Begegnungen unter Kastanien

Festspiel-Momente: Ilja Richter scheut die Menge und schätzt die Langsamkeit

Ilja Richter steht mit verschränkten Armen in einem Berliner Café.
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Gelassenheit auch in Zeiten der Krise: Ilja Richter hat die freie Zeit für die Familie und die Arbeit an seinem Liederabend genutzt.

Schauspieler Ilja Richter wäre 2020 eigentlich nicht nach Bad Hersfeld gekommen. Nun kommt er doch. Und zwar für das Festspiel-Ersatzprogramm „Ein anderer Sommer“.

Die Bad Hersfelder Festspiele 2020 wurden wegen des Coronavirus abgesagt. In der HZ finden sie während der gesamten Spielzeit trotzdem statt. In den Erinnerungen der Theatermacher und in Bildern aus dem HZ-Archiv:

Eigentlich wäre er in diesem Sommer nicht nach Bad Hersfeld gekommen, hätte wegen anderer Verpflichtungen keine Zeit gehabt für die neuerliche Wiederaufnahme des Musicals „My Fair Lady“.

Dann aber hat Corona alles über den Haufen geschmissen. Und jetzt kommt Ilja Richter doch, ist einer der Stars im „anderen Sommer“, dem bunten Strauß kultureller Veranstaltungen, mit dem die Festspiele ein wenig über den Ausfall des eigentlich vorgesehenen Programms hinwegtrösten wollen.

Und Richter kommt gerne. „Ich mag es, wenn man sein Festival liebt“, sagt er am Telefon und meint die offensichtliche Zuneigung der Hersfelder zum Theater in der Stiftsruine. Überhaupt ist Ilja Richter keiner, der seinen Beruf isoliert vom Umfeld betrachtet.

Nach der Vorstellung mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen, das schätzt er. Zwar ist das Bad in der Menge nicht unbedingt sein Fall, viel lieber sind ihm individuelle Begegnungen. In Bad Hersfeld müsse man die auch nicht suchen: „Man findet sie vor, unter Kastanien bei Bier oder Wein.“

Sein bislang letzter Auftritt bei den Festspielen: 2016 und im Jahr darauf spielte Ilja Richter den Müllkutscher Doolittle im Musical „My Fair Lady“.

In solchen Unterhaltungen konnten seine Gesprächspartner schnell feststellen, dass Richter die Dinge nicht nur von einer Seite betrachtet, dass er überaus belesen ist, und dass sich im besten Fall ein Bonmot ans andere reiht. Keine Sprüche, sondern geistvolle Gedankenblitze.

Zweimal war Ilja Richter bisher Teil des Festspiel-Ensembles. 1998 als Stelzfuß im schrägen Musical „Black Rider“ und zuletzt als Müllkutscher Doolittle in „My Fair Lady“. Auch den Beinbruch auf der Bühne, der ihn beim „Black Rider“ ereilte, kreidet Richter nicht den Festspielen an. „Das war ein scheußliches Erlebnis, aber das verbinde ich nicht mit Bad Hersfeld, das hätte überall passieren können.“

Auch privat strahlt der einst aufgedrehte Disco-Moderator Gelassenheit aus: „Ich gehören zu denen, die die Entdeckung der Langsamkeit nicht erst durch Corona erfahren haben.“ Die viele freie Zeit hätte er sich zwar nicht als Zwang gewünscht, doch es komme eben darauf an, die entstandenen Möglichkeiten zu nutzen.

„Ich bin kein Workaholic, auch nicht arbeitswütig, aber ich kann mit Freiheit etwas anfangen“, sagt Richter, der sich in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv mit der Gestaltung eines Liederabends beschäftigt hat. Da sei nicht einfach Lied an Lied gereiht, sondern durch die verbindenden Texte ein Buch entstanden. „Dafür hatte ich jetzt Zeit, das war angenehm.“

Gleichwohl spricht er von „gefährlichen, merkwürdigen Zeiten“ und einer „unsichtbaren Bedrohung.“

Die hat ihn wie viele andere auch ganz direkt betroffen. „Finanziell ist schon was weggebrochen“, sagt er, jedoch ohne den Unterton der Verbitterung. Dafür geht es ihm und seiner Familie gesundheitlich gut: „Das ist doch das Wichtigste“, betont er und verweist auf die viele gemeinsame Zeit während des Lockdowns.

Das Ergebnis seiner Arbeit aus diesen Tagen werden die Hersfelder am 15. August ab 21 Uhr in der Stiftsruine erleben dürfen: „Lieblingslieder – von Disco bis Cabaret“ heißt das Programm, das einen musikalischen Streifzug durch Richters Leben erzählt.“ Und wenn das Wetter mitspielt, wird man ihn danach unter Bäumen treffen, in netten Gesprächen bei Bier oder Wein.

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