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Brandschutz-Auflagen: Aus für den Bad Hersfelder Grebe-Keller?

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Von: Nadine Meier-Maaz

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Kultur unter der Erde: Im Grebe-Keller haben vor dem Umbau und Corona zahlreiche Theaterstücke, Lesungen und Konzerte stattgefunden. Das Bild entstand bei „Back in Town“ mit Musicaldarsteller Alen Hodzovic, am Klavier Nikolai Orloff.
Kultur unter der Erde: Im Grebe-Keller haben vor dem Umbau und Corona zahlreiche Theaterstücke, Lesungen und Konzerte stattgefunden. Das Bild entstand bei „Back in Town“ mit Musicaldarsteller Alen Hodzovic, am Klavier Nikolai Orloff. © Thomas Landsiedel

Wegen Brandschutz-Auflagen bangen die Betreiber des Bad Hersfelder Grebe-Kellers um den Fortbestand der Veranstaltungsstätte.

Bad Hersfeld - Theater, Musik und Lesungen unter der Erde: Der Grebe-Keller war viele Jahre lang Veranstaltungsort von Kulturveranstaltungen in Bad Hersfeld. Nun droht ihm – erneut – das Aus. Grund ist die zulässige Zahl der Besucher in dem alten Gewölbe am Linggplatz.

Die ehrenamtlichen Betreiber, Holk Freytag und Götz Geißler, fühlen sich von der Stadt nicht ausreichend unterstützt beziehungsweise vermuten, dass persönliche Differenzen aus der Vergangenheit dahinterstecken. Die Stadt wiederum verweist auf die aktuelle Baugenehmigung und den Brandschutz.

„Der 500 Jahre alte Gewölbekeller im Haus Grebe war fast 20 Jahre lang Schauplatz eines vielseitigen Kulturprogramms, welches ganzjährig das Publikum begeisterte. In den Intendanzzeiten von Elke Hesse und Holk Freytag war er sogar Spielstätte der Bad Hersfelder Festspiele“, erinnern Ex-Festspiel-Intendant Holk Freytag und Götz Geißler in einer Pressemitteilung an die lange Geschichte. Danach wurde der Keller in Eigenregie bespielt.

Im Sommer dieses Jahres sollte nach Fertigstellung der Umbaumaßnahmen durch die Firma Guter Gerlach, die das Haus vor rund zwei Jahren übernahm, nachdem das 1877 gegründete Traditionsunternehmen für Eisenwaren und Hausrat Carl Grebe KG seine Geschäftstätigkeit dort Ende 2019 eingestellt hatte, eigentlich der Spielbetrieb wieder aufgenommen werden. Goethes „Iphigenie“, ein Abend zum Gedenken an Sophie Scholl und noch einmal „Das Tagebuch der Anne Frank“ mit Maddalena Hirschal waren laut Freytag und Geißler ebenso Bestandteil des geplanten Neuanfangs wie die Einrichtung eines Montagssalons und eines Mittagstheaters.

Mit 35 Zuschauern, wie sie trotz Einbaus eines neuen Ausgangs laut einer Verfügung der Stadtverwaltung nur noch möglich seien, lasse sich der Grebe-Keller jedoch nicht wirtschaftlich betreiben, schreiben Freytag und Geißler. Das Programm wurde bisher fast ausschließlich über das Eintrittsgeld finanziert. „Sollte sich in Bad Hersfeld keine adäquate Spielstätte mit mindestens 60 Plätzen und einer vergleichbaren Atmosphäre finden, wäre dies ein deutlicher kultureller Verlust für die Stadt und Region. Es wäre eine riesige Enttäuschung für über tausend Interessierte, die den Kulturkeller über viele Jahre besucht haben und zu Stammgästen wurden.“

Um eine „Verfügung“ handelt es sich laut Stadtsprecher Meik Ebert indes nicht. Vielmehr sei die Zuschauerbegrenzung Teil der gültigen Baugenehmigung und bereits seit Längerem bekannt. Für größere Veranstaltungen sei ein zweiter Fluchtweg notwendig, den dann die Eigentümer bauen lassen und bezahlen müssten. Zwar habe man seitens der Stadt geprüft, ob etwa auch eine städtische Beteiligung in Frage käme, wenn zum Beispiel der Fachbereich Stadtmarketing oder die Festspiele den Kulturkeller ebenfalls für Veranstaltungen nutzen wollten, dies sei aber nicht der Fall.

Franziska Gerlach, die gemeinsam mit ihrer Schwester Nicole Gerlach die Geschäftsführung bei Guter Gerlach innehat, verweist auf einen Vor-Ort-Termin, bei dem es um das Thema Brandschutz und einen zweiten Rettungsweg über eine Leiter ging. Ihrer Kenntnis nach seien 35 Zuschauer aber aktuell die Grenze, ob mit oder ohne zweiten Rettungsweg.

2015 war das Programm im Grebe-Keller zeitweise schon einmal gestoppt worden, weil es einen Konflikt um die Sicherheitsauflagen gab. Nachdem nachgebessert worden sei, habe man laut Geißler aber wieder mit 60 Gästen starten können, und auch zu Festspielzeiten seien so viele Zuschauer erlaubt gewesen. Dass das nun wieder nicht mehr gehen soll, sei unverständlich und ärgerlich. „Das ist ein Affront gegen unsere Arbeit.“ Ähnlich äußert sich Freytag, der von „Schikane“ spricht und zugleich betont, dass man gerne weitermachen würde. (Nadine Meier-Maaz)

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