Der 81 Jahre alte Robert Hahn glaubte seinen Augen nicht zu trauen

332 Kilometer für eine Spritze? Bad Hersfelder soll in Wiesbaden gegen Corona geimpft werden

Das Bild zeigt Robert Hahn mit dem Telefonhörer am Ohr.
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Ganz schön irritiert: Nachdem Robert Hahn einen Impftermin in der Landeshauptstadt zugeteilt bekommen hat, versuchte er tagelang zu klären, ob er diesen Termin ernst nehmen soll.

Robert Hahn aus Bad Hersfeld staunte nicht schlecht, als er seine Terminbestätigung für die Corona-Impfung bekam: Der 81-Jährige soll demnach in Wiesbaden geimpft werden.

Bad Hersfeld – Eigentlich könnte Robert Hahn jetzt ein glücklicher Mann sein. Immerhin hat der 81-Jährige aus dem Bad Hersfelder Stadtteil Sorga schon einen Termin für die Corona-Impfung bekommen. Viele andere Menschen in seinem Alter hatten beim Chaos um die Terminvergabe weniger Glück. Wobei: So richtig zufrieden ist Robert Hahn jetzt nicht. Denn auf seiner schriftlichen Terminbestätigung steht: 7. Februar, Impfzentrum im Rhein-Main-Congress-Center, Wiesbaden.

Wiesbaden? „Ich dachte, ich lese nicht richtig“, sagt der Rentner und wirkt immer noch einigermaßen fassungslos. Warum sollte er extra in die Landeshauptstadt reisen – Hin- und Rückweg laut seinem Navigationsgerät: 332 Kilometer –, um sich impfen zu lassen? Das regionale Impfzentrum in Fulda ist doch viel naheliegender. Und das Impfzentrum des Landkreises in der Rotenburger Göbel Hotels Arena öffnet ja auch in acht Tagen. „Ich weiß jetzt nicht, was ich machen soll“, sagt er.

Angemeldet für einen Termin hatte er sich am 12. Januar telefonisch über die Impfterminservice-Hotline des Landes Hessen. Dort sagte man ihm, er solle am 7. Februar zur ersten Impfung nach Fulda kommen. Und Mitte März zur zweiten Biontech-Dosis noch einmal.

Fulda ist eines von sechs regionalen Impfzentren in ganz Hessen, die bislang geöffnet haben. Solange das Zentrum in Rotenburg noch geschlossen hat – Starttermin dort ist erst der 9. Februar – ist Fulda auch für die über 80-Jährigen aus dem Kreis Hersfeld-Rotenburg zuständig.

Alles wunderbar, dachte sich Robert Hahn. Als er jedoch zwei Tage später die Terminbestätigung in der Post fand, traute er seinen Augen nicht. Dort stand nämlich, dass er in Wiesbaden geimpft werden würde.

Also rief er gleich noch einmal bei der Hotline an. „Die Mitarbeiter sagten mir nur, dass sie meinen Termin zur Erstimpfung zwar auf dem Bildschirm sehen, allerdings ohne Uhrzeit. Und das Datum für die zweite Dosis war auch nicht hinterlegt. Helfen konnte man mir dort aber nicht“, sagt Hahn.

Also griff er wieder zum Hörer und bat um Hilfe an der Hotline des Ärztlichen Bereitschaftsdienstes. Und bei der Corona-Hotline des hessischen Gesundheitsministeriums. Selbst beim Bürgertelefon des Landratsamtes in Bad Hersfeld fragte er um Rat. Überall hieß es: „Da können wir Ihnen leider nicht weiterhelfen.“ Manche sagten, sie seien nicht zuständig, andere beriefen sich auf die Datenschutzgrundverordnung und wieder andere verwiesen ihn wieder an den Ärztlichen Bereitschaftsdienst. „Aus diesem Kreislauf komme ich seitdem nicht mehr heraus“, sagt er. Und das ärgert ihn. „Irgendjemand müsste in diesem Land doch in der Lage sein, Aufklärung zu betreiben.“

Immerhin, sagt er, habe er die Möglichkeit, den Termin wahrzunehmen. Viele andere ältere Menschen wären möglicherweise mit so einer Situation überfordert. „Ich würde mich ja nach Wiesbaden fahren lassen“, sagt Hahn, „aber ich weiß nicht, was passiert, wenn ich da mit der schriftlichen Terminbestätigung auftauche und dann jemand in seinen Computer guckt und feststellt, dass wir es hier mit einem Irrtum zu tun haben. Werde ich dann doch nicht gespritzt?“ (Sebastian Schaffner)

Innenministerium: Termin wird umgebucht

Michael Schaich, Sprecher des hessischen Innenministeriums, spricht auf Nachfrage unserer Zeitung von einem rätselhaften Irrtum. Der Leiter der Task Force im Corona-Krisenstab werde sich umgehend mit den zuständigen Impfzentren in Verbindung setzen. „Natürlich wird der Termin umgebucht. Wir werden Kontakt mit Herrn Hahn aufnehmen“, sagt Schaich. „Es ist nicht das Bestreben der Landesregierung, dass Bürger für die Impfung durchs halbe Land reisen müssen.“ (ses)

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