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Bad Hersfeld steht tief in der Kreide - 5960 Euro Schulden pro Kopf

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Szenenbild aus dem  Stück „Martin Luther - Der Anschlag“ von 2017, hier Hauptdarsteller Christian Nickel,  in der Stiftsruine Bad Hersfeld.
Toll, aber teuer: Das Stück „Martin Luther - Der Anschlag“ von 2017, hier Hauptdarsteller Christian Nickel, belastet immer noch die städtischen Finanzen. © Thomas Landsiedel

Jede Menge Zahlen standen auf der Tagesordnung des Haupt- und Finanzausschusses von Bad Hersfeld – und viele davon sind tiefrot. Die Stadt ist hoch verschuldet - mit 179 Millionen Euro.

So hatte der Ausschussvorsitzende, der SPD-Fraktionsvorsitzende und Bürgermeisterkandidat Karsten Vollmar, den Schuldenstand der Kreisstadt und der städtischen Gesellschaften ermitteln lassen: 179 Millionen Euro an langfristigen Verbindlichkeiten stehen in den Büchern.

Rein rechnerisch steht jeder der rund 30 000 Bürger von Bad Hersfeld also mit über 5960 Euro in der Kreide. Angesichts vieler finanzieller Pflichtaufgaben werde „das Korsett immer enger geschnürt“, konstatierte Vollmar.

Immerhin konnte Bürgermeister Thomas Fehling in seinem Bericht über den Haushaltsvollzug eine gute Nachricht verkünden. Bei der Gewerbesteuer zeichnet sich bislang eine deutliche Mehreinnahme von rund 5,6 Millionen Euro über der veranschlagten Summe ab. „Das sieht im Moment recht gut aus“, sagte Fehling, um zugleich daran zu erinnern, dass es dies eine finanzielle Momentaufnahme sei, die sich gerade im Bereich der Gewerbesteuer auch schnell ändern könne. Zudem müssten zum Jahresende mehrere kurzfristige Liquiditätskredite zurückgezahlt werden, sodass der derzeitige Puffer dringend notwendig sei.

„Kartenvorverkauf für die Festspiele läuft nur schleppend“

Als „gewisses Risiko“ wertete Fehling die derzeitige Kassenlage bei den Bad Hersfelder Festspielen. Hier fehlten derzeit rund 1,287 Millionen Euro. „Der Kartenverkauf läuft nur sehr schleppend an“, sagte der Bürgermeister. Vor allem das Musical „Goethe“ bleibt derzeit noch hinter den Erwartungen zurück. Dabei ist normalerweise das Musical die „Cash-Cow“ der Festspiele.

Ganz so negativ wollte der neue Kaufmännische Leiter der Festspiele, Harald Benz, der sich im Haupt- und Finanzausschuss vorstellte, diese Zahlen nicht stehen lassen. „Der Vorverkauf läuft deutlich besser als im Vorjahr“, sagte er, wohl aber schleppender als in den Vor-Corona-Jahren. „Notre Dame“ werde aber von den Festspiel-Gästen aber sehr gut angenommen, betonte Benz. Fehling forderte, „wir müssen mehr Gas geben und mehr Werbung machen, dann haben wir gute Chancen, die Finanzlücke noch zu schließen“, sagte er.

Ebenfalls benannt wurde das Defizit der Festspiele für 2021 in Höhe von 700 000 Euro. In dieser Summe sind allerdings rund 200 000 Euro Abschreibung für das nicht wieder aufgeführte „Luther“-Stück von Ex-Intendant Dieter Wedel enthalten.

Riesenproblem: Große Löschfahrzeuge für die Feuerwehr

Ein weiterer wichtiger Tagesordnungspunkt war der Sachstandsbericht der Feuerwehr über notwendige Investitionen. Stadtbrandinspektor Frank Jacob informierte darüber, dass vor allem die Beschaffung von großen Löschfahrzeugen ein „Riesenproblem“ sei, weil die Lieferzeiten bis zu fünf Jahren betragen. Die meisten Fahrzeuge der Freiwilligen Feuerwehr seien bereits sehr alt, vor allem bei den Stadtteilwehren. „Die Neubeschaffung können wir nicht mehr lange aufschieben“, mahnte Jacob. Allein eine neue Drehleiter werde mindestens 900 000 Euro kosten.

Hinzu kommen die Investitionen in neue Feuerwehrhäuser, die durch die allgemeinen Preissteigerungen und Lieferschwierigkeiten im Bausektor viel höher werden. Allein das neue Feuerwehrhaus am Johannesberg, das im August fertig werden soll, werde mit etwa einer Million Euro rund 400 000 Euro teuerer als geplant. (Kai A. Struthoff)

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