Komödie auf dem Tennisplatz

Bad Hersfelder Festspiele: Parbet Chugh will keine Extrawurst

Der Schauspieler Parbet Chugh auf dem Tennisplatz
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Parbet Chugh verkörpert in der Festspiel-Komödie „Extrawurst“ den Anwalt Erol Oturan. Er ist dabei Vereinsmeister seines Tennisclubs. Dass er mit Schläger und Filzkugel umzugehen versteht, demonstriert er auf der Tennisanlage von Blau-Weiß Bad Hersfeld.

Parbet Chugh ist wieder zurück in Bad Hersfeld. Der 35 Jahre alte Schauspieler aus Hamburg steht als Erol Oturan in der Komödie Extrawurst auf der Bühne.

Bad Hersfeld - Nicht am gewohnten Außenspielort der Festspiele auf Schloss Eichhof, sondern diesmal in der Tennishalle auf der Oberau – einem Super-Ersatzspielort, wie Chugh findet.

Dabei entflammt während der Mitgliederversammlung des TUS Eichhof eine hitzige Diskussion um die Ausgestaltung der Vereinsfeier – und ob das Fleisch des Türken Erol aus religiöser Sicht direkt neben der Schweinewurst der anderen gebrutzelt werden darf oder sollte.

Rein äußerlich scheint diese Rolle mit Parbet Chugh perfekt besetzt zu sein. Denn mit seinen schwarzen Haaren und dem dunklen Teint, haben ihm seinen Eltern, Hindus aus Afghanistan, das passende Aussehen mitgegeben.

Das ist es dann aber auch schon, denn persönlich möchte Parbet Chugh weg von diesem Image, dass Schauspieler nur der Optik wegen besetzt werden – weil es eben den bestehenden Klischees und den Ansichten der breiten Masse entspricht.

Vielmehr möchte er ganz einfach als Schauspieler gesehen werden, der Rollen erhält, weil er sie aufgrund seiner Fähigkeiten erfüllt und nicht, weil er offensichtlich die optischen Ansprüche der Regisseure erfüllt. Er hofft, dass dies schon bald auf allen Bühnen dieses Landes so sein möge. Was in Großstädten längst kein Thema mehr ist, wünscht sich der Hamburger auch für den ländlichen Raum oder die Provinz. „Wenn ein schwarzer Hamlet überall ohne Diskussion besetzt werden kann, dann haben wir viel erreicht“, glaubt Chugh.

Selbst hat er eine dieser Rollen, die rein optisch so gar nicht zu ihm passen, auch schon zu Intendant Holk Freytags Zeiten verkörpern dürfen. Das war in seinem ersten Jahr in Bad Hersfeld. 2011 stand er in „Draußen vor der Tür“, einem Drama des Schriftstellers Wolfgang Borchert, als Spätheimkehrer Beckmann auf der Bühne des Außenspielorts in der Schilde-Halle.

Nicht zuletzt wegen dieser für ihn positiven Erfahrung hat es ihn wieder einmal nach Bad Hersfeld verschlagen. „Ich spiele gerne hier. Es ist alles entspannter und familiärer als in der Großstadt“, erzählt der Hamburger Chugh. Auch wenn er während seines aktuellen Engagements noch nicht viel von Bad Hersfeld gesehen hat.

Für sich und alle seine Kollegen wünscht sich Chugh, dass es in zehn Jahren vielleicht schon nicht mehr auf das Äußere ankommt, wenn Rollen zu besetzen sind. Bis dahin gilt es, weiter hart daran zu arbeiten, um in den Köpfen der Menschen anzukommen.

Auf dem Weg dahin soll auch sein Engagement in der Extrawurst beitragen. Das Stück selbst nimmt sich mit Witz und Ironie auch der aktuellen Rassismusdebatte an. Garantiert wird sich der ein oder andere in einem der Charaktere wiedererkennen. Das wäre schon ein erster Schritt, um in Zukunft weiter Vorurteile abbauen zu können.

Das würde Parbet Chugh freuen. Aktuell hat er für die ZDF-Vorabendkrimiserie Soko vor der Kamera gestanden. „Ich spiele dabei einen Reptilienschmuggler aus Bangladesch“, berichtet er und zuckt dabei leicht mit den Schultern. (Mario Reymond)

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