Sommersongs in der Ruine

Rauschende Gala beendet Bad Hersfelder Festspiel-Saison

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Auf ein Wiedersehen: Zum Schluss erinnerte das Orchester mit seinem Leiter Christoph Wohlleben mit „Pomp and Circumstances“ von Edward Elgar an den legendären Abschlussabend der englischen Konzertreihe „Proms“. Fotos: Thomas Landsiedel

Bad Hersfeld. Mit einer rauschenden Gala hat sich das Bad Hersfelder Festspiel-Ensemble verabschiedet - und die Vorfreude auf die Saison 2019 geweckt.

Bevor in Bad Hersfeld die Bürgersteige wieder hochgeklappt werden – wie es das Ensemble gemeinsam mit Intendant Jörn Hinkel in einer originellen Adaption des Songs „Schlag nach bei Shakespeare“ augenzwinkernd besang – wurden Sonntagabend bei den Bad Hersfelder Festspielen noch einmal alle Register gezogen.

Die Ruine strahlte in einem wahren Farbenrausch, Orchester und Ensemble-Mitglieder brachten zusammen mit Stargast Katja Ebstein in den „Summersongs“ noch einmal Festspiel-Flair vom Feinsten in das ehrwürdige Gemäuer. Einen gelungenen Schlusspunkt setzt das Orchester mit seinem Leiter Christoph Wohlleben mit „Pomp and Circumstances“ von Edward Elgar.

In der Gala wurde Christian Nickel, der die Titelrolle in „Peer Gynt“ spielte, mit dem Publikumspreis ausgezeichnet. Nickel, der aufgrund einer Erkältung angeschlagen war, nahm den von Matthias Laufer-Klitsch gefertigten Ring sichtlich berührt entgegen und bedankte sich beim Publikum sowie bei Regisseur Robert Schuster und bei Intendant Jörn Hinkel, die mit dieser sowohl im Ensemble als auch im Publikum kontrovers diskutierten Produktion ein Wagnis eingegangen seien.

Es freue ihn, so Nickel, dass sich das Publikum der Festspiele der Herausforderung durch das Theater gestellt habe, und dass es durch seine Entscheidung beim Zuschauerpreis dokumentiert habe, dass es auch dieses in mancher Hinsicht „schwierige Kind“ der Festspiele zu würdigen wisse.

Katja Ebstein war in Gala-Stimmung und sorgte gesanglich für eindringliche Momente.

In Gala-Stimmung war auch Katja Ebstein, die mit dem Pianisten Stefan Kling in die Ruine gekommen war. Mit dem programmatischen Titel „Theater“, mit „Wo sind die Clowns“, dem Gospel „Jubilation“ und dem Antikriegslied „Sag mir, wo die Blumen sind“ sorgte sie für besonders eindringliche Momente.

Auf dem Programm stand vor allem Musik aus Musical und Film. Noch einmal waren Mitglieder der hochkarätigen Ensembles der Musicals „Hair“ und „Titanic“ zu erleben, unter anderem die großartige Bettina Mönch, die als Bond-Girl mit „Goldeneye“ auf der Bühne stand und mit „My Heart will go on“ den Song interpretierte, auf den viele Zuschauer in den Titanic-Aufführungen bisher vergeblich gewartet hatten.

Aber auch Riccardo Greco, Roland Riebeling und Matthias Schlung beeindruckten mit ihren Soloauftritten – unter anderem interpretierten sie den John-Miles-Klassiker „Music“ und Tim Fischers Song von der „Rinnsteinprinzessin“. Schlung, der als charmanter Moderator durch das Programm führte, berührte das Publikum mit „I am what I am“. Und es gab auch Überraschendes zu entdecken. Mit Corinna Pohlmann, Günter Alt und Ute Reiber zeigten gleich drei Mitglieder des Schauspiel-Ensembles, dass nicht nur die Musical-Spezialisten singen können. Und überhaupt das Orchester: Neben Dmitrij Schostakowitschs Jazz-Walzer und zahlreichen Filmklassikern beeindruckte auch das kontrastreiche Cellokonzert von Friedrich Gulda mit Pirkko Langer als Solistin.

Der Intendant als Sänger: Joern Hinkel.

Große Zustimmung für ein emotionales Statement, das auch auf die jüngsten Ereignisse in Chemnitz zielte, erhielt Intendant Jörn Hinkel vom Publikum. Er stellte heraus, dass gerade das Theater von der Mannigfaltigkeit derer lebe, die dort tätig seien. Alle, egal welcher Hautfarbe, Religion, Nationalität oder sexueller Orientierung, arbeiteten zusammen. Die Vielfalt sei der Reichtum, den es zu bewahren gelte. Mit der Rezitation von Bertolt Brechts „Kinderhymne“ brachte Hinkel seinen Appell auf den literarischen Punkt. Unter anderem ist hier zu lesen: „Und nicht über und nicht unter andern Völkern wollen wir sein“.

Die Summersongs endeten mit einem Feuerwerk – und stehenden Ovationen.

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