„Das sind keine angenehmen Einsätze“

Corona belastet Polizeiarbeit: Drohungen gegen Beamten „oft unter der Gürtellinie“

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Der Ton wird rauer: Die häufigen Einsätze im Umfeld von Corona-Protesten belasten die Beamten des Polizeipräsidiums Osthessen. (Symbolbild)

Die Corona-Pandemie hat zu einer leichten Zunahme der Kriminalität, vor allem aber zu einer Veränderung der Straftaten geführt. Das berichtet Polizeipräsident Günther Voß.

Hersfeld-Rotenburg – So stieg die Zahl der registrierten Delikte in Osthessen um etwa 600 auf 18.671. Davon entfielen rund 5000 auf den Kreis Hersfeld-Rotenburg, erklärt Polizeipräsident Günther Voß in einem Interview mit unserer Zeitung. Dabei haben Eigentumsdelikte abgenommen und Betrugstaten, vor allem in Verbindung mit dem Internet, zugenommen. Voß räumt allerdings ein, dass die Polizeistatistik „nicht ganz die Wirklichkeit widerspiegelt“ und geht von einer großen Dunkelziffer aus.

Als belastend empfinden die Polizeibeamten die häufigen Einsätze im Umfeld von Protesten gegen die Corona-Maßnahmen, wobei die Beamten nicht nur im Bereich Osthessen, sondern landesweit eingesetzt werden. Während der ersten Welle waren die Polizisten in Osthessen rund 140 Mal im Einsatz.

Corona-Proteste: Der Ton wird rauer

„Das ist viel und das sind keine angenehmen Einsätze“, so Voß, zumal der Ton rauer werde und Polizisten immer häufiger Ziel von Pöbeleien seien. „Die Bedrohungen nehmen zu – und das geht oft unter die Gürtellinie, übrigens nicht nur bei Polizisten, sondern auch bei Politikern und Journalisten“, sagt Voß. Trotz der zunehmenden Aggressivität von Gegnern der Corona-Politik der Bundesregierung spricht sich der Polizeipräsident für eine allgemeine Impfpflicht aus. Die Impfquote im Polizeipräsidium liege bei über 90 Prozent. Dennoch sieht Voß bei einer Impfplicht auch das Risiko der Abspaltung eines kleinen Teils der Gesellschaft.

Den Extremismus von links oder rechts wertet Günther Voß, wie auch islamistische Gefährdungen, nicht als vordringliches Problem in Osthessen – die Region sei vergleichsweise ruhig. Dennoch gehe die Polizei allen Verdachtsmomenten nach. Dabei lägen die Schwerpunkte im rechtsextremistischen Bereich und in der sogenannten Reichsbürger-Szene, die im Landkreis Hersfeld-Rotenburg eine Personenzahl „im unteren zweistelligen Bereich“ umfasse. (Kai A. Struthoff)

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