Letzter Platz beim Radfahr-Klimatest

Besser radfahren kostet Geld - ADFC-Test war Thema im Hersfelder Umwelt-Ausschuss

Schilder stehen am Straßenrand beim Bad Hersfelder Autohof.
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Absteigen oder nicht? Unter dem Motto „humorvolle Beschilderung“ hat Martin Engel, Ortsbeauftragter des ADFC-Kreisverbands, dieses Foto am Autohof gemacht.

Das schlechte Abschneiden Bad Hersfelds beim ADFC-Fahrradklima-Test 2020 war jetzt Thema im Ausschuss für Stadtplanung, Umwelt und Klima der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung.

Bad Hersfeld – Die Kreisstadt war bei den Städten bis 50 000 Einwohner in Hessen mit einer Gesamtnote von 4,53 auf dem letzten Platz gelandet (wir berichteten ausführlich). 63 Teilnehmer hatten an der Befragung teilgenommen, bei der das Alltagsradeln im Fokus stand.

Eine eindeutige Erklärung für das schlechte Ergebnis hatte denn auch Fachbereichsleiter Martin Bode aus der Verwaltung nicht, schließlich sei seit dem letzten Test bereits einiges getan worden – wenngleich es natürlich einige Stellen speziell in der Innenstadt gebe, an denen es für Radfahrer „tricky“ sei. Bode fährt selbst täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit und hat sich in den vergangenen Jahren mit dem Radverkehrskonzept für die Stadt beschäftigt.

Als Beispiele für bereits umgesetzte Maßnahmen nannte er unter anderem die Bike-Stationen, die Probeöffnung der unteren Klausstraße sowie die Öffnung des Stiftsbezirks für Radfahrer und die Nachmarkierung des Fahrradschutzstreifens am Johannesberg. Denn auch „viele kleine Maßnahmen machen etwas aus“, so Bode. Effektiv und kostengünstig seien zum Beispiel neue Beschilderungen, doch damit sei es an besonders problematischen Stellen nicht getan. Und mitunter seien selbst vermeintlich einfache Änderungen manchmal nicht möglich, etwa wenn für Markierungsarbeiten keine Firmen zu bekommen sind, warb er um Verständnis. Auch der Winterdienst könne ohne personelle und technische Aufstockung nicht einfach so die Radwege mit abarbeiten. Aktuell laufen laut Bode jedenfalls „eine Menge Förderprojekte“.

Größere Maßnahmen seien zwangsläufig teuer und zeitaufwendig, wenn sie verkehrsrechtlich überhaupt umsetzbar sind. Für Radfahrer problematisch, aber kaum zu lösen seien beispielsweise viele Stellen entlang des Stadtrings – auch die Kreuzung, an der Hainstraße, Johannestor, Fuldastraße und Eichhofstraße aufeinandertreffen, gehört dazu. Dort wäre laut Bode ein kompletter Umbau nötig, was Kosten im sechsstelligen Bereich verursachen würde – sollte er überhaupt genehmigt werden. In der Regel müsse man für bauliche Maßnahmen mit Genehmigungsverfahren etwa drei Jahre einplanen. Bei der Verbreiterung von bestehenden Radwegen fürchtet Bode zudem „Zielkonflikte“, wenn Grün weichen müsse.

Auch Bürgermeister Thomas Fehling wies darauf hin, dass der Stadt teils die Hände gebunden seien. Als Beispiel nannte er die sanierte Homberger Straße. Es habe sich ihm bis heute nicht erschlossen, warum dort kein Kombiweg für Fußgänger und Radfahrer möglich gewesen sei. Darüber hinaus sei der Vergleich mit anderen Städten oft schwierig, denn „eine viel befahrene Bundesstraße mitten durchs Gemächt“ wie es in Bad Hersfeld mit der B 324 der Fall ist, sei selten.

Ausschussvorsitzender Thomas Bös (Grüne) sieht gleichwohl die Notwendigkeit, künftig mehr Radverkehr zu ermöglichen. „Es bleibt uns also nichts anderes übrig, als Geld in die Hand zu nehmen und am Ball zu bleiben“, so Bös. »  (Nadine Maaz)

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