Kosten explodieren

Bauen mit Beigeschmack: Diskussion um Bad Hersfelder Stadtentwicklungsprojekte

Freie Fahrt im Kurpark Bad Hersfeld: Arbeiter der Firma Petri aus Tiefenort haben gestern die letzten Spuren der Baustelle am Kurpark beseitigt. Die Arbeiten wurden erfolgreich abgeschlossen, berichtete Fachbereichsleiter Martin Bode den parlamentarischen Ausschüssen. Auch neue Bäume sollen gepflanzt werden.
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Freie Fahrt im Kurpark Bad Hersfeld: Arbeiter der Firma Petri aus Tiefenort haben gestern die letzten Spuren der Baustelle am Kurpark beseitigt. Die Arbeiten wurden erfolgreich abgeschlossen, berichtete Fachbereichsleiter Martin Bode den parlamentarischen Ausschüssen. Auch neue Bäume sollen gepflanzt werden.

Die großen städtischen Bauvorhaben – Stadtarchiv, Festspielfunktionsgebäude und Wever-Areal – standen im Mittelpunkt der Sitzung des Haupt- und Finanzausschusses am Donnerstag in Bad Hersfeld.

Bad Hersfeld – Denn alle Projekte haben eines gemeinsam: Die Kosten explodieren. Und das bereitet den Stadtpolitikern große Sorgen.

„Wir haben uns zuviel Last auf die Schultern geladen“, fasste es der Ausschussvorsitzende Karsten Vollmar (SPD) zusammen, nachdem zuvor Bürgermeister Thomas Fehling über den Sachstand berichtet hatte. So wird das Wever-Projekt durch den jetzt gefundenen Kompromiss mit den Herfelder Kleiderwerken um rund 2,5 Millionen Euro teurer, weil eine neue Halle am Helfersgrund errichtet werden muss (wir berichteten). „Damit können wir das Projekt jetzt noch retten – oder wir lassen es sein“, stellte Fehling fest.

Einstimmig, aber zähneknirschend akzeptierten die Stadtverordneten den Vorschlag. „Uns wird die Pistole auf die Brust gesetzt“, sagte Vollmar und sprach von einem „teuer erkauften Meilenstein“. Auch für Andreas Rey (CDU) hatte es einen „faden Beigeschmack, kurz vor knapp“ entscheiden zu müssen. Andrea Zietz (Grüne) sah zwar die einmaligen Chance für die Stadt, hätte aber eine schrittweise Umsetzung bevorzugt, die allerdings den Wegfall der Fördergelder zur Folge gehabt hätte, wie Fehling erklärte. Werner Kubetzko (UBH) fragte, „was bleibt, wenn wir nicht zustimmen, außer verlorenen Planungskosten“. Jürgen Richter (FWG) sieht hingegen die „Leistungsfähigkeit der Stadt ist finanziell und personell überschritten“. Dem widersprach Bernd Böhle. „Aussteigen ist keine Option“. Er warb dafür, Gestaltungsspielräume zu nutzen.

Alles auf Halt steht unterdessen beim Stadtarchiv. Bürgermeister Fehling hat die Arbeiten gestoppt und erklärte: „Wir suchen einen Weg, um den preisgekrönten Architektenentwurf doch noch umzusetzen.“ Er betonte, dass es beim Archiv um mehr als nur das Gebäude, sondern die Entwicklung des Quartiers an der Antoniengasse gehe.

Zum Fortgang der Planungen für das Festspielfunktionsgebäude äußerte sich der Bürgermeister nebulös. „Wir haben eine Idee, wie es weitergeht und sind im Gespräch mit dem Fördergeber“, sagte er vage, offenbar mit Blick auf mögliche Regressansprüche des Hamburger Architekturbüros, dessen Entwurf aus Kostengründen nicht umgesetzt wird.

Andrea Zietz verteidigte in dem Zusammenhang die Architekten, die zu unrecht an den Pranger gestellt würden, nachdem zuvor einige Ausschussmitglieder Kritik an den aus dem Ruder laufenden Planungen geübt hatten. Zietz sah die Schuld für unrealistische Kalkulationen vielmehr beim Preisgericht. Dem widersprach Fehling. Es habe klare Vorgaben für die finanzielle Obergrenze des Festspielbaus gegeben.

Mit einem Seitenhieb auf Fehling stellte Bernd Wennemuth (SPD) fest, dass dessen Vorgänger Boehmer immer Festpreise vereinbart habe und empfahl dies zur Nachahmung – zu spät freilich für die aktuellen Projekte. (Kai A. Struthoff)

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