Veranstaltung des Kreisverbandes

Bündnis 90/Die Grünen: Diskussion über Gesundheit im ländlichen Raum

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Auf dem Podium von links Antje Wiedemann, Kordula Schulz-Asche, Kaya Kinkel, Martin Ködding und Dr. Akram Malakzay. Begrüßt hatte die Anwesenden Martina Selzer vom Kreisverband Bündnis 90/Die Grünen. 

Bad Hersfeld. Um die Gesundheit im ländlichen Raum ging es am Freitagabend bei einer Podiumsdiskussion von Bündnis 90/Die Grünen in Bad Hersfeld.

Vor kleinem Publikum, das überwiegend selbst im medizinischen Bereich tätig ist, ging es um große Themen in kurzer Zeit.

Das Grünen-Konzept der Bürgerversicherung, der Pflegenotstand sowie der ländliche Raum aus stationärer und ambulanter Sicht - das solten die Themen des Abends sein, erklärte die Grüne Landtagsabgeordnete Kaya Kinkel zu Beginn der Veranstaltung in der Bad Hersfelder Stadthalle.

Die grüne Bürgerversicherung stellte Kordula Schulz-Asche, Grüne, Bundestagsabgeordnete und Sprecherin für Gesundheitswirtschaft, vor, ließ aber viele Fragen offen.

Sie sprach sich gegen das Nebeneinander der privaten und der gesetzlichen Krankenversicherung aus. Neu eingestellte Beamte sollten die freie Wahl haben, die Arzthonorare für die gesetzlich Versicherten sollten angehoben und die Zuzahlungen zu Medikamenten abgeschafft werden, Arbeitgeber und –nehmer sollten zu gleichen Teilen die Krankenversicherung finanzieren. Die Grünen wollen laut Schulz-Asche schrittweise zur Bürgerversicherung kommen. Je mehr im Solidarsystem seien, desto niedriger könnten die Gebühren sein.

Gesetzlich oder Privat

Dr. Akram Malakzay (Weiterode), der ärztliche Vertreter auf dem Podium, betonte, es gebe bei ihm in einem kleinen Dorf keine ungleiche Behandlung von gesetzlich und privat Versicherten. Der Unterschied sei, dass die privaten Kassen den Ärzten keinen Ärger machten, während die AOK wissen wolle, warum er einem Patienten Schmerzmittel verordnet habe. Wichtig seien andere Strukturen, sagte Malakzay.

Der Radiologe Dr. Johannes Flicker, der im Publikum saß, erklärte, kein Patient würde früher einen MRT-Termin bekommen, wenn es keine Privaten mehr gäbe. So schreibe die Kassenärztliche Vereinigung (KV) den Ärzten vor, wie viel sie arbeiten dürften. Zudem erhalte er als Radiologe pro Patient und Quartal 65 Euro, egal wie oft der Patient komme oder ob ein Kernspin oder eine Röntgenaufnahme erforderlich sei. Röntgen sei damit überbezahlt, während ein Kernspin tatsächlich 150 Euro koste, so Flicker. Ohne eine entsprechende Zahl von Röntgenaufnahmen könne er keine Kernspins finanzieren.

Pflegenotstand

Einen breiten Raum nahm das Thema Pflege ein. Antje Wiedemann vom ambulanten Pflegeteam Werratal und der Tagespflege Silberherz in Wildeck betonte, jetzt schon fehlten 25 000 Pflegekräfte, Personalschlüssel seien je nach Bundesland unterschiedlich, die Bezahlung vielfach nicht angemessen.

Schulz-Asche sprach sich für eine Erhöhung der Ausbildungszahlen, ein Wiedereinstiegsprogramm und die Nachqualifikation von Helfern aus. Einig war man sich, dass die Zusammenführung der Ausbildung für Pflegeberufe für Alte, Kranke und Kinder nicht sinnvoll sei, zumal sie später unterschiedlich bezahlt würden. Trotz guter Ausbildung dürften Altenpfleger medizinisch kaum tätig werden, hieß es aus dem Publikum. Allgemein schlechte Bezahlung in Frauenberufen wurde als ein Grund für die mangelnde Attraktivität der Pflegeberufe genannt.

Kliniklandschaft vor Ort

Die Grünen stehen zur Übernahme des HKZ durch das Klinikum, betonte Kaya Kinkel. Geschäftsführer Martin Ködding erklärte, Krankenhäuser gehörten zur Daseinsvorsorge und damit in öffentliche Trägerschaft. Wettbewerb schließe er nicht aus, allerdings nicht in der Region, sondern mit Fulda und Kassel. Wichtig seien wohnortnahe Versorgung und Qualität, für die Mindestmengen erforderlich seien.

Die Orthopädie sei künftig in Rotenburg besser angesiedelt, wo im HKZ eine Notfallversorgung vorhanden sei – nicht so Am Hopfengarten in Bad Hersfeld. Am Klinikum sei auch die Psychiatrie sehr beengt, in Rotenburg von daher eine bessere Versorgungsqualität gegeben.

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