1. Startseite
  2. Lokales
  3. Rotenburg / Bebra
  4. Bad Hersfeld

Zwischen den Zeilen: Cliffhanger ohne Happy-End

Erstellt:

Kommentare

In der Wochenend-Kolumne Zwischen den Zeilen befasst sich Kai A. Struthoff mit unnötigen Debatten und dem tragischen Tod von Dieter Wedel.

Kai A. Struthoff
HZ-Redaktionsleiter Kai A. Struthoff © HZ-Archiv


Wie sich die Zeiten ändern! Im Kreistag musste sich am Donnerstagabend Landrat Torsten Warnecke mangelnde Transparenz in Sachen Klinikum vorwerfen lassen. Genau demselben Vorwurf sah sich auch sein Vorgänger Dr. Michael Koch ausgesetzt – nur aus dem anderen politischen Lager.

Gewiss, eine knappe Seite Beschlussvorlage für ein Liquiditätsdarlehnen in Höhe von insgesamt 20 Millionen Euro können einem schon etwas dürftig erscheinen. Allerdings ist die Gemengelage an den Kreiskliniken so komplex, dass auch auf fünf oder zehn Seiten Papier Fragen offen geblieben werden. Und der Beschluss, dass alle Zahlen des Klinikums allen Parlamentariern zugänglich gemacht werden sollen – laut Landrat wäre das ein etwa ein Kilogramm schwerer Papierstapel pro Kopf – ist auch etwas weltfremd.

Denn nur absolute Fachleute können mit diesem „Zahlensalat“ etwas anfangen. Eben solche Fachleute sitzen deshalb in der Geschäftsführung des Klinikkonzerns und auch im Aufsichtsrat. Dieses Gremium ist aber aus gutem Grund zum Stillschweigen verpflichtet, zumal viele Informationen auch rein rechtlich nicht für die Öffentlichkeit bestimmt sind. Das Gesundheitswesen und unser Krankenhaussystem sind hochkomplexe Themen, die für Laien kaum zu verstehen sind. Das mag man bedauern, aber es hilft auch nicht, die immer gleichen Debatten, wenn auch unter anderen politischen Vorzeichen, zu führen. Fatal ist es, dadurch den Eindruck zu erwecken, als wäre unser Kreisklinikum besonders schlecht oder marode. Denn in Wahrheit kämpfen alle Kliniken mit denselben strukturellen Problemen – die leider nicht vom Kreistag in Hersfeld-Rotenburg zu lösen sind.

Die Bad Hersfelder Festspiele trauern um ihren Ex-Intendanten Dieter Wedel und können es doch nicht so richtig zeigen. Denn der Ruf des großen Theater- und Fernsehregisseurs, dessen künstlerische Verdienste unbestritten sind, ist nachhaltig ramponiert. Sein Tod ist umso tragischer, weil die Vorwürfe von sexuellen Übergriffen gegen ihn nun wohl nie mehr richtig aufgeklärt oder gar entkräftet werden. Im kleinen Kreis haben einige Festspieler dem verstorbenen Impresario gedacht. Ich selbst erinnere mich gern an viele interessante und humorvolle Begegnungen mit einem geistreichen, weltgewandten und scharfsinnigen Menschen. In vielen Gesprächen, gerade auch mit Schauspielerinnen, habe ich zwar von einem „harten Hund“ gehört, der so oft das Beste aus seinen Akteuren herausholte, aber nichts von Übergriffen. Doch in die Seele kann man niemand blicken, zumal Dieter Wedel seine blitzenden blauen Augen meist hinter dunklen Brillengläsern verbarg. So endet sein Leben mit einem Cliffhanger, wie man im Film eine Folge mit offenem Ausgang nennt – nur, dass es im Wedel-Drama keine Fortsetzung gibt.

Zum Beginn der politischen Sommerpause hat Landrat Torsten Warnecke im Kreistag launig dafür plädiert, die Ferien in Waldhessen zu verbringen, denn hier ist es schön, und klimaschonender ist Urlaub in der Heimat allemal. Obwohl ich für mein Leben gern verreise und gerade auch fremde, weit entfernte Länder liebe, muss ich dem Landrat zustimmen. Ich war gerade für ein verlängertes Wochenende mit Fahrrad und Zelt entlang unserer Flüsse unterwegs und finde, dass eine Nacht in der Natur unter dem Sternenhimmel auch nur 50 Kilometer von daheim idyllisch und erholsam sein kann. Ich wünsche Ihnen schöne Ferien – egal, ob nah oder fern! (Kai A. Struthoff )

Auch interessant

Kommentare