Wochenendkolumne

Zwischen den Zeilen: Baukosten, Verträge und gute Laune in Bad Hersfeld

Kai A. Struthoff
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Kai A. Struthoff

Über die steigenden Kosten für Bauprojekte, den Vertrag des Intendanten und die Festspielkommission schreibt Redaktionsleiter Kai A. Struthoff in unserer wöchentlichen Kolumne.

Bad Hersfeld - Die explodierenden Baustoffpreise treiben nicht nur Häuslebauern die Schweißperlen auf die Stirn. Schlimmer noch ist es bei kommunalen Bauprojekten, deren Kostenrahmen meist im Haushalt festgelegt ist. Während der Anbau am Landratsamt offenbar im vorgegebenen Rahmen bleibt, kostet das neue Stadtarchiv jetzt schon 9 statt wie geplant 7,4 Millionen Euro.

Bei der Fuldabrücke sollen es dem Vernehmen nach wohl „nur“ gut 300 000 Euro mehr sein.

Was bedeutet das aber für andere Bauvorhaben, wie etwa das Festspielfunktionsgebäude? Hier geht es ja auch um ein Prestigeprojekt der Stadt, das Form und Funktion vereinen soll. Schwierige Entscheidungen für die Stadtverordneten, die jetzt einen der Entwürfe des Architektenwettbewerbs auswählen müssen. „Am liebsten würden wir alle drei mischen“, hört man aus Kreisen der Stadtpolitik.

Auch die Verlängerung des Intendantenvertrags mit Joern Hinkel steht an. FDP, FWG und UBH hatten den Vertrag mit ihm eigentlich ja schon vor der Kommunalwahl verlängern wollen, SPD, CDU und Grüne wollten damit bis nach der Wahl warten. Einig sind sich alle, dass sie auch weiterhin mit dem allseits beliebten und hochkompetenten Joern Hinkel in der Stiftsruine arbeiten wollen. Sein Vertrag läuft noch bis September 2022.

Strittig ist offenbar noch, ob er, wie üblich, um zwei oder gleich um vier Jahre verlängert werden soll. Außerdem schweben da immer noch das „Carlos-Komplott“ von Dieter Wedel und eine Wiederaufnahme des Erfolgsstücks „Luther“ im Ruinenraum. Solange die schweren Vorwürfe gegen den Erfolgsregisseur vor Gericht nicht zweifelsfrei ausgeräumt sind, stehen die meisten Stadtpolitiker einer Rückkehr Wedels, etwa als Regisseur dieser Stücke, kritisch gegenüber. Auch das dürfte ein wichtiges Thema der Vertragsverhandlungen mit Joern Hinkel sein.

Beim Spielplan hat ja auch immer die Festspielkommission ein Wörtchen mitzureden – als verlängerter Arm des Magistrats. Auch sie wurde jetzt nach der Kommunalwahl neu gebildet – obwohl der Bürgermeister offenbar kein großer Fan dieses Gremiums ist. Neben ihm und anderen politischen Mandatsträgern sitzen dort auch kundige Bürger wie etwa je ein Vertreter der Freunde der Stiftsruine, des Arbeitskreises für Musik, des Chorvereins oder des Stadtmarketingvereins. So wird für die feste Verankerung unserer Festspiele in der Stadtgesellschaft gesorgt – und das hat sich bislang bewährt. Schließlich ist der Erfolg der Festspiele für alle Bereiche des städtischen Lebens wichtig.

Unterdessen hat Intendant Joern Hinkel momentan vermutlich ganz andere Dinge im Kopf als Vertragsverhandlungen. Die Proben für die neue Spielzeit laufen gut, erzählte mir Pressesprecherin Monika Liegmann, deren ansteckende gute Laune auch in Corona-Zeiten unverwüstlich ist. „Die Festspiele erwachen aus dem Dornröschenschlaf, wir setzen bundesweit ein Zeichen für Kunst und Kultur in diesem Sommer“, schwärmte sie, beflügelt von der ausgesprochen guten medialen Resonanz des Probenstarts.

ARD, ZDF, RTL, Sat 1, Die Zeit, FAZ und natürlich die gute alte dpa haben umfassend berichtet – mehr sogar als zu „normalen“ Zeiten. Und so sind unsere Festspiele mal wieder ein Leuchtfeuer der Hoffnung auf bessere Zeiten. Jetzt muss nur noch das Wetter mitspielen ... (Kai A. Struthoff)

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