Kreisstadt soll Klima-Notstand ausrufen

Bündnis schlägt Klima-Alarm für Bad Hersfeld

Aktivisten stehen im Schilde-Park in Bad Hersfeld und wollen, dass die Kommune Bad Hersfeld den Klimanotstand ausruft, von links Thomas Bös (BUND, Grüne), Doris Hoffmann (Parents for Future), Nadine Löhken (Fridays for Future), Lucas Sichardt (Friedensinitiative Hersfeld-Rotenburg), Gerd Heusel (Parents for Future)
+
Aktivisten wollen, dass die Kommune Bad Hersfeld den Klimanotstand ausruft, von links Thomas Bös (BUND, Grüne), Doris Hoffmann (Parents for Future), Nadine Löhken (Fridays for Future), Lucas Sichardt (Friedensinitiative Hersfeld-Rotenburg), Gerd Heusel (Parents for Future)

Ein Bündnis von Klima-Aktivisten fordert die Stadt Bad Hersfeld auf, den Klima-Notstand zu erklären und alle politischen Entscheidungen an Klima-Fragen zu überprüfen.

 „Die Klimakrise schreitet voran, und die Auswirkungen sind mittlerweile auch in unserem Landkreis und unserer Stadt sichtbar“, das sagen Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen, BUND, Friedensinitiative Hersfeld-Rotenburg, Fridays und Parents for Future. Sie wollen deshalb, dass die Kreisstadt Bad Hersfeld den Klimanotstand ausruft.

Erklärte Klimanotstands-Kommunen nehmen den Klimaschutz ernst und verpflichten sich, alle politischen Entscheidungen an ihren Auswirkungen auf das Klima zu messen, erklären die Initiatoren, darunter Thomas Bös (BUND, Grüne) und Lucas Sichardt (Friedensinitiative). Bös, der für die Grünen auch in der Bad Hersfelder Stadtverordnetenversammlung sitzt, berichtet von ersten positiven Gesprächen. Er hofft deshalb, dass möglichst noch 2020 ein entsprechender Antrag zur Abstimmung eingebracht wird.

Thomas BösBündnis 90/Die Grünen

Bürgermeister Thomas Fehling ist sich der Bedeutung des Themas bewusst, wie er auf Nachfrage unserer Zeitung mitteilte. Umwelt- und Klimaschutz im kommunalen politischen Handeln sei wichtig. Allerdings sei die Ausrufung eines Klimanotstandes kein definiertes Verfahren, „das zudem vom Begriff her für meinen Geschmack etwas plakativ und reißerisch daherkommt“, so Fehling. Er sieht Bad Hersfeld schon jetzt als eine der führenden Städte im praktischen Klimaschutz. In der Verwaltung sei man darauf vorbereitet, künftige politische Entscheidungen mit Blick auf ihre klimarelevanten Wirkungen gegebenenfalls neu zu bewerten. Ende Juli laufe die Bewerbungsphase für eine Stelle als Klimaschutzmanager/in aus.

Lucas SichardtFriedensinitiative

Auf ihre Forderung aufmerksam machen wollen die Klimanotstand-Unterstützer mit einer Demonstration am Freitag, 3. Juli, um 17 Uhr im Bad Hersfelder Schilde-Park. Fotos: Privat/Maaz/Archiv

„Klimaschutz geht alle an“

„Es ist nicht fünf vor zwölf, es ist längst zwölf“, sagt Doris Hoffmann von der Initiative Parents for Future, die die Forderung unterstützt, für Bad Hersfeld den Klimanotstand auszurufen. Die Kreisstadt würde sich damit selbst verpflichten, verbindliche Klimaschutzmaßnahmen in die Verwaltung aufzunehmen und diese auch umzusetzen.

Derzeit halte die Corona-Krise die Welt in Atem und dominiere die Nachrichten, dabei sei eine andere lebensbedrohliche und seit vielen Jahrzehnten bekannte Krise gänzlich in den Hintergrund gerückt, meint der Ortsverband von Bündnis 90/Die Grünen. Und die Friedensinitiative Hersfeld-Rotenburg ergänzt: „Klimaschutz geht uns alle an.“ Nur gemeinsam könne man die Herausforderung des Klimawandels meistern. 

Wie Verwaltungshandeln im Sinne des Klimaschutzes aussehen könnte, dafür haben die Vertreter der unterschiedlichen Gruppierungen Beispiele parat: Der Beschluss, einen Klimaschutzbeauftragten einzustellen, sei ein Schritt in die richtige Richtung, so der grüne Stadtverordnete Thomas Bös der durchaus Ansätze sieht, „die Hoffnung geben“. 

Gut ausgebautes Radnetz

Nadine Löhken von Fridays for Future spricht sich für ein gut ausgebautes Radnetz aus, sie denkt außerdem an Dienst- beziehungsweise Lastenräder für Mitarbeiter der Verwaltung sowie an mehr Lebensraum für Tiere und den Verzicht auf Steingärten, aber auch an energiesparendes Bauen, ob bei eigenen Projekten oder als Vorgabe für Neubaugebiete. Als Klimaschutzkommune könnte die Stadt nicht nur die Rahmenbedingungen schaffen, sondern ebenso eine Vorreiterrolle einnehmen und den Bürgern Vorbild sein. Das wäre für die Kommune auch ein Imagegewinn, sind sich die Initiatoren einig. Wer nur mögliche Mehrkosten sehe, denke zu kurz. 

Bisher habe man konkret lediglich die Kreisstadt im Blick, wenn auch andere Kommunen im Landkreis „infiziert“ würden, sei es jedoch umso besser, sagt Gerd Heusel, der sich ebenfalls bei den Parents for Future engagiert. 

200 Teilnehmer angemeldet

Damit die Demonstration am Freitag, 3. Juli, ab 17 Uhr im Bad Hersfelder Schilde-Park coronagerecht vonstattengehen kann, haben die Organisatoren ein Konzept erstellt. So werde es einen Eingang und einen Ausgang geben, Markierungen sowie Karteikarten, auf denen jeder Teilnehmer hygienisch und dem Datenschutz entsprechend seine Anwesenheit eintragen könne. Das Tragen eines Mundnasenschutzes wird empfohlen. Angemeldet ist die Veranstaltung für 200 Teilnehmer. 

Bürgermeister Thomas Fehling sieht die Stadt bereits auf gutem Wege: „Wir sind Pilotpartner in einem Projekt mit der Partnerschaft Deutschland“, sagt er mit Blick auf einen „Klima-Monitor“, der die vorhandene Datenplattform erweitern soll, um energie- und klimarelevante Maßnahmen messen und kontrollieren zu können. Mit einem Klimaschutzmanager könne das Thema vermutlich ab Spätsommer wieder gebündelt und koordiniert bearbeitet werden.

Hintergrund: Klimanotstand: Erste Stadt war Konstanz

Mehr als 100 Kommunen in Deutschland haben laut der Bad Hersfelder Initiative bereits den sogenannten Klimanotstand ausgerufen. Wikipedia listet derzeit 69 Städte und Gemeinde auf, darunter Großstädte wie München, Bochum, Bonn und Wiesbaden, aber auch kleine Gemeinden. Die erste deutsche Stadt, die den Klimanotstand ausrief, war Konstanz im Mai 2019. Den Klimanotstand erklären können die Parlamente oder auch die Verwaltung.

Nadine Maaz

Quelle: Hersfelder Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.