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Aufnahmestopp bei den Tafeln im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

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Von: Laura Hellwig

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Nachschub für die Tafel in Bad Hersfeld: Unser Archivbild zeigt von links Silvia Hemel, Edeltraud Iwan und Arno Biens beim Entladen der Hilfsgüter. In letzter Zeit werden die Lebensmittelspenden aber knapp.
Nachschub für die Tafel in Bad Hersfeld: Unser Archivbild zeigt von links Silvia Hemel, Edeltraud Iwan und Arno Biens beim Entladen der Hilfsgüter. Das Problem derzeit: Für mehr Bedürftige stehen weniger Lebensmittel zur Verfügung. © Nadine Meier-Maaz/Archiv

Bei den Tafeln in Bad Hersfeld und Bebra sowie der Außenstelle in Rotenburg gibt es einen Aufnahmestopp. Belastet sind die Einrichtungen derzeit von gleich drei globalen Krisen.

Hersfeld-Rotenburg – Der Krieg in der Ukraine, die Energie-Krise und die Corona-Krise setzen den Tafeln im Landkreis Hersfeld-Rotenburg zu. Dabei kommen gleich zwei schwerwiegende Probleme zusammen: Für mehr Bedürftige stehen weniger Lebensmittel zur Verfügung. „Die Anzahl der Kunden hat sich verdoppelt“, sagt Gundula Pohl von der Diakonie. Hauptgrund sei der Ukraine-Krieg und die dadurch verursachte Zuwanderung. Aber auch mehr Einheimische kämen wegen gestiegener Lebensmittelpreise jetzt auf die Tafeln zu.

Die Lage könnte sich, so vermutet Pohl, durch die sich anbahnende Energie-Krise im Herbst noch mal verschärfen. Durch die steigenden Kosten könnten mehr Menschen in Armut fallen. Zudem sei weiterhin unklar, wie viele Menschen in den kommenden Monaten noch aus der Ukraine fliehen und im Landkreis nach Hilfe suchen.

450 Bestandskunden in Hersfeld-Rotenburg

Bei der Tafel in Bebra werden etwa 140, bei der Außenstelle Rotenburg rund 120 Haushalte versorgt. In Bad Hersfeld sind es etwa 190. Für alle drei Standorte gibt es eine Warteliste. Von Montags bis Donnerstags werden Lebensmittel an die Bestandskunden ausgegeben. Freitags wurde eine „Notversorgung“ eingerichtet, so Gundula Pohl. In Bad Hersfeld werden hier im Monat zusätzlich etwa 140 ukrainische Flüchtlinge versorgt.

Diakoniepfarrer Alexander Ulrich, mahnt: „Wir können nur unterstützen, aber nicht versorgen“. „Die Situation ist dramatisch“ sagt auch Gundi Schlüter-Bodenstein von der Tafel Bebra. Auch hier gehen die Lebensmittelmengen zurück. Verschärft werde die Situation zudem durch die heißen Temperaturen, denn viele Produkte seien in dieser Zeit kürzer haltbar.

Corona ist nach wie vor eine Belastung für die Arbeit der Tafeln

Zudem belastet auch die anhaltende Corona-Krise die Arbeit bei den Tafeln. „Das grundsätzliche Prinzip, dass die Menschen sich ihre Lebensmittel selbst aussuchen, haben wir verwerfen müssen“, erklärt Pohl. Die Essensausgabe wurde ins Freie verlegt, die Lebensmittel werden für jeden Haushalt vorgepackt, um Kontakte zu vermeiden und Infektionen vorzubeugen.

„Wir können das nicht mehr stemmen. Die Ehrenamtlichen arbeiten jenseits der Belastungsgrenze“, bedauert Ulrich. Erschwert werde die Situation nochmals durch den Mangel an jüngeren Freiwilligen.

Diese würden vor allem für das Tragen der schweren Kisten benötigt, so Edeltraud Iwan und Silvia Hemel von der Tafel in Bad Hersfeld. „Nur dank der Hilfe der Bahnhofsmission können wir die zusätzliche Versorgung der Geflüchteten leisten“, betont Hemel. Vor allem schätze sie die Unterstützung durch Pfarrer Thorsten Waap und Pröpstin Sabine Kropf-Brandau. Insgesamt unterstütze die Tafel in Bad Hersfeld rund 830 Menschen, schätzt Hemel. (Laura Hellwig)

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