Richtung. Im Rahmen des Ausbaus und der Sanierung hat man auf das Errichten dieser technischen Anlage verzichtet. Unklar ist, warum“, heißt es in einer Pressemitteilung der CDU zum Thema. In regelmäßigen Abständen komme es dort zu Verkehrsunfällen, auch mit Lkw, sodass austretende Betriebsmittel direkt in den Bach fließen und Wasser sowie Wiesenlandschaft kontaminiert würden. „Tagtäglich rollen zudem mit Gefahrgut beladene Lkw über die Autobahn. Nicht auszudenken, welcher Umweltschaden entstehen würde, wenn diese Stoffe in das Landschaftsschutzgebiet gelangen“, sorgt sich auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Jan Saal. Mit einer technischen Anlage, etwa einem Ölabscheider, könne dies verhindert werden. Auch mit Blick auf den Hochwasserschutz stelle sich die Frage, warum in diesem Bereich kein Regenrückhaltebecken gebaut wurde, um das Asbachtal vor Starkregenereignissen zu schützen.

Stadtbrandinspektor Frank Jakob kennt das Problem ebenfalls, will die Situation aber nicht überdramatisieren oder unnötigen Druck aufbauen. „Die Feuerwehr ist in erster Linie für die Gefahrenabwehr zuständig. Wenn keine Rückhaltebecken oder andere technische Einrichtungen vorhanden sind, werden Ölsperren gesetzt, um eine weitere Kontamination beziehungsweise Ausbreitung zu verhindern“, erklärt er das übliche Vorgehen. Aufs Jahr betrachtet hielten sich solche Öl-Einsätze aber in Grenzen, laut Jakob sind es im Schnitt zwei bis drei pro Jahr. Die gleichen Probleme hätten im Übrigen auch andere, etwa die Autobahngemeinden Neuenstein und Kirchheim.

Das bestätigt Neuensteins Gemeindebrandinspektor Timo Harbich. Wenn auf der A 7 ein Unfall passiere und es dann noch regne, laufe der Kraftstoff schnell über die Regenrinne und Kaskaden. Schon vier solcher Einsätze an kritischen Stellen habe es dieses Jahr bereits gegeben. Kritische Stellen seien unter anderem im Bereich Mühlbach und von Aua kommend Richtung Saasen. Zwar sei das Setzen einer Ölsperre inklusive Kontrolle meist innerhalb weniger Stunden erledigt, dennoch sei es ärgerlich, gerade nachts. „An dem Problem sind wir schon lange dran“, berichtet Timo Harbich.

Aus Sicht von Hannes Eckhardt, Gemeindebrandinspektor in Kirchheim, ist dort aktuell nicht das Setzen einer Ölsperre das Problem für die Feuerwehr, „sondern erstmal herauszufinden, wo genau die Entwässerung der Autobahn hinführt“. Hintergrund ist der Umbau des Kirchheimer Dreiecks und die damit verbundene Erneuerung der Regenabläufe. Auf den Kosten für die Entsorgung bleiben die Kommunen übrigens sitzen, wenn der Verursacher nicht ermittelt werden kann.

Das sagt die Untere Wasserbehörde: „Die Problematik ist bekannt“

„Als für die Bearbeitung von Unfällen mit wassergefährdenden Stoffen im Kreis Hersfeld-Rotenburg zuständige Behörde sind uns die Problematik der direkten Ableitung der Oberflächenwässer an den benannten Autobahnabschnitten und die damit verbundenen Aufwendungen seitens der Feuerwehren bekannt. In welcher Tiefe hierbei die seinerzeitigen Entwässerungskonzepte in den Planfeststellungsverfahren beim Regierungspräsidium Kassel und dem Hessischen Verkehrsministerium thematisiert und festgeschrieben wurden, kann von uns aktuell nicht nachvollzogen werden. Üblicherweise sahen die damaligen Entwässerungskonzepte jedoch keine konkreten Rückhalteeinrichtungen an Autobahnen vor. Insofern haben die damaligen Beschlüsse weiter Bestandskraft. Mittlerweile ist es Stand der Technik, entsprechende Einrichtungen zur Niederschlagswasserrückhaltung und Rückhaltung von Leichtflüssigkeiten anzuordnen. Ein Beispiel ist die geplante Erneuerung der A 4 im Abschnitt Bad Hersfeld-Wildeck/Obersuhl.“

Das sagt die Autobahn GmbH des Bundes: „Stand der Technik bei der Planung“

„Die Asbachtalbrücke befindet sich im Abschnitt Kirchheim der A 4. Dieser wurde im Rahmen der grundhaften Erneuerung mit Anbau von Stand- und Zusatzfahrstreifen ausgebaut und 2011 fertiggestellt. Es trifft zu, dass die Entwässerung der Fahrbahnflächen in diesem Bereich über Entwässerungsleitungen und Gräben in den Asbach erfolgt. Dieses Konzept entspricht dem Stand der Technik zum Zeitpunkt der Planung und Baurechtschaffung und wurde seinerzeit mit den zuständigen Wasserbehörden abgestimmt. Die entsprechende Wasserrechtliche Genehmigung erfolgte im Rahmen des Planfeststellungsbeschlusses vom 2. März 2005 und hat nach wie vor Gültigkeit. Auch vor dem Ausbau erfolgte die Entwässerung ohne Rückhaltebecken. Der Stand der Technik hat sich mittlerweile weiterentwickelt und macht bei neuen Planungen die Rückhaltung des Fahrbahnwassers zur Regel. Eine generelle Verpflichtung zur Nachrüstung mit Rückhaltebecken besteht aber nicht. Es gibt daher auch keine konkrete Planung.“ (Nadine Meier-Maaz)

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