Entscheidung am Amtsgericht

Corona-Party hat Nachspiel: Richter verpasst 19-Jährigem „Denkzettel“

Einspruch zurückgezogen: Ein 19-Jähriger Azubi aus dem Wartburgkreis muss wegen einer Corona-Party in Bebra (Kreis Hersfeld-Rotenburg) doch Bußgeld zahlen.
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Einspruch zurückgezogen: Ein 19-Jähriger Azubi aus dem Wartburgkreis muss wegen einer Corona-Party in Bebra (Kreis Hersfeld-Rotenburg) doch Bußgeld zahlen.

Eine illegale Corona-Party ist im Kreis Hersfeld-Rotenburg aufgeflogen. Alle Feiernden akzeptieren und bezahlen die Bußgeldstrafe - außer ein 19-Jähriger.

Bad Hersfeld/Bebra – Erst wurde in Bebra gefeiert, nun folgte die Rechnung vor Gericht: Ein 19-jähriger aus Werra-Suhl-Tal im Wartburgkreis (Thüringen) muss nach einer Corona-Party ein Bußgeld zahlen. Die Entscheidung fiel am Donnerstag am Amtsgericht Bad Hersfeld: Während alle anderen Gäste ihre Strafen sofort akzeptierten und bezahlten, hatte der Azubi zunächst Einspruch eingelegt – knickte vor dem Richter aber ein.

Verbotenerweise in großer Runde gefeiert worden war am 29. März 2020, also kurz nach Ausbruch der Pandemie auch im Landkreis Hersfeld-Rotenburg, in der Wohnung einer Bekannten des Angeklagten. Gegen 3 Uhr nachts hatte ein Nachbar die Polizei alarmiert. Dem 19-Jährigen wurde, wie den anderen Feiernden, vorgeworfen, gegen die Verordnung zur Bekämpfung des Virus verstoßen, das Ansammlungsverbot missachtet und seine persönlichen Kontakte nicht auf das Nötigste reduziert zu haben.

Illegale Corona-Party im Kreis Hersfeld-Rotenburg: 19-Jähriger legt Einspruch ein

Weil der 19-Jährige gegen den Bußgeldbescheid zunächst Einspruch eingelegt hatte, ging der Fall vor Gericht. Der Angeklagte gab über seinen Verteidiger an, dass er gemeinsam mit seiner Freundin lediglich eine Shisha-Pfeife bei einer anderen Freundin abholen wollte und am Gartenzaun noch eine Zigarette geraucht habe.

Wann landen Bußgeldsachen beim Gericht?

Ein Bußgeld wird nach Ordnungswidrigkeiten von Behörden verhängt. Legt der Betroffene dagegen Einspruch ein, prüft die Bußgeldstelle zunächst, ob der Bescheid aufrechterhalten werden kann. Wenn das der Fall ist, gibt sie die Akte an das örtlich zuständige Amtsgericht ab, wo der für Bußgeldsachen zuständige Richter eine Hauptverhandlung ansetzt. Bei dieser werden dann unter anderem auch Zeugen gehört.

Nach der Aussage eines Polizisten der Polizeistation Rotenburg und dem Hinweis von Richter Andreas Trost, dass möglicherweise auch die vorsätzliche Beteiligung an einer Corona-Party und eine Erhöhung des Bußgelds in Betracht komme, zog der 19-Jährige den Einspruch zurück. Weil das auch die Staatsanwaltschaft akzeptierte, wurde das Bußgeld in Höhe von 200 Euro rechtskräftig.

Kreis Hersfeld-Rotenburg: Verhandlungen wegen Corona-Verstößen eher Einzelfälle

Laut des Polizisten, der damals vor Ort war, hatten er und seine Kollegin sechs Leute „in Aufbruchstimmung“ vor dem Haus und vier in der Wohnung angetroffen. Im Wohnzimmer hätten Stühle, Gläser und Flaschen auf eine Party hingedeutet. Die Veranstalterin habe die Feier direkt zugegeben und berichtet, dass auch die draußen Angetroffenen zuvor in der Wohnung gewesen seien.

Der Richter sprach mit Blick auf den Thüringer und die Zusammenkunft zu Beginn der Pandemie von einem „kleinen Denkzettel“, ihm sei aber bewusst, dass gerade die Jugend unter der Situation leide. Der Fall des 19-Jährigen war nicht die erste Verhandlung eines Corona-Verstoßes am Amtsgericht. Laut Trost handelt es sich jedoch eher um Einzelfälle. Vor Ort waren auch zwei Vertreter des Landkreises. (Nadine Maaz)

In Kassel musste eine illegale Corona-Party in der Nähe der Universität von der Polizei aufgelöst werden. Im vergangenen Jahr haben sich sogar mehr als 300 Menschen trotz Corona zum Feiern in einem Waldstück bei Kassel verabredet.

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