Premiere am 20. Juli

Bad Hersfelder Festspiele: Christian Nickel führt Regie bei "A long way down"

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Nah am Abgrund – aber nur für das Foto: Christian Nickel führt Regie bei „A long way down“. Die vier Charaktere im Stück wollen sich in den Tod stürzen. 

Christian Nickel hat viele Preise gewonnen. Nun führt er Regie bei "A long way down". Schon immer habe er zu den Schauspielern gehört, die sich für das große Ganze interessieren. 

Er ist in Bad Hersfeld inzwischen nicht nur gut bekannt, er ist auch beliebt: 2016 und 2017 hat Christian Nickel den großen Hersfeldpreis gewonnen, im vergangenen Jahr kam der Zuschauerpreis hinzu.

Bei den 69. Bad Hersfelder Festspielen ist er nun in einer anderen Rolle zu erleben. Der Wahl-Wiener führt Regie bei „A long way down“ (auf Deutsch: Ein langer Weg nach unten).

Die Bühnenfassung von Nick Hornbys Roman, der 2014 unter anderem mit Pierce Brosnan auch schon verfilmt wurde, stammt von Dr. Bettina Wilts. Die Premiere am Samstag, 20. Juli, im Schloss Eichhof ist die Uraufführung – für Nickel gleichermaßen eine Herausforderung und ein Geschenk.

Zur Regie sei er vor einigen Jahren eher zufällig gekommen, erzählt Nickel, wobei er schon immer zu den Schauspielern gehört habe, die sich für das große Ganze interessieren. Seine erste Regiearbeit habe er ganz spontan zugesagt. Emilia Galotti inszenierte er 2003 in Stuttgart, wobei das bürgerliche Trauerspiel von Gotthold Ephraim Lessing ihm insofern ein guter Partner gewesen sei, als dass schon die dramaturgische Struktur vieles vorgebe. Anders sei es bei „A long way down“, wo Prosa in eine neue Form habe gebracht werden müssen und ein Theaterstück entsteht.

Nickel sprach mit Intendant Dieter Wedel über eine mögliche Regiearbeit 

Schon mit Intendant Dieter Wedel habe er einst über eine mögliche Regiearbeit in Bad Hersfeld gesprochen, bevor die Gespräche mit Nachfolger Joern Hinkel schließlich konkreter wurden. „Ich arbeite gerne hier und habe einen Ort gefunden, der für mich wie Heimat ist, auch wenn das pathetisch klingt“, so Nickel.

„A long way down“ erzählt von vier Lebensmüden, die sich an Silvester auf dem Dach eines Londoner Hochhauses in die Quere kommen. Nicht in Quere komme sich indes das Stück mit Buch und Film, beruhigt der Regisseur möglicherweise skeptische Zuschauer. Denn das Stück lege einen anderen Fokus. „Wir versuchen, die verschiedenen Charaktere und die unterschiedlichen Haltungen differenzierter darzustellen und herauszuarbeiten“, erklärt Nickel.

Die Tragikomödie sei, wie am Eichhof üblich, durchaus humorvoll, aber sicher kein Schenkelklopferstück. Der Regisseur möchte die Verzweifelten mit Empathie betrachten und nicht etwa zynisch. Die vier Hauptpersonen nennt Nickel eine „merkwürdige Gemeinschaft“, ein Quartett, das auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpasst. 

Nickel hat klare Vorstellungen 

Und ähnlich verhalte es sich auch mit seinen Darstellern, nicht nur was deren Alter und Erfahrung betreffe. Karsten Speck, Helena Sigal, Natascha Hirthe, Mick Riesbeck und in drei kleineren Rollen Peter Englert sind für Nickel eine „aufregende Besetzung“ – von der er im Übrigen ebenfalls Beweglichkeit und aktive Mitarbeit erwarte. „Ich habe klare Vorstellungen, bin aber immer bereit etwas zu verändern.“

Den Eichhof kennt Nickel zumindest als Zuschauer gut. Anfangs sei er durchaus skeptisch gewesen, wie aus der wunderschönen, romantischen Fachwerkkulisse eine kalte Hochhausszenerie werden könne, aber „ich hoffe, dass wir die Zuschauer berühren können“, sagt Nickel mit Blick auf die Aufführungen. Als Regisseur entspannen könne er, „wenn ich merke, dass die Lust zu spielen größer ist als die Angst zu scheitern.“ Nach der Premiere ist Nickel zwar erst mal weg. Aber er kommt wieder – nicht, um zu kontrollieren, sondern um zu sehen, wie sich das Stück entwickelt hat.

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