Schon ein Drei-Tage-Flaum ist zu viel

Bart ab bei der Feuerwehr: Trend gefährdet Sicherheit

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Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar rasiert ihre Kollegen - natürlich nur zum Spaß. Hier Bad Hersfelds Stadtbrandinspektor Frank Jakob.

Bad Hersfeld. Kein Einsatz mit Gesichtsbehaarung: Nicht nur Vollbärte, schon Drei-Tage-Stoppeln sind bei den Atemschutzgeräteträgern der Feuerwehr ein No-Go.

Und weil Bärte seit einiger Zeit wieder voll im Trend sind, werden sie bei den Freiwilligen Feuerwehren zunehmend zum Problem. Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar hatte das Thema kürzlich auf einer Versammlung in den Blickpunkt gerückt (wir berichteten)– und damit ein riesiges Medieninteresse ausgelöst.

Ob Stoppeln oder lange Zotteln am Kinn: Mann trägt wieder Gesichtsbehaarung. Doch die „Hipster-Bärte“ gefährden zunehmend die Sicherheit.

Was komisch klingt, ist ein durchaus ernstes Thema, auf das Kreisbrandinspektorin Tanja Dittmar kürzlich auf der Jahreshauptversammlung der Bad Hersfelder Feuerwehren mit dem Spruch „Richtige Männer brauchen keinen Bart“ aufmerksam gemacht hatte. Worum es geht:

Das Problem

Mit Bart kein Einsatz, das gilt für die Atemschutzgeräteträger bei der Feuerwehr. „Vor allem die Tagesbereitschaft ist gefährdet“, erklärt Dittmar. Denn die sei ohnehin schon schwierig sicherzustellen, da nicht alle Kameraden zu den normalen Arbeitszeiten ständig einsatzfähige seien.

„Ich habe mir die Freiheit genommen, diesbezüglich eine Anregung zu geben und wollte für die notwendige Aufmerksamkeit sorgen“, sagt die Kreisbrandinspektorin schmunzelnd über ihre etwas flapsige Bemerkung.

Das Problem sei freilich nicht neu, aber seit einiger Zeit eben besonders akut. „Erst vor kurzem sind bei einem größeren Einsatz vier Männer deshalb ausgefallen“, bestätigt Christian Seelig, stellvertretender Stadtbrandinspektor in Bad Hersfeld.

Die Gefahr

Die ausgebildeten Atemschutzgeräteträger, die einen körperlich anstrengenden Job machen und sich regelmäßig ärztlichen Untersuchungen unterziehen müssen, sind dank ihrer Maske vor giftigem Brandrauch geschützt. Ist die Maske nicht absolut dicht, sitzt die Gummi-Dichtlippe nicht komplett auf der Haut, kann Gas beziehungsweise Rauch eindringen – und zum Tode führen. Richtig kurze Härchen sind ok, aber schon ein Drei-Tage-Bart geht nicht.

Die Betroffenen

900 einsatzbereite Atemschutzgeräteträger gibt es laut Dittmar im Landkreis, bei 20 Feuerwehren in den Kommunen und rund 150 Ortsteilwehren. „Atemschutzgeräteträger kann man nie genug haben“, sagt Dittmar. Für Christian Seelig und Bad Hersfelds Stadtbrandinspektor Frank Jakob ist das Tabu kein Problem. „Meine Frau mag die Kratzerei eh nicht so“, verrät Jakob.

Die Reaktionen

Die meisten Männer hätten ihren Bart-Ab-Appell amüsiert und durchaus verständnisvoll aufgenommen, sagt Tanja Dittmar. Negative Reaktionen sind ihr nicht bekannt. „Die meisten Kameraden nehmen ihr Hobby schließlich ernst“, weiß die KBI. „Es geht auch um die Sicherheit unserer Familien, Freunde, Bekannten und Nachbarn. Das ist nun vielleicht einmal mehr ins Bewusstsein gerückt worden.“

Sozusagen die Klinke in die Hand gaben sich am Feuerwehrgerätehaus in Bad Hersfeld jetzt auch diverse Medienvertreter. Mehr als einmal mussten Dittmar und Co. vor Kameras und Mikrofone treten. Über die öffentliche Aufmerksamkeit ist Dittmar einerseits überrascht, andererseits erfreut. Ihren Apell verbindet sie deshalb gleich mit einem weiterem wichtigem Hinweis: „Wir benötigen wie alle Feuerwehren in Hessen jede helfende Hand!“

Der Notfallrasierer

Noch gehören Rasierer nicht zur Grundausstattung, im Hersfelder Feuerwehrhaus aber zum Beispiel liegt ein Notfallgerät bereit. Die KBI überlegt, ein solches künftig auch in ihrem Kommandowagen vorzuhalten. (nm)

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