Ein Stoff, der weiterbrodelt

Bad Hersfeld liest ein Buch: Erste Begegnung mit Bov Bjerg, dem Autor von „Auerhaus“

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Bov Bjerg, Autor des Romans „Auerhaus“, beim HZ-Besuch in Berlin. Foto: Karl Schönholtz

Berlin/Bad Hersfeld. Für die Literaturaktion Bad Hersfeld liest ein Buch hat die Jury den Roman  „Auerhaus“ von Bov Bjerg ausgewählt. Redakteur Karl Schönholtz traf den Autor in Berlin. 

Dass wir unser Gespräch über sein Buch „Auerhaus“ an historischer Stätte geführt haben, das verrät Bov Bjerg erst beim Verlassen des Cafés „Butter“ im Prenzlauer Berg. In den 80er Jahren entstand auf der kleinen Empore im Lokal das Video für Bruce Springsteens „Hungry Heart“. Draußen drängten sich die Schaulustigen, drinnen klampfte Wolfgang Niedecken mit dem Boss.

Die Achtziger sind auch die Zeit, in der Bjergs Roman spielt, mit dem sich Hersfelder in diesem Jahr intensiv beschäftigen werden. Allerdings ist nicht das Berlin der späten DDR der Schauplatz, sondern die westdeutsche Provinz zwischen Ulm und Stuttgart. Das ist die Gegend, in der Bov Bjerg aufgewachsen ist.

Bad Hersfeld liest ein Buch“ war dem Vater von drei Kindern, der seit 1984 in Berlin zuhause ist, bislang kein Begriff. Die Stadt selbst aber schon: Auf dem Reiterhof in Mansbach war er ein paarmal zu Gast, und bei einer dieser Gelegenheiten hat er auch die Festspiele in der Stiftsruine besucht. Die „Rocky Horror Show“ hat er dort gesehen, wie ihm nach einigem Kramen im Gedächtnis wieder einfällt.

„Schön“ findet er den Umstand, dass gerade sein Buch für das literarische Gemeinschaftserlebnis in Bad Hersfeld ausgewählt wurde. Doch so recht einschätzen kann er die Dimension von Aktion und Ehre – immerhin steht sein Name jetzt in einer Reihe mit Günter Grass, Bernhard Schlink, Ferndinand von Schirach, Herman Koch und vielen anderen – bislang nicht. Immerhin hat Bov Bjerg sein Kommen zur Abschlussveranstaltung am 22. November zugesagt. Eigentlich hatte er sich diesen Monat für die Tournee seines kabarettistischen Jahresrückblicks freihalten wollen. Für Bad Hersfeld macht er jetzt eine Ausnahme.

Dass Schüler mit „Auerhaus“ besonders viel anfangen können, freut ihn besonders, war aber nicht die erklärte Absicht beim Schreiben.

Sein Roman sei nicht als Jugendbuch geschrieben worden, erläutert Bjerg, auch sei die lose Erzählstruktur mit Szenen, deren Davor und Danach interpretierbar bleibt, nicht ganz einfach. Auch holt das Buch die Jugend von heute nicht direkt ab. Vielmehr ließ Bjerg die Geschichte ganz bewusst in den späten Achtzigern spielen. „Das ist die Zeit, in der ich selber in dem Alter war“, sagt er und ging mit der Schilderung eigenen Erlebens auf Nummer sicher, dass das Erzählte „nicht nur Papier bleibt.“

Einen Nerv scheint der Vater von drei Kindern auch so getroffen zu haben. Nicht selten stellt er in Gesprächen mit jungen Lesern fest, dass „Auerhaus“ in ihnen „weiterbrodelt“, dass sie die Geschichte berührt hat.

Wie sich von nun an die jungen und die erwachsenen Hersfelder seinem Roman nähern und wie sie bei der Vielzahl der bevorstehneden Veranstaltungen mit ihm umgehen werden, das ist jetzt auch für den Autor eine spannende Frage.

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