1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Bad Hersfelder Festspiele 2023: Gute Bekannte in neuem Gewand

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Christine Zacharias

Kommentare

Am Freitagvormittag wurde der Spielplan für die Bad Hersfelder Festspiele 2023 vorgestellt.
Am Freitagvormittag wurde der Spielplan für die Bad Hersfelder Festspiele 2023 vorgestellt. © Laura Hellwig

Am Freitagvormittag hat Intendant Joern Hinkel den Spielplan für die Bad Hersfelder Festspiele 2023 vorgestellt. Gespielt wird unter anderem „König Lear“ und „Jesus Christ Superstar“.

Bad Hersfeld - Für den Sommer 2023 hat Intendant Joern Hinkel ein spannendes und mitreißendes Programm zusammengestellt und die Zuschauer dürfen sich auf namhafte und renommierte Künstlerinnen und Künstler freuen, teilte Hinkel mit.

Der Intendant zum neuen Programm: „Es sind Geschichten, die davon erzählen, wie hoch der Preis von Umsturz und Revolution sein kann, aber auch davon, wie befreiend und heilsam ein neuer Blick auf die Möglichkeiten unseres Daseins ist.“

Bürgermeister Thomas Fehling, dessen Amtszeit im Dezember endet, dankt Intendant Joern Hinkel für die gute Zusammenarbeit in den letzten Jahren und freut sich, dass auch im kommenden Sommer ein anspruchsvolles, aber auch unterhaltendes Programm auf die Bühne der Stiftsruine kommen wird: „Ich bin sicher, dass die Zusammenstellung und Auswahl viele Kulturinteressierte ansprechen werden. Wir werden wieder besondere Inszenierungen sehen und begeisterte Besucher erleben.“

Gefeierte Regisseurin Tina Lanik

Mit dem Klassiker „König Lear“ von William Shakespeare werden die 72. Bad Hersfelder Festspiele am Freitag, den 30. Juni 2023, eröffnet. Inszenieren wird die Regisseurin Tina Lanik, die an renommierten Theatern wie dem Burgtheater in Wien oder dem Residenztheater in München gefeiert wird.

Joern Hinkel ist bereits seit mehreren Jahren im Gespräch mit Tina Lanik. Schon 2020 sollte sie in Bad Hersfeld inszenieren, die Festspiele mussten aber wegen der Pandemie abgesagt werden. Es war ihr Wunsch, „König Lear“ in diesem Jahr in der Stiftsruine zu zeigen: „Tina Lanik ist eine der spannendsten Regisseurinnen im deutschsprachigen Raum. Sie wird einen ganz neuen Blick auf `König Lear´ gewähren und viele aktuelle Aspekte herausarbeiten“, so Joern Hinkel.

Die Regisseurin zu den Plänen: „Mit König Lear bringen wir ein Stück in die Stiftsruine, das den Menschen in seiner ganzen Tragik und letztendlich seinem Wahnsinn, Mensch zu sein, zeigt. Besonders spannend und modern ist der erbarmungslose Generationenkonflikt, eine gewaltsame Zeitenwende, ein Systemwechsel, Jung gegen Alt, Frau gegen Mann und Töchter und Söhne, die aufbegehren.“

„Besonders vor dem Hintergrund, dass `König Lear´ in der langen Festspielgeschichte bereits viermal von Männern inszeniert wurde, ist es besonders spannend, nun die neue Interpretation einer so interessanten Regisseurin wie Tina Lanik zu erleben“, so Intendant Joern Hinkel und weiter: “Außerdem freue ich mich, dass wir so auch dem Wunsch vieler Hersfelder nachkommen, wieder einen Klassiker in der Stiftsruine zu erleben.“

Shakespeare verwebt in einem seiner berühmtesten und vielschichtigsten Dramen zwei Geschichten miteinander. Er erzählt von zwei Vätern, die ihre Macht an die kommende Generation abtreten und die folgenden Konflikte.

König Lear will sein Königreich gerecht unter seinen drei Töchter verteilen. Goneril und Regan umschmeicheln ihn und überbieten sich in leeren Versprechungen und Liebesbekundungen, während ausgerechnet seine Lieblingstochter Cordelia wahrhaftig bleiben möchte und ihre Liebe nicht so bekundet, wie Lear es möchte. Lear ist gekränkt und enterbt sie. Er vergibt das Erbe an die beiden anderen Töchter, die ihn aber bald enttäuschen.

Der zweite Vater ist König Lears Ratgeber, Graf Gloucester, der sich von seinem intriganten Sohn Edmund beirren lässt und seinen anderen Sohn Edgar verstößt.

Die Gäste der Bad Hersfelder Festspiele können sich wieder darauf freuen, prominente Schauspieler in einigen dieser Rollen zu erleben, verspricht Intendant Joern Hinkel.

Das neue Musical des Sommers 2023 ist „Jesus Christ Superstar“ (Premiere 01. Juli 2023/ Stiftsruine) mit Welthits wie „Hosanna“ und vor allem „Jesus Christ Superstar“.

Erfolgsregisseur Stefan Huber wird die großartige Rockoper in Bad Hersfeld auf die Bühne bringen: „Ich freue mich, `Jesus Christ Superstar´ inszenieren zu können. Und dann auch noch in der wunderbaren Stiftsruine, in die es natürlich hervorragend passt. Seitdem ich den Film aus dem Jahr 1973 gesehen habe, bin ich fasziniert von der Rockoper. Bisher hat sich keine wirkliche Gelegenheit ergeben -  und nun ist es endlich so weit!“

Joern Hinkel erfüllt dem Publikum einen langersehnten Wunsch: „Seit Jahren werde ich ständig gefragt, warum wir nicht wieder `Jesus Christ Superstar´ spielen. Nun habe ich den Vorschlag aufgenommen und mich mit Stefan Huber in Verbindung gesetzt.“

„Jesus Christ Superstar“ war in Bad Hersfeld vor 20 Jahren ein riesiger Erfolg, viele erinnern sich gerne daran und werden sich freuen, das Stück hier endlich wiederzusehen. Es erzählt die letzten Tage der Passionsgeschichte aus der Perspektive von Judas. 1971 hatte die Rockoper des damals noch vollkommen unbekannten Andrew Lloyd Webber Premiere und gehört seitdem zu den erfolgreichsten Bühnenstücken aller Zeiten.

Stefan Huber feierte auch in Bad Hersfeld schon sehr viele Erfolge: Ob „Funny Girl“ 2019, „Titanic“ 2017/18, „Kiss me Kate“ 2014 oder „Anatevka“ 2012 – Stefan Hubers bisherige Arbeiten in der Stiftsruine überzeugten nicht nur, sondern begeisterten Kritiker und Publikum immer wieder.

Ein weiterer musikalischer Höhepunkt wird die mit Stefan Kurt und den Geschwistern Pfister sehr prominent besetzte „Die Rache der Fledermaus (ab 11. August 2023/ Stiftsruine) sein.

Stefan Kurt kennt ein Millionenpublikum aus dem Fernsehen. Er spielte in zahlreichen „Tatort“-Produktionen, filmte mit Margarete von Trotta, Dieter Wedel, Oliver Storz, Dani Levy und vielen anderen. Der vielfach ausgezeichnete Schauspieler (u.a. Boy Gobert Preis, Grimme Preis, Telestar, Deutscher Schauspielerpreis, Schweizer Filmpreis) spielte aber auch immer im gesamten deutschsprachigen Raum erfolgreich Theater, unter anderen in Inszenierungen von Jürgen Flimm, Robert Wilson oder Barrie Kosky.

Tobias Bonn und Christoph Marti sind zwei der drei Geschwister Pfister, die schon lange kein Geheimtipp mehr sind. Geschwister Pfister stehen für feinstes Musikkabarett.

„Die Fledermaus“ ohne Geigen und ohne Plüsch

„Die Rache der Fledermaus“ - das ist Johann Strauss´ berühmtestes Werk „Die Fledermaus“ ohne Geigen und ohne Plüsch, dafür mit Bass, Gitarre und coolen Rhythmen. Stefan Huber inszenierte den Klassiker in witzig-schräger Form, die Liebhaber und Hasser von Operetten gleichermaßen begeistern wird.

In ihrer Bearbeitung bedienen sich Kai Tietje (musikalische Leitung) und Stefan Huber respektlos aller musikalischen Klischees, verarbeiten die Hits des Walzerkönigs zu Swing und Tango oder lassen die berühmte Ouvertüre als A-cappella-Nummer erklingen. In der Geschichte um Vergnügungssucht, Schadenfreude und elende Besäufnisse singen, spielen und betrügen Tobias Bonn und Christoph Marti als übersättigtes Ehepaar , während Stefan Kurt als dauerbesoffener Gefängniswärter Frosch durch das Geschehen stolpert. Musik und Figuren wirbeln wild durch sämtliche Epochen, von der Belle Époque bis zur Hippie-Zeit. (Eine Produktion des Casinotheaters Winterthur).

Kleines Gespenst spukt durch die Ruine

Lustig geht es auch für alle Besucher ab dem 5. Lebensjahr zu: „Das kleine Gespenst“ (Premiere 7. Juli 2023/ Stiftsruine) wird durch die Stiftsruine spuken. Die Inszenierung nach dem berühmten und beliebten Buch von Otfried Preußler wird Kindern jeden Alters viel Spaß bereiten.

Auf der Burg Eulenstein lebt das kleine Gespenst mit seinem Freund, dem Uhu Schuhu und hat nur einen einzigen Wunsch: einmal die Welt bei Tageslicht zu sehen. Und tatsächlich! Eines Tages erwacht es bereits mittags und erkundet die Burg. Dabei wird es von einem Sonnenstrahl getroffen und verfärbt sich schwarz. Also springt es in den Burgbrunnen. Aber das nützt gar nichts. In der Kanalisation verirrt es sich, sucht den Ausgang und erschreckt dabei alle Bewohner der Stadt. Aber das ist erst der Anfang einer ganzen Reihe von Abenteuern. Wie kann es wieder weiß werden? Zum Glück hat der Uhu Schuhu die rettende Idee ...

Kultpotential: „Der Club der toten Dichter“ kommt wieder

In der Wiederaufnahme des Festspiel-Stücks „Der Club der toten Dichter“ wechseln sich Götz Schubert und Michael Rotschopf in der Hauptrolle des Lehrers John Keating ab. Auch viele der Schüler-Rollen wurden umbesetzt. So wirkt das gleiche Stück etwas anders. Die Fotos von Steffen Sennewald entstanden bei der Generalprobe mit Michael Rotschopf als Keating.
„Der Club der toten Dichter“, hier mit Michael Rotschopf in der Hauptrolle des Lehrers John Keating wird 2023 noch einmal bei den Bad Hersfelder Festspielen gezeigt. © Steffen Sennewald

Weil die europäische Erstaufführung von „Der Club der toten Dichter“ (Premiere 21. Juli 2023/Stiftsruine) in der Regie von Joern Hinkel so ein riesiger Erfolg war und in Bad Hersfeld inzwischen Kultpotential entwickelt hat, wird das Stück über den Lehrer John Keating, der an einer konservativen Elite-Schule mit unkonventionellen Methoden die Schüler zum selbständigen Denken und zur Liebe für die Poesie verführt, noch einmal gezeigt.

Auch in diesem Jahr soll diese Rolle wieder prominent besetzt werden!

„In meiner Klasse werden Sie wieder lernen, für sich selbst zu denken! Sie werden lernen, Worte und Sprache zu genießen. Ganz gleich, was man Ihnen auch erzählt: Worte und Gedanken können die Welt verändern.“ So beschreibt Keating seine Art zu unterrichten und bringt einen Prozess in Gang, der alle verändert.

Der Festspielsommer 2023 wartet also mit Geschichten auf, die berühren, in die Tiefe gehen und trotzdem gut unterhalten. Intendant Joern Hinkel: „Wir erzählen von neuen Weltordnungen, von untergehenden Weltreichen, von veralteten Weltbildern. Betroffen sind ganze Länder und Kontinente wie das Römische Reich oder Britannien, betroffen sind auch kleinere Universen wie zum Beispiel ein Elite-Internat in der amerikanischen Provinz oder auch die Burg Eulenstein, die einer ihrer ältesten Bewohner, das kleine Gespenst, zum ersten Mal bei Tageslicht zu sehen bekommt. Im Großen wie im Kleinen erleben wir Menschen, die an ihren alten Werten und Privilegien klammern und andere, die überholte Systeme in Frage stellen, Mauern einreißen, manchmal ohne Rücksicht auf Verluste.“ (red/zac)

Der Vorverkauf für die 72. Bad Hersfelder Festspiele 2023 beginnt am kommenden Donnerstag, den 24. November 2022.

Bis zum 31. Dezember 2022 wird ein Frühbucher-Rabatt für „König Lear“, „Der Club der toten Dichter“, „Jesus Christ Superstar“ und „Die Rache der Fledermaus“ gewährt.

Auch interessant

Kommentare