Appell: Keinen Corona-Jahrgang zulassen

Ausbildungsmarkt in Hersfeld-Rotenburg: Arbeitsagentur warnt vor Stellenrückgang

30.04.2020, Baden-Württemberg, Stuttgart: Das Logo der Bundesagentur für Arbeit leuchtet (Spiegelung in Telekonverter). Die Bundesagentur für Arbeit gibt am 30.04. die offiziellen Arbeitslosenzahlen für April bekannt. In Folge der Coronavirus-Krise dürften diese im Vergleich zum Vormonat und zu April 2019 angestiegen sein. Foto: Sebastian Gollnow/dpa +++ dpa-Bildfunk +++
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Eine "Abwartehaltung" vor allem bei kleineren Betrieben stellt die Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda fest.  

Corona bremst die Entwicklung auf dem Ausbildungsmarkt. Bis Mitte April waren laut Arbeitsagentur im Kreis 847 Lehrstellen gemeldet – neun Prozent weniger als im Vorjahr.

„Der Shutdown hemmt das Geschehen auf dem Ausbildungsmarkt“, stellt Waldemar Dombrowski, Chef der Arbeitsagentur Bad Hersfeld-Fulda, fest. Er befürchtet, dass der Rückgang in den zweistelligen Bereich rutschen könnte und appelliert an Unternehmen, trotz der schwierigen Situation das Ausbildungsengagement nicht zu unterbrechen, damit kein Corona-Jahrgang entstehe. „Perspektivisch würde sich das durch einen erhöhten Fachkräftemangel rächen.“

Noch seien die Zahlen aber nicht dramatisch: Mitte April waren noch rund 500 Ausbildungsstellen unbesetzt – im April 2019 waren es 526. Dem gegenüber stehen 250 junge Frauen und Männer, die noch keine Lehrstelle gefunden haben (April 2019: 270). „Das sind eigentlich ganz gute Aussichten“, sagt Dombrowski, der jedoch eine „Abwartehaltung“ vor allem bei kleineren Betrieben feststellt, die überlegen würden, ob sie wie geplant ausbilden. Im vergangenen Jahr blieben am Ende 91 Ausbildungsplätze unbesetzt, 21 Bewerber fanden keine Lehrstelle.

Berufsorientierung in den Schulen musste wegen Corona ausfallen

Hans Wilhelm Saal, Hauptgeschäftsführer der Kreishandwerkerschaft, schätzt, dass kreisweit im Handwerk noch rund 150 bis 200 Lehrstellen frei seien. „Selbst die Friseure suchen inzwischen“, sagt er. Dass Lehrstellen storniert würden, sei ihm nicht bekannt. „Im Gegenteil: Wir würden gern noch ein paar Azubis einstellen.“ Sorge bereitet ihm, dass in diesem Jahr die Berufsorientierung in den weiterführenden Schulen ausfallen musste. „Als wir am 17. März loslegen wollten, kam Corona. 400 bis 500 Schüler hätten teilgenommen“, so Saal.

In der Industrie und im Handel hat sich laut IHK coronabedingt „das Einstellungsverhalten dahingehend verändert, dass sich der Bewerbungs- und Einstellungsprozess weiter Richtung Sommer verschoben hat und somit die Verträge später geschlossen werden“, teilt Enrico Gaede von der IHK Kassel-Marburg mit. Zu signifikanten Einbrüchen bei den Ausbildungszahlen sei es noch nicht gekommen.

Hintergrund: Ausbildung im Onlinehandel stark nachgefragt

Wenn es unter den Lehrberufen so etwas wie einen Gewinner der Corona-Krise gibt, dann die Ausbildung zum E-Commerce-Kaufmann. „Hier steigen die Beratungsanfragen merklich, sowohl von Betrieben als auch von Schülern“, sagt Enrico Gaede von der IHK. Kein Wunder: E-Commerce-Kaufleute arbeiten in Unternehmen, die Onlineshops betreiben und im Internetversandhandel – eine Branche, die gerade boomt.

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