"Jahre später, gleiche Zeit" 

Seitensprung als Ritual: Komödie mit Heiner Lauterbach in Bad Hersfelder Stadthalle

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Jahre später, gleiche Zeit: Aus prickelnder Erotik entwickelt sich bei Doris (Dominique Lorenz) und George (Heiner Lauterbach) mit den Jahren die tiefe Vertrautheit eines alten Ehepaares.

Bad Hersfeld. Heiner Lauterbach und Dominique Lorenz bekamen für ihre Rollen in der Komödie "Jahre später, gleiche Zeit" in der Bad Hersfelder Stadthalle viel Applaus. 

Seit 25 Jahren treffen sich Doris (Dominique Lorenz) und George (Heiner Lauterbach) jedes Jahr zur selben Zeit im selben Hotelzimmer.

Was vor einem Vierteljahrhundert mit einem Seitensprung – beide sind verheiratet, aber nicht miteinander – begann, ist längst zu einem Ritual geworden. Ein großer Wandkalender zeigt die Zeit an und jedes Mal, wenn sich der Vorhang hebt, sind wieder einige Jahre ins Land gegangen.

Aus prickelnder Erotik entwickelt sich mit den Jahren die tiefe Vertrautheit eines alten Ehepaares, man spricht über Krankheiten und schneidet sich auch schon einmal in Anwesenheit der Geliebten die Fußnägel – Ekel Alfred läßt grüßen. Irgendwann wird George zum Witwer und einige Jahre später Doris geschieden.

Auf Tuchfühlung: Doris und George treffen sich jedes Jahr im Hotel. 

Auch das Alter an sich hinterlässt bei beiden seine Spuren: Während Doris an Krebs erkrankt, kämpft George mit Midlife-Crisis, seinem Toupet und Potenzproblemen. Trotzdem halten sie an ihrem jährlichen Stelldichein fest und als der Kalender das Jahr 1993 ankündigt, wird schließlich doch noch geheiratet. Ob aus Liebe oder aus Angst vor dem Alleinsein, bleibt offen; glückliche Gesichter kurz vor dem Gang zum Altar sehen jedenfalls anders aus. Mit der Komödie „Jahre später, gleiche Zeit“ von Bernard Slade erlebten die Zuschauer am Sonntagabend in der nahezu ausverkauften Bad Hersfelder Stadthalle intelligentes, pointenreiches Boulevard-Theater par excellence.

Eine bezaubernde Dominique Lorenz und ein Heiner Lauterbach, dem die Rolle des leicht neurotischen Liebhabers quasi auf den Leib geschneidert ist, sind die perfekte Besetzung für dieses Stück. Insbesondere Lauterbach schafft es, dass selbst eher flache Witzchen wie „Früher habe ich mir die Haare gekämmt, dann arrangiert. Jetzt rasier’ ich sie nur noch“ das Publikum zum Lachen bringen. Nicht nur zum Schlussvorhang gab es viel Applaus für einen äußerst kurzweiligen Abend. 

Von Thomas Landsiedel

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