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Firmenchef vor Gericht: Er soll Arbeitnehmeranteile einbehalten haben

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Von: Mario Reymond

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Prozessakten im Gericht (Symbolbild)
Vor dem Amtsgericht Bad Hersfeld muss sich ein Firmenchef verantworten. (Symbolbild) © Swen Pförtner / dpa (Symbolbild)

Um horrende Rechnungen, Zahlenspiele und einen Schaden von fast 100.000 Euro geht es bei einem Gerichtsverfahren in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld – Ein 49 Jahre alter Mann aus Bad Hersfeld muss sich seit gestern wegen des Vorwurfs des Vorenthaltens und Veruntreuens von Arbeitsentgelt am Amtsgericht Bad Hersfeld vor Strafrichter Michael Krusche verantworten.

Dem Mann wird von Staatsanwalt Christoph Wirth vorgeworfen – zwischen März 2014 und Juni 2018 – in insgesamt 35 Fällen als sogenannter Einzelkaufmann (e.K.) sozialversicherungspflichtige Arbeitnehmeranteile nicht abgeführt zu haben. Dadurch sei ein Schaden in Höhe von 97 085,72 Euro entstanden.

Der Angeklagte, der selbst über keine handwerkliche Ausbildung verfügt, führte zu dieser Zeit einen kleinen Betrieb und bot Verputzerarbeiten an. Zumeist arbeitete er auf Baustellen im Osten Deutschlands als Subunternehmer für einen Großbetrieb, der Fertighäuser eines bekannten Anbieters aufstellt. Während einer Betriebsprüfung bei eben diesem Auftraggeber waren auch Unterlagen des Bad Hersfelder Geschäftsmanns sichergestellt worden, die den Verdacht bestätigten, dass die in Rechnung gestellten Arbeitsleistungen nicht mit der geringen Zahl der tatsächlich gemeldeten Mitarbeiter hätte bewerkstelligt werden können, erklärte ein Mitarbeiter des Zolls in Bad Hersfeld, der dort für die Finanzkontrolle Schwarzarbeit tätig ist. Daher wurden anhand der gefundenen Rechnungen und der Unterlagen fürs Finanzamt Hochrechnungen mit Unterstützung der Deutschen Rentenversicherung angestellt, die dann die fehlende Summe von nicht ganz 100 000 Euro zu Tage führten.

Was schafft ein Mitarbeiter pro Tag?

Dabei wurden unter anderem auch Rechenexempel statuiert, wie viele Quadratmeter Hauswand ein Mitarbeiter pro Tag alleine verputzen könne. Die abgerechneten Stunden hätten laut Staatsanwaltschaft deutlich über diesem Wert gelegen. Der Angeklagte habe zudem selbst weitere Subunternehmer beauftragt – unter anderem seinen Neffen –, die ebenfalls horrende Rechnungen ausgestellt hätten. Laut Wirth eine, wonach der Neffe mit zwei weiteren Beschäftigten an 22 Arbeitstagen jeweils 860 Arbeitsstunden hätte leisten müssen. Rechtsanwalt Jochen Kreissl waren die Zahlenspiele zu ungenau. Er merkte an, dass Außenputz auch maschinell an die Wand geworfen werden könne, was das Abarbeiten von großen Flächen in kurzer Zeit ermögliche.

Das Verfahren wird kommenden Mittwoch um 10 Uhr fortgesetzt, nachdem ein Rechtsgespräch zu keiner Vereinbarung geführt hatte. Dann will sich auch der Beschuldigte einlassen. (Mario Reymond)

Rechtsgespräch ohne Erfolg

Ohne Einigung ist in dem Verfahren gegen den 49-Jährigen ein Rechtsgespräch zwischen Richter Michael Krusche, Staatsanwalt Christoph Wirth und Rechtsanwalt Jochen Kreissl verlaufen. Ein solcher Versuch wird während eines Gerichtsverfahrens durch den Richter unternommen, um so vielleicht eine Verständigung zwischen den Parteien herbeizuführen. (rey)

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