Graffiti von Rathaus, Jugendhaus und mehr

Mit Gefühl für die Dose: Bernd Binder verschönert die Hersfelder Unterführung

In seinem Element: Bernd Binder sprüht das Jugendhaus an die Peterstorunterführung.
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In seinem Element: Bernd Binder sprüht das Jugendhaus an die Peterstorunterführung.

Seine Graffiti sind bekannte Hingucker: Bernd Binder verschönert die Bad Hersfelder Unterführung mit Bildern lokaler Sehenswürdigkeiten.

Bad Hersfeld – In der linken Hand hält der Bad Hersfelder Bernd Binder ein Foto des städtischen Jugendhauses, während er mit der rechten Hand feine Linien an eine Wand der Peterstorunterführung unter der Hochbrücke sprüht. Die Dose fest im Griff seiner mit Handschuh bedeckten Hand gelingen ihm selbst feine Linien, wie etwa bei den Fensterrahmen des Motivs mit Leichtigkeit.

„Ich sprühe jetzt schon rund 30 Jahre. Je länger man es macht, desto mehr entwickelt man ein Gefühl für die Dose“, erklärt der 40-Jährige, der außerdem eine Atemschutzmaske gegen die Dämpfe trägt. „Am schwierigsten werden aber die Figuren, die am Jugendhaus zu sehen sind. Da greife ich lieber zu einem speziellen Pinsel“, erklärt Binder, der schon 1987 erste Graffiti zeichnete. Vor einigen Wochen wurde bereits ein Graffito des Rathauses fertiggestellt. Rechts daneben entsteht nun das Jugendhaus. Dass die Wand zuvor schwarz gesprüht wurde, stört den gelernten Graffiti-Kursleiter wenig. Ein wenig Lack und der Hintergrund lässt sich leichter anbringen. Farblich arbeitet er sich von hinten nach vorne vor und kann auch Schwarz mit hellen Farben problemlos übersprühen. So soll neben dem Jugendhaus schließlich noch die Stiftsruine einen Platz als Graffito finden.

Bekannte Hingucker: Rathaus, Jugendhaus und bald folgt daneben noch die Stiftsruine.

„Als ich vor zwei Jahren nach Hersfeld gezogen bin, hielt ich direkt Ausschau nach einer Fläche, wo ich meinem Hobby nachgehen kann. 200 Telefonate und sechs Monate später hatte ich sie“, erinnert sich Binder mit einem Lächeln zurück. Aktuell ist er bei den Sozialen Förderstätten tätig. Als er bei der zuständigen Stelle, der Stadtjugendpflege, angelangt war, galt es nach wenigen Gesprächen Geduld zu beweisen, bis sein Antrag alle zuständigen politischen Gremien passiert hatte. „Dass die Unterführung der Stadt, die Hochbrücke aber dem Land gehört, vereinfachte das Unterfangen keineswegs“, ergänzt Bady Buhle von der Stadtjugendpflege.

Doch auch wenn Binders von der Stadt ausgestellter Graffiti-Ausweis regelmäßig kontrolliert wird, so kann er nun mit Leidenschaft seinem Hobby nachgehen. „Viele sprechen mich auch auf meine Kunst an und äußern Wünsche oder Vorschläge, wie die Friedenstaube oder den Affen, die ich schon umgesetzt habe. Auch den Wunsch nach einem Wolf-Graffito höre ich oft“, erzählt Binder begeistert weiter, „Ideen habe ich also zu Genüge.“ Neben dem Ansprühen neuer Graffiti kümmert er sich auch um bestehende, wenn etwa die Farbe abblättert. „Schön ist, dass die Leute hier die Kunst achten. Schmierereien auf den Bildern gibt es eigentlich gar nicht“, freut sich Binder und Buhle freut sich mit: „Wir sind froh, dass er sich so engagiert und es hier unten viel fröhlicher wird.“

Bereits seit 1994 engagiert sich die Stadtjugendpflege beziehungsweise damals noch das Jugendhaus für legale Sprühflächen im Stadtgebiet. Auch Aktionen mit Jugendlichen sollen, insofern es Corona zulässt, wieder angeboten werden. „Das Material ist schon gekauft, aber dieses Jahr wird es vermutlich nichts mehr“, schätzt Buhle. (Daniel Blöthner)

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