Aus dem Gerichtssaal

Autofahrer attackiert Senior in Bad Hersfeld: Geldstrafe und Fahrverbot nach Streit mit „Hobbypolizist“

Amtsgericht Bad Hersfeld
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Amtsgericht Bad Hersfeld

Zu einer Geldstrafe und einem einmonatigen Fahrverbot ist jetzt ein 33-Jähriger aus Bad Hersfeld von Strafrichterin Silvia Reidt am Amtsgericht Bad Hersfeld verurteilt worden.

Bad Hersfeld – Der Mann hatte nach einem Streit im Straßenverkehr einen heute 76-jährigen Rentner zu Boden geschubst, der sich dabei schwere Verletzungen zuzog und in der Verhandlung nun als Nebenkläger auftrat.

Aneinander geraten waren die beiden am 28. April 2020 gegen 16.15 Uhr, nachdem der Angeklagte von der Unterführung her kommend verkehrswidrig nach links in die Bismarckstraße am Bad Hersfelder Stadtring abgebogen war. Der Rentner wollte den Autofahrer offenbar auf sein Fehlverhalten aufmerksam machen, und in der Folge eskalierte der Disput.

Laut des Angeklagten habe sich der 76-Jährige äußerst aggressiv verhalten, ihm den Weg versperrt, auf die Motorhaube geschlagen und ihn durchs offene Fenster ins Gesicht geschlagen, woraufhin er sich zur Wehr setzen und aus der Situation befreien wollte. Den Rentner, der kurz vor dem Stoß noch dicht am Auto gestanden habe, habe er anschließend am Boden liegen sehen, jedoch nicht mit schweren Verletzungen gerechnet. Das bestätigte so auch die Freundin des 33-Jährigen, die damals mit im Auto gesessen hatte. Der 76-Jährige hatte sich einen Trümmerbruch im Bereich des Handgelenks zugezogen, der operiert werden musste, sowie eine Schädelprellung.

Zwei zufällige Zeuginnen sagten allerdings aus, dass sich der Rentner bereits auf dem Fußweg in einigem Abstand zu dem Auto des 33-Jährigen befunden habe, der wutentbrannt zu dem Geschädigten hingelaufen sei. Das vorherige Geschehen hatten sie jedoch nicht mitbekommen. Der 76-Jährige gab an, sich an das konkrete Geschehen nicht erinnern zu können: „Ich habe mir erlaubt, ihn anzuhalten. Von da an fehlt mir die Erinnerung.“ Er könne es deshalb nicht ausschließen, sich aber nicht vorstellen, jemanden geschlagen zu haben. „Gewalt hat in meinem Leben noch nie eine Rolle gespielt.“

Der Angeklagte war nach dem Vorfall zunächst nach Hause gefahren, hatte dann aber von dort die Polizei verständigt. Um den Verletzten kümmerten sich die zufälligen Zeuginnen.

Richterin Reidt verurteilte den 33-Jährigen nun wegen vorsätzlicher Körperverletzung zu einer Geldstrafe in Höhe von 40 Tagessätzen à 50 Euro. Zudem erwartet ihn ein einmonatiges Fahrverbot und er hat die Kosten des Verfahrens zu tragen inklusive der Auslagen der Nebenklage. Für den Hersfelder ist es nicht die erste Geldstrafe: 2013 war er bereits wegen Beleidigung, Körperverletzung und Widerstands gegen die Staatsgewalt verurteilt worden, im Herbst 2020 wegen Verstoßes gegen das Betäubungsmittelgesetz. Notwehr hielt die Richterin mit Blick auf die Zeugenaussagen und das ungleiche Kräfteverhältnis für nicht plausibel. Die Folgen des Stoßes seien zwar nicht beabsichtigt gewesen, der Angeklagte habe sie aber billigend in Kauf genommen. Mit dem Strafmaß folgte Reidt dem Antrag der Staatsanwaltschaft.

Der Verteidiger des Angeklagten hatte indes für Freispruch plädiert und ein Fahrverbot als übertrieben erachtet. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Der 76-Jährige versicherte, künftig nicht mehr „Hobbypolizist“ spielen zu wollen. (Nadine Meier-Maaz)

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