In Bad Hersfeld sollen nun auch Frauen aufgenommen werden

Selbstlos im Dienste der Gesellschaft: Interview mit Rotary-Präsident Bernd Klee

Das Foto zeigt Bernd Klee mit der Governorin des Rotary-Distrikts, Edith Karos, bei einem Besuch im Tafelhaus Steinhauer.
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Das Foto zeigt Bernd Klee mit der Governorin des Rotary-Distrikts, Edith Karos, bei einem Besuch im Tafelhaus Steinhauer.

„Selbstlos dienen“ ist das Motto der Rotarier. Mit Bernd Klee, dem amtierenden Präsidenten des Rotary Clubs Bad Hersfeld, sprach Kai A. Struthoff.

Bad Hersfeld - Weltweit sind 1,2 Millionen Mitglieder in 166 Staaten und über 34.000 Rotary Clubs örtlich organisiert. Der Rotary Club Bad Hersfeld gehört zum Distrikt 1820, der in Hessen vom Rhein-Main-Gebiet bis zur Weser reicht.

Herr Klee, warum sind Sie Rotarier geworden?
Ich bin vor 20 Jahren Rotarier geworden, weil mein damaliger Chef mich angesprochen und zu einem Meeting mitgenommen hatte. Ich war sofort begeistert, denn Rotary steht für Freundschaft, Horizonterweiterung, für Helfen und Völkerverständigung. Wir haben in Bad Hersfeld derzeit 55 Mitglieder im Rotary Club, die aus den unterschiedlichsten Berufszweigen kommen. Wir treffen uns einmal pro Woche zu einem Meeting im Hotel „Zum Stern“, derzeit pandemiebedingt in Videokonferenzen, und hören dabei Vorträge, die so unterschiedlich sind, wie die Persönlichkeiten im Club.
Trotzdem hat Rotary für Außenstehende immer noch etwas Geheimnisvolles und gilt auch als elitär. Vielleicht, weil bei Rotary nicht wie in anderen Vereinen jede und jeder Mitglied werden kann?
Wir sind sicher kein Verein, wie jeder andere. Wir sind insofern anders, dass unsere Mitglieder bereits einen gewissen Lebensweg hinter sich haben und meist Führungskräfte, Unternehmer oder zumindest Nachwuchsführungskräfte sind.
Grenzt das nicht viele Menschen aus?
Es wird niemand ausgegrenzt, vielmehr kommt es allein auf die jeweilige Persönlichkeit an und ob jemand zu den anderen „Freunden“, wie wir uns nennen, passt. Deshalb wird man bei uns von einem anderen Mitglied vorgeschlagen und zu einem Vortrag eingeladen. Danach stimmen alle Mitglieder über eine Aufnahme ab.
Erst seit 1987 und das auch erst nach einem Gerichtsurteil sind Frauen bei Rotary erlaubt. Der Hersfelder Club ist aber weiterhin eine reine Männerdomäne, ist das noch zeitgemäß?
Wir haben schon vor einigen Jahren die Entscheidung getroffen, auch Frauen aufzunehmen und sind jetzt dabei, das auch zu tun. Im Moment hindert uns die Pandemie daran, deshalb können sich neue Bewerberinnen nicht in einem Live-Meeting, also in direkter Begegnung vorstellen. Unser erklärtes Ziel ist es, noch in diesem Jahr Frauen bei uns aufzunehmen.
Das rotarische Leitmotiv lautet “Serve above self“, also in etwa: Selbstlos dienen. Was heißt das konkret für Ihre Arbeit hier vor Ort, wem dienen Sie?
Wir verstehen das auf verschiedenen Ebenen. Zum einen dienen wir einander im Club und versuchen, uns als Freunde zu unterstützen. Außerdem unterstützen wir soziale Projekte lokal und überregional. Wir haben gerade erst für die Brandopfer in Asbach gespendet, wir unterstützen den Treffpunkt Vielfalt, ein Integrationsprojekt auf der Hohen Luft. Wir fördern regelmäßig das Frauenhaus und die Hersfelder Tafel. Ein neues Projekt ist der Waldkindergarten in Kathus. Außerdem stellen wir Grundschulen Bücher zur Leseförderung kostenlos bereit. Und ganz wichtig ist auch das Kids-Camp, wo wir gemeinsam mit unserer Jugendorganisation Rotaract ein jährliches Zeltlager in der Nähe von Marburg veranstalten, an dem Kinder aus sozial benachteiligten Familien für eine Woche teilnehmen können und dabei engagiert von den Rotaractern betreut werden.
Und überregional?
Wir haben in diesem Jahr fast 20 000 Euro für die Flutopfer im Ahrtal gespendet und unterstützen zum Beispiel eine international tätige Ärzteorganisation. Wir fördern eine weltweite Impfkampagne gegen Kinderlähmung, haben lange ein rumänisches Altenheim gefördert und finanzierten Wasserrucksäcke, also tragbare Wasserfilter, in Mexiko.
Das alles kostet viel Geld. Sind die Beiträge bei Ihnen so hoch?
Das ist natürlich relativ, aber die Beiträge sind schon ganz ordentlich und dazu kommen noch freiwillige Spenden.
Rotary unterstützt auch den weltweiten Jugendaustausch. Warum?
Frieden und Völkerverständigung sind ganz wichtig für den rotarischen Gedanken und dazu gehört als wesentliche Säule der Jugendaustausch. Junge Leute gehen mit Rotary für ein Jahr in ein fremdes Land – zum Beispiel in die USA, nach Kanada, Südamerika oder Asien. Das dient ihrer eigenen charakterlichen Entwicklung. Sie sind dort rotarische Botschafter unseres Landes und unseres Clubs. Sie leben dort in rotarischen Familien. Dadurch sind sie in der Obhut nicht nur einer Familie, sondern des ganzen Clubs. Rotary unterstützt den Austausch finanziell sehr umfassend. Bewerben können sich für das Programm Jugendliche, die die 10. Klasse absolviert haben. Und wichtig, eben nicht nur solche aus rotarischen Familien.
Außerdem gibt es noch die Jugendorganisation Rotaract. Kann dort jeder Mitglied werden oder muss man dafür auch vorgeschlagen werden?
Ab 18 Jahren kann man dort Mitglied werden, in der Regel sind das also Abiturienten, Studenten, Auszubildende und junge Angestellte die Lust haben, Gutes zu tun, Freunde zu treffen und sich mit den rotarischen Grundsätzen identifizieren können. Schon vorher kann man als Gast an den Aktivitäten teilnehmen, um dann später aufgenommen zu werden.
Von dieser guten Jugendarbeit können die Rotary Clubs aber offenbar nicht direkt profitieren, denn das Durchschnittsalter bei Ihnen liegt bei Ü60. Der nahtlose Übergang von Rotaract zu Rotary ist wohl nicht gewährleistet?
Wir haben einen Altersquerschnitt von 34 bis 94 Jahren. Aber es stimmt, es gibt keinen nahtlosen Übergang, sondern einen kleinen Bruch. Aber als Rotarier braucht man eben eine gewisse berufliche Stellung, die sehr junge Leute in der Regel noch nicht haben. Rotaract vermittelt die Werte unserer Clubs, das ist eine gute Basis.
Arbeiten Sie mit dem Nachbar-Club Rotenburg-Melsungen zusammen?
Wir arbeiten mit allen Clubs in unserem Distrikt gut zusammen und teilen natürlich die gemeinsamen rotarischen Werte und Ziele. Besonders intensiv ist der Austausch über die Landesgrenze hinweg mit dem Club in Bad Salzungen, aber auch mit den Clubs Rotenburg-Melsungen und in der Rhön gibt es enge Kontakte.
Und wie ist das Verhältnis zu Ihren Mitbewerbern im selbstlosen Dienen, den Lions-Clubs?
(lacht) Das Verhältnis zu den Lions-Clubs ist durchaus freundlich, aber es gibt schon ein gewisse sportliche Konkurrenz, weil wir im sozialen Bereich tatsächlich ähnlich Ziele verfolgen. Falls sich etwas, was gut ist, doppelt, ist das doch großartig.

Zur Person

Bernd Klee wurde 1960 in Hohenroda geboren, wo er heute noch in Oberbreitzbach lebt. Nach der Fachhochschulreife am Obersberg in Bad Hersfeld hat er eine Ausbildung als Industriekaufmann bei K+S absolviert und an der Fachhochschule in Gießen Betriebswirtschaft studiert. Seit über 40 Jahren arbeitet Bernd Klee seither bei K+S. Über viele Jahre war er kaufmännischer Leiter im Kaliwerk Neuhof-Ellers bei Fulda. Heute ist er Projektleiter für Großprojekte im Werk Werra. Klee ist verheiratet und hat einen Sohn und eine Tochter, die bei Rotaract aktiv ist. Gemäß dem rotarischen Prinzip der Rotation ist er für ein Jahr Präsident des Rotary-Clubs Bad Hersfeld. (kai)

Rotary: Eine Idee aus Chicago geht rund um die ganze Welt

Der erste Rotary Club wurde 1905 in Chicago gegründet. Ziel war es, eine gemeinsame Wertegemeinschaft zu schaffen und sich gegenseitig zu unterstützen. Der Name Rotary (englisch für rotierend, drehend) bezieht sich auf die wöchentlich wechselnden Treffpunkte der Mitglieder und den Brauch, die meisten Ämter im Club normalerweise jährlich neu zu besetzen. Jeder Rotarier soll sein Verhalten nach der Vier-Fragen-Probe ausrichten: Ist es wahr? Ist es fair für alle Beteiligten? Wird es Freundschaft und guten Willen fördern? Wird es dem Wohl aller Beteiligten dienen? Der Rotary Club Bad Hersfeld gehört zum Distrikt 1820, der in Hessen vom Rhein-Main-Gebiet bis zur Weser reicht. Der Distrikt versteht sich als Netz- und Nutzwerk, um das Engagement der nahezu 4000 Rotarierinnen und Rotarier in 75 lokalen Clubs zu unterstützen, um durch „selbstloses Dienen“ die Welt im Kleinen wie im Großen ein wenig besser zu machen. Zur rotarischen Mitgliedschaft gehört, dass sie dazu ermächtigt, überall auf der Welt an den Meetings anderer Clubs teilzunehmen und dadurch leicht Kontakte zu haben. (kai)

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