Gestiegene Nachfrage bei Therapeuten und Selbsthilfegruppen

Corona macht die Seele krank: Mehr Menschen im Kreis brauchen psychologische Hilfe

Die Pandemie macht vielen Menschen zu schaffen. (Symbolbild)
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Die Pandemie macht vielen Menschen zu schaffen. (Symbolbild)

Die Corona-Pandemie setzt den Menschen nicht nur körperlich zu, sie macht ihnen auch psychisch zu schaffen.

Hersfeld-Rotenburg –Übereinstimmend berichten Therapeuten und die Leiter von Selbsthilfegruppen von einer stark gestiegenen Nachfrage und von längeren Wartezeiten auf einen Therapieplatz.

„Es kommen jetzt verstärkt diejenigen, die ohnehin an ihrem Alleinsein gelitten haben“, hat Ingrid Moeslein-Teising, Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie aus Bad Hersfeld, festgestellt. Diese Einsamkeit sei durch den Lockdown und die coronabedingte Isolation verstärkt worden und habe bei einigen zu Depressionen geführt.

Auch Angststörungen träten vermehrt auf, sagt Jens Peters, Gruppenverantwortlicher der Selbsthilfegruppe Horizont aus Bad Hersfeld. Die Menschen hätten Angst vor Ansteckung, vor schweren Verläufen und vor Long Covid. Und wer eine Covid-Erkrankung überstanden habe, sei oft traumatisiert von der Todesangst, die er (oder sie) erlebt habe oder habe mit Folgen wie Erschöpfung zu kämpfen, erklärt Moeslein-Teising.

Dementsprechend groß ist die Nachfrage nach Hilfe, nach Beratung, Gesprächen, Therapie und stationärer Behandlung. Christian Lübeck aus Bebra betreut inzwischen vier Selbsthilfegruppen und berichtet von wachsender Nachfrage. Für einige sei die Gruppe eine Überbrückung, bis sie einen Therapieplatz bei einem niedergelassenen Therapeuten erhielten – viele blieben aber auch relativ lange dabei. Diese Erfahrung bestätigt auch Jens Peter. Beide Gruppenleiter freuen sich, wenn Menschen sich nach einiger Zeit soweit besser fühlen, dass sie alleine zurechtkommen. Beide berichten aber auch von monatelangen Wartezeiten auf Therapieplätze: sechs, sieben Monate, teilweise über ein Jahr.

Die Versorgung mit niedergelassenen Psychotherapeuten im Kreis habe sich zwar ein wenig verbessert, sei aber immer noch lange nicht ausreichend, stellt Ingrid Moeslein-Teising fest. Weitere Kassensitze seien notwendig. Besonders schwerwiegend sei aber der Mangel an Psychiatern im Kreis.

So kommt man zu einem Termin

Alle Psychotherapeuten sind verpflichtet, Termine für sogenannte Sprechstunden anzubieten und auch freie Termine an die Terminservicestelle der Kassenärztlichen Vereinigung (Tel. 116117) zu melden. Die weist dann Therapiesuchenden Termine für erste Beratungsgespräche zu, die aber mitunter mit längeren Anfahrten verbunden sind. Ein solches Beratungsgespräch ist keine Therapie, dient aber dazu, den Bedarf zu klären. Und manchmal hilft es den Betroffenen auch. (Christine Zacharias)

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