Ein dunkles Kapitel Industriegeschichte

Schilde AG: Gedenktafel für Zwangsarbeiter in der Hersfelder Rüstungsindustrie geplant

Das Bild zeigt die Gedenktafel für Benno Schilde vorn rechts und zentral im Bild die Schilde-Halle.
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Eine Gedenktafel für Benno Schilde gibt es bereits im gleichnamigen Park vor der Veranstaltungshalle.

An eines der dunkelsten Kapitel der Hersfelder Industriegeschichte soll künftig eine Gedenktafel im Schilde-Park erinnern - wenn auch die Stadtverordneten zustimmen.

Bad Hersfeld - Im Zweiten Weltkrieg waren mehr als 11 000 vornehmlich russische Zwangsarbeiter im Altkreis Hersfeld unter menschenunwürdigen Bedingungen im Einsatz. Bis zu 5000 schufteten allein in Hersfeld und dort vor allem bei der Benno-Schilde-AG, die damals unter anderem Lafetten für die Rüstungsindustrie produzierte.

Die Initiative für die Gedenktafel kommt von der Fraktion „Die Linke“. Am Mittwochabend wurde darüber im Ausschuss für Bildung und Kultur diskutiert. Der Vorsitzende Dr. Thomas Handke hatte dazu den Heimathistoriker Ernst-Wolfram Schmidt eingeladen, der das Thema Zwangsarbeit bereits in den Hersfelder Geschichtsblättern aufgearbeitet hatte, und nun die Stadtverordneten über die geschichtlichen Hintergründe informierte.

Der Vater von Schmidt war damals selbst bei Schilde beschäftigt und dafür sogar vom Wehrdienst befreit, „weil seine Arbeit von kriegswichtiger Bedeutung war“, berichtete der pensionierte Lehrer. Daheim wurde aber nie über dieses Thema gesprochen, erzählte Schmidt, der erst viel später in Archiven auf Belege aus dieser Zeit gestoßen ist. „Hersfelds Bedeutung für die Rüstungsindustrie der Nazis ist noch nicht ausreichend bekannt“, sagte der Heimathistoriker. So wisse heute kaum jemand, dass russische Kriegsgefangene als Punktschweißer in der Schilde-Halle eingesetzt waren. Ein stilles Zeugnis dieser düsteren Zeit sei der russische Teil auf dem Hersfelder Friedhof, berichtete Schmidt, Die Zwangsarbeiter seien damals in Barackenlagern untergebracht gewesen. Auch im Lager Pfaffenwald bei Asbach waren zum Kriegsende hin vor allem schwangere und arbeitsunfähige Zwangsarbeiterinnen inhaftiert.

Neben der Schilde AG seien auch die damalige Tuchfabrik Rehn und die Jutespinnerei in die Rüstungsproduktion involviert gewesen. „Das war ein Riesenbetrieb in Hersfeld, aber davon weiß heute kaum einer mehr“, sagte Schmidt. „Je mehr Soldaten an der Front gebraucht wurden, desto mehr Zwangsarbeiter kamen nach Hersfeld.“ Nachdrücklich plädierte Ernst-Wolfram Schmidt deshalb dafür, eine gut sichtbare Gedenktafel im Schilde-Park für die Zwangsarbeiter aufzustellen. „Eine Gedenktafel muss dort hängen, wo viele Leute vorbeigehen, um sie zum Nachdenken anzuregen“, mahnte Schmidt.

Nach einer kurzen Diskussion über die Inschrift der Gedenktafel und mögliche Standorte, gab der Kulturausschuss ein positives Votum für die Errichtung einer Gedenktafel ab. Nur die Vertreter von CDU und die FDP enthielten sich im Ausschuss der Stimme. Eine endgültige Entscheidung soll das Stadtparlament in seiner Sitzung am 11. November treffen. (Kai A. Struthoff)

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