Weniger Besucher, aber neue Gäste im Corona-Sommer

Freibäder-Bilanz besser als gedacht

Im Bad Hersfelder Geistalbad macht ein Schild auf die Abstandsregelungen an der Rutsche aufmerksam.
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Abstand halten galt im Sommer auch im Freibad: Unser Bild entstand im Bad Hersfelder Geistalbad.

Auch wenn die diesjährige Freibad-Saison im Landkreis Hersfeld-Rotenburg coronabedingt kürzer ausfiel als üblich und die Zahl der Besucher entsprechend geringer war als sonst, fällt das Fazit der Betreiber und Leiter positiv aus.

„Wir sind zufrieden, man kann trotz allem von einer erfolgreichen Saison sprechen“, berichtet Kay Thimet. Das Wetter habe mitgespielt und die Gäste hätten sich größtenteils an die neuen Regeln gehalten. Knapp 25 000 Besucher sind laut Thimet im Bad Hersfelder Geistalbad gezählt worden. 2019 waren es knapp 45 000. Für die ebenfalls von ihm betriebenen Freibäder in Philippsthal, Kirchheim, Schenklengsfeld und Nentershausen lägen noch keine konkreten Zahlen vor, weil es dort noch kein elektronisches Kassensystem gebe. Die Corona-Pandemie habe sich zwar bemerkbar gemacht, andere Branchen seien aber sicher schwerer getroffen worden, so Thimet. Zwar seien einige Stammgäste nicht gekommen, dafür habe man von neuen Gästen profitiert, die nicht in den Urlaub gefahren sind oder das Freibad mangels alternativer Veranstaltungen für sich entdeckt haben.

Ähnlich äußert sich auch Jan Reichardt, Schwimmmeister im Heringer Fritz-Kunze-Bad. Dort habe man dieses Jahr vermehrt Besucher aus den umliegenden Landkreisen verzeichnet, was Reichhardt unter anderem auf den vergünstigten Eintrittspreis und die erlaubten 900 Besucher am Tag zurückführt. Außerdem hätten in der Umgebung einige Freibäder gar nicht erst geöffnet, wie etwa in Eiterfeld. Der Schwimmmeister geht von rund 15 000 Besuchern aus. Sonst seien es rund 25 000 bis 30 000.

„Schön war’s“, sagt Herbert Höttl, Geschäftsführer der Stadtwerke Bebra, mit Blick auf die „besondere Saison“ im Biberbad, die Mitarbeitern und Gästen dennoch einiges abverlangt habe. Rund 8500 Besucher seien im Bebraer Freibad gezählt worden. Im vergangenen Jahr waren es um die 30 000.

Etwas mehr hatten 2019 das Rotenburger Waldschwimmbad besucht. Für dieses Jahr geht Betriebsführer Alexander Schmeh von etwa der Hälfte aus. Das Rotenburger Freibad war am 19. Juni das erste im Kreis, das öffnete. »

Wert der Bäder neu entdeckt

Keine Plaudereien am Beckenrand, Maskenpflicht auf der Toilette, Abstand halten in der Schlange vorm Sprungturm oder vor der Rutsche: Einiges war in den Bädern im Kreis im Corona-Sommer 2020 anders als sonst. Die meisten Gäste hätten sich aber vorbildlich an die neuen Regeln gehalten, berichten die hiesigen Freibadbetreiber und -leiter. Nur in einzelnen Fällen hätte es Diskussionen oder Klagen gegeben.

„Die Gäste haben super mitgespielt“, sagt etwa Alexander Schmeh, Betriebsführer des Waldschwimmbads in Rotenburg, und seine Kollegen berichten Ähnliches. „Die Bäder haben in der Corona-Krise funktioniert“, stellt Jan Reichardt, Schwimmmeister im Heringer Fritz-Kunze-Bad, fest.

Im Großen und Ganzen galten überall die gleichen Regeln. Unterschiede gab es aber zum Beispiel bei der Maximal-Zahl der Besucher, die sich gleichzeitig oder am Tag im Freibad aufhalten durfte, und bei den Öffnungszeiten. Im Heringer Naturfreibad mit großer Wasserfläche und Wiese waren laut Reichardt 900 Gäste pro Tag ok, in Kirchheim war bei maximal 250 Besuchern gleichzeitig Einlassstopp. Und während im einen Bad im Einbahnstraßensystem nur in eine Richtung geschwommen werden durfte, gab es anderswo gleich mehrere getrennte Bahnen für Schnuddler, Langsam-, Mittelschnell- und Schnellschwimmer. „Das ist bei den Gästen gut angekommen“, berichtet Schmeh aus „seinem“ Freibad. Eventuell wolle man dieses System sogar unabhängig von Corona beibehalten, ebenso wie die Mittagspause, in der das Bad gereinigt wurde und auch die Mitarbeiter mal Zeit für eine Pause gehabt hätten.

Herbert Höttl, der als Geschäftsführer der Stadtwerke Bebra auch für das dortige Biberbad zuständig ist, hat sich besonders über einen handgeschriebenen Brief gefreut, in dem sich eine Schwimmerin für die Öffnung bedankte. „Es ist nicht selbstverständlich, dass die Stadt beziehungsweise die Abwasserbetriebe so einen kostenintensiven Betrieb aufrecht erhalten“, heißt es darin und weiter: „Schade nur, dass sich so viele Leute am Breitenbacher See gedrängt haben, wo es doch so entspannt im Schwimmbad zuging. Die Kasse hätte es gut gebrauchen können.“

Kay Thimet

„Es war gut, zu öffnen“, meint auch Kay Thimet mit Blick auf das Bad Hersfelder Geistalbad und die Freibäder in Philippsthal, Kirchheim, Schenklengsfeld und Nentershausen.

In den Privatpools, die in diesem Jahr fast überall angeboten und aufgestellt wurden, sehen die Badbetreiber und -leiter übrigens keine Konkurrenz, wegen der man sich sorgen müsse. Schmeh glaubt vielmehr, dass das Freibad wieder an Wertigkeit gewonnen habe.

Auch das Waldschwimmbad in Oberaula, das ebenfalls einige Menschen aus dem Landkreis Hersfeld-Rotenburg ansteuern, hatte in diesem Jahr mit rund 3000 Besuchern etwa ein Drittel weniger Gäste als im Vorjahr. Trotzdem habe man „in einer außergewöhnlichen Zeit ein schönes Freizeitangebot“ geschaffen, so Bürgermeister Klaus Wagner. (Nadine Maaz)

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