„Nicht wieder schweigen“

Christen und engagierte Bürger erinnerten an Pogromnacht 1938

Erinnerung wachhalten: An die Pogromnacht von 1938, die in Bad Hersfeld schon am 8. November stattfand und der Beginn der systematischen Judenverfolgung war, erinnerten sich an der Gedenkstätte am Schillerplatz zahlreiche Menschen. Mahnende Worte sprachen unter anderem Pröpstin Sabine Kropf-Brandau (links) und Werner Schnitzlein, der Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit. Foto: Zacharias

Bad Hersfeld. „Wir sind ärmer geworden ohne sie, die Seligmanns, Mandelbaums, Goldsteins und Katz’“, stellte Werner Schnitzlein am Samstagnachmittag bei der Gedenkfeier an die Novemberpogrome von 1938 fest.

Wie anders wäre unser Land, wenn sie noch da wären, all die jüdischen Familien, die das Leben in Deutschland jahrhundertelang mit geprägt haben?, gab der Vorsitzende der Gesellschaft für christlich-jüdische Zusammenarbeit zu bedenken.

Pröpstin Sabine Kropf-Brandau machte deutlich, dass Antisemitismus kein Phänomen der Vergangenheit ist und erinnerte, wie zuvor schon Pfarrer Frank-Nico Jäger im ökumenischen Gottesdienst in der Kirche St. Lullus-Sturmius daran, dass auch heute noch Juden in Deutschland verbal und tätlich angegriffen werden. „Wir dürfen nicht wieder schweigen“, betonte sie, „der Gott der Juden ist auch der Gott der Christen.“ Kropf-Brandau betonte auch, dass dabei den Bad Hersfelder eine besondere Verantwortung zufällt, schließlich sei Hersfeld, wie in einem Buch eines Zeitzeugen nachzulesen, eine Hochburg des Antisemitismus in Deutschland gewesen, eine typische Stadt der kleinen Spießbürger.

Opfer nicht vergessen 

Die „zweite Schuld der Deutschen“, das Schweigen nach dem Holocaust und das Verleugnen der planvollen und systematischen Vernichtung der Juden sprach der Erste Stadtrat Bad Hersfeld, Dr. Rolf Göbel an. „Wir sind es den Opfern und ihren Angehörigen schuldig, sie nicht zu vergessen“, stellte er mit Blick auf die oft geäußerte Meinung, es müsse auch einmal Schluss sein mit dem Gedenken fest und forderte dazu auf, gemeinsam für eine Stadt Bad Hersfeld zu arbeiten, in der niemand Angst haben müsse, egal wie er aussehe und wo er herkomme.

„Wir sollten auch derer gedenken, die heute verfolgt werden und Schutz suchen“, sagte die Erste Kreisbeigeordnete Elke Künholz, als Sozialdezernentin zuständig für die Flüchtlinge im Kreis. Sie forderte dazu auf, dafür einzutreten, dass alle ohne Furcht und in Freiheit für ihre Anliegen eintreten könnten. (zac)

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