Coronavirus im Landkreis Hersfeld-Rotenburg

Stadtmarketingverein Bad Hersfeld sorgt sich um die Folgen der Corona-Krise - Bitte um Solidarität

+
Ein Herz für Bad Hersfeld: Auch HEFi, das Maskottchen des Stadtmarketingvereins, bittet um Solidarität. An einer begleitenden Werbekampagne wird derzeit mit Hochdruck gearbeitet.

Um die Auswirkungen der Corona-Krise im Landkreis Hersfeld-Rotenburg sorgt sich auch der Stadtmarketingverein Bad Hersfeld. Auch Maskottchen HEFi bittet um Solidarität.

Hersfeld-Rotenburg - Der Stadtmarketingverein in Bad Hersfeld hat dazu aufgerufen, jetzt solidarisch mit dem örtlichen Einzelhandel zu sein und Einkäufe zu verschieben, bis die Läden wieder öffnen. An einer begleitenden Werbekampagne wird gerade mit Hochdruck gearbeitet. Mit den Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins, Achim Kniese, und Matthias Laufer-Klitsch sprach Kai A. Struthoff.

Herr Kniese, was bezwecken Sie mit der Aktion „Mein Herz schlägt HEF“?

Achim Kniese: Handel und Gastronomie sind nach der Corona-Krise, die uns alle hart trifft, umso mehr auf Unterstützung angewiesen. Deshalb unsere herzliche Bitte an die Kunden: Bleiben Sie Ihrem stationären Handel, Ihrem Gastronom oder den vielfältigen Dienstleistern treu und vermeiden Sie Käufe im anonymen Netz. Es ist natürlich nur ein Appell an die Vernunft. Wenn Sie dieses Stadtbild erhalten wollen, eine bunte und attraktive Vielfalt vor Ort bestehen bleiben soll, dann ist das nur durch den Handel und Wandel vor Ort zu erreichen.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: „Alle haben Angst“

Wie ist die Stimmung bei den im Stadtmarketingverein organisierten Betrieben?

Matthias Laufer-Klitsch: Die Stimmung ist nicht gut. Alle haben Angst, wie lange der ‘Shut-Down’ noch dauert. Gerade die Modegeschäfte hätten jetzt mit der Frühjahrskollektion ihre beste Umsatzzeit. Die Lager sind voll, aber alle sorgen sich berechtigterweise, auf den Waren sitzen zu bleiben. Und die zweite Sorge ist, dass selbst treue, bisher nicht Internet-affine Kunden, jetzt zu anonymen Online-Anbietern abwandern.

Aber wenn die Kunden den Wunsch haben, auch nach Corona eine halbwegs intakte Innenstadt vorzufinden, dann sollten sie unter dem Motto „Mein Herz schlägt HEF“ so gut es geht vor Ort einkaufen. Deshalb bietet ja in diesen Wochen nicht nur die Gastronomie verstärkt einen telefonischen Abholservice an, sondern auch viele Einzelhändler sind per Telefon und E-Mail weiterhin erreichbar und können auf Wunsch auch Waren verschicken.

Wie geht es Ihnen ganz persönlich in der Krise, haben Sie überhaupt Gäste, Herr Kniese?

Kniese: Wir haben praktisch keine Umsätze mehr, bis auf den Hotelbereich im „Stern“ sind alle unsere Betriebe geschlossen. Wir haben einige Geschäftsreisende zu Gast, aber alle touristischen Reisen sind nicht genehmigt.

Bis auf die Rezeptionen, die 24 Stunden besetzt sind, mussten wir die Mitarbeiter in Kurzarbeit schicken, das vorzustellen, war für meine Frau und mich nicht leicht. Wir werden das überleben, ich weiß nur nicht, in welchem Zustand. Die Frage ist, wie lange dieser Zustand anhält.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Festspielsommer noch im Unklaren

In der Krise setzen viele Menschen doch auf Werte, wie Schmuck und Gold. Spüren Sie das auch im Moment, Herr Laufer-Klitsch?

Laufer-Klitsch: Für die letzten Monate stimmt das sicherlich, aber im Moment verspüren wir das gar nicht. Unser Geschäft ist ja auch geschlossen. Ich versuche, die Erreichbarkeit per Telefon und E-Mail aufrechtzuerhalten, selbstverständlich können wir Schmuckstücke oder fertige Reparaturen auch zusenden, aber von dieser Möglichkeit wird bisher nur sehr vereinzelt Gebrauch gemacht.

Ich denke, dass viele Menschen in der Krise verständlicherweise ihr Geld jetzt auch erst mal zusammenhalten und abwarten. Aber mit ganz großer Sorge sehen wir alle auf die Zeit ab Mai/Juni. Wenn dann auch die Festspiele wegbrechen würden ...

... und davon ist ja wohl auszugehen, oder nicht?

Kniese: Nein, das sehe ich nicht so. Im Moment wird sehr stark auf andere Festspielorte geguckt, in denen noch nicht abgesagt wurde: Fulda, Bad Vilbel, auch Bregenz. Und man erwartet Mitte April auch eine Empfehlung der Bundesregierung, wie der Festspielsommer aussehen sollte. So ganz pessimistisch bin ich daher noch nicht. Wir sind vielmehr froh, dass noch keine vorschnellen Entscheidungen getroffen werden.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: „Alles ist besser als eine Absage“

Wäre es nicht besser, jetzt die Notbremse zu ziehen?

Kniese: Das ist eine Frage der Abwägung. Die Stadt hat vermutlich eine Ausfallversicherung. Trotzdem bleiben nach einer Absage immer Kosten. Und es muss auch die Umwegrentabilität berücksichtigt werden – also die Einnahmen, die Handel, Hotellerie und Gastronomie durch eine Absage verloren gingen, was dann wiederum auch Auswirkungen auf die Gewerbesteuereinnahmen der Stadt hätte.

Laufer-Klitsch: Genau, all das muss berücksichtigt werden. Aus meiner Sicht wäre aber auch eine Verschiebung bis in den September hinein oder eine Verkürzung der Festspiele denkbar. Alles ist besser als eine Absage.

Was würden Sie sonst tun?

Kniese: Ich plane im Geiste schon diverse Szenarios. Im Sommer werde ich vermutlich ein bis zwei Häuser zumachen. Das Feinschmeckerrestaurant könnte ich auf die Terrasse verlegen, oder wir könnten einen Hersfelder Kultursommer ausrufen ...

Das sind innovative Ideen. Wie könnte Ihnen die Stadtpolitik in der aktuellen Situation helfen?

Kniese: Es geht vor allem darum, die Liquidität zu erhalten, damit die Betriebe durch die Krise kommen. Eine Stundung der Gewerbesteuer wäre da sicher eine angemessene Maßnahme. Aber Markus Heide vom Fachbereich Stadtmarketing im Rathaus hat auch bereits angefragt, wie man uns von dort aus unterstützen kann – etwa bei unserer Einkaufskampagne. Wichtig ist im Moment aber vor allem unser Appell an alle: Wenn Ihr diese schöne Stadt erhalten wollt, dann kauft nicht noch mehr im Internet! Daher die Kampagne „Mein Herz schlägt HEF“.

Corona in Hersfeld-Rotenburg: Das sind die Vorsitzenden des Stadtmarketingvereins

Achim Kniese stammt gebürtig aus Kiel, ist in Hamburg aufgewachsen und kam vor 20 Jahren nach Bad Hersfeld. Der 60-jährige Hotelier betreibt mit seiner Frau mehrere Hotels in Bad Hersfeld. Kniese ist gelernter Kellner und Koch. Er engagiert sich im Tourismusausschuss Grimmheimat und im Arbeitskreis Tourismus der IHK.

Matthias Laufer-Klitsch wurde 1970 in Bad Hersfeld geboren. Nach dem Abitur folgte die Ausbildung zum Goldschmied, danach ein Studium zum Betriebswirt an der Berufsakademie. Seit 2000 führt Laufer-Klitsch den Familienbetrieb am Linggplatz. Er ist ledig und hat keine Kinder.

Von Kai A. Struthoff

Die neuesten Entwicklungen zu Corona in Hersfeld-Rotenburg gibt es im News-Ticker.*

*hersfelder-zeitung.de ist Teil des bundesweiten Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks.

Quelle: Hersfelder Zeitung

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.