Hersfelder Gericht verurteilt Angeklagten zu 15 Monaten Haft

Betrüger bringt Rentner aus Hersfeld-Rotenburg um über 115.000 Euro

Bad Hersfeld. Zu einem Jahr und drei Monaten Haft hat das Amtsgericht Bad Hersfeld einen 39 Jahre alten Mann aus Bulgarien verurteilt. Der hatte gestanden, einen 63-Jährigen aus dem Landkreis über fast zwei Jahre hinweg um insgesamt mehr als 115 000 Euro gebracht zu haben.

Als „gewerbsmäßigen Betrug in 153 Fällen“ wertete das Gericht unter Vorsitz von Richter Michael Krusche dies. Es blieb mit dem Strafmaß „im unteren Rahmen“, ließ sich auf die vom Angeklagten förmlich erflehte Bewährung aber nicht mehr ein.

Eindrucksvoll schilderte der geschädigte 63-Jährige, wie er den Angeklagten kennengelernt hatte. Dieser war als Schrotthändler im Kreis unterwegs gewesen. Man kam freundschaftlich ins Gespräch. Bald erzählte der Bulgare von Geldsorgen. Seine Frau sei schwer krank, die Familie nicht versichert.

Der Geschädigte hatte Mitleid, wie er sagte: Selbst von einer langen Erkrankung genesen, wollte er helfen und überwies dem 39-Jährigen über einen Bargeldtransfer-Anbieter ab Oktober 2014 zunächst Summen von mehreren hundert Euro, später auch höhere Beträge, oft mehrmals pro Woche, insgesamt 153-mal.

Immer neue Gründe fand der 39-Jährige, um Geld zu erbitten. Und der 63-jährige Rentner zahlte weiter, brauchte seine Ersparnisse und seine Lebensversicherung auf, verschuldete sich bei Bekannten. Er glaubte dem Angeklagten – „er hätte doch sonst einfach untertauchen können“. Erst im August 2016 zog er einen Strich, vertraute sich der Polizei an. Bei einem arrangierten Treffen in Kassel nahm diese den 39-Jährigen fest.

Der bestand vor Gericht darauf, das Geld zurückzahlen zu wollen. Er wolle arbeiten, könne im Monat bis zu 1500 Euro aufbringen. Das Gericht ließ sich nicht darauf ein. Der Angeklagte habe die Leichtgläubigkeit seines Opfers ausgenutzt und es in „massive wirtschaftliche Not“ gebracht. Eine positive Sozialprognose bestehe nicht. (rai)

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Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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