Schutz für Helfer und Kunden

Hilfe bei Wind und Wetter: Ausgabe der Tafel in Bad Hersfeld weiterhin nur draußen

Bereiten die Ausgabe vor: Bodo Kopecz, Birgit Eckhardt und Angelika Richter (von links). Seit Beginn der Pandemie werden die bereits vorsortierten Lebensmittel nur noch im Freien ausgegeben.
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Bereiten die Ausgabe vor: Bodo Kopecz, Birgit Eckhardt und Angelika Richter (von links). Seit Beginn der Pandemie werden die bereits vorsortierten Lebensmittel nur noch im Freien ausgegeben.

Seit über anderthalb Jahren findet die Lebensmittelausgabe der Tafel bei Wind und Wetter ausschließlich unter freiem Himmel statt – zum Schutz der ehrenamtlichen Helfer ebenso wie der Kunden.

Bad Hersfeld – Bis die ersten Kunden kommen, dauert es zwar noch, doch vor der Tafel am Bahnhof in Bad Hersfeld herrscht längt geschäftiges Treiben. Da werden Obst und Gemüse sortiert, Brote und Gebäckstücke ausgeladen und Tische aufgebaut. „Draußen sind wir zumindest fast auf der sicheren Seite“, sagt Leiterin Silvia Hemel. Maske, Desinfektion, Spritzschutz und vieles mehr sind inzwischen selbstverständlich. „Unser Hygienekonzept ist mit dem Gesundheitsamt abgestimmt“, betont Hemel.

Mit der coronabedingten Verlegung nach draußen hat sich für die Kunden indes auch das Angebot verändert: Glich die Ausgabe vorher fast einem Einkauf im Supermarkt, soll es nun möglichst zügig und kontaktlos gehen. Die Helfer bereiten fertige Kisten mit einer Auswahl an Produkten für Familien und Alleinstehende vor, deren Inhalt dann in die selbst mitgebrachte Einkaufstasche „umgeladen“ wird.

Auf individuelle Wünsche einzugehen sei so leider nicht mehr möglich und auch das gemütliche Schwätzchen muss entfallen. „Die meisten Kunden sind trotzdem dankbar und verständnisvoll“, sagt Edeltraud Iwan. Nur in Einzelfällen sorge die neue Regelung mal für Unmut.

Festmahl zum Abholen

Zwischen den Jahren, also zwischen Weihnachten und Neujahr, macht die Tafel zu. Die Pause wird laut Silvia Hemel genutzt, um die Fahrzeuge zu reinigen, das Lager aufzuräumen und ähnliche Arbeiten zu erledigen. Am 24. Dezember, Heiligabend, wird jedoch ein Tafel-Auto vor der Bahnhofsmission stehen, an dem sich Bedürftige dann Lebensmittel für Weihnachten abholen können. Coronabedingt ausfallen muss auch das traditionelle Weihnachtsessen für Wohnungslose und andere Bedürftige in geselliger Runde in der Bahnhofsmission. Gastronom Karsten Hess werde aber trotzdem ein festliches Menü vorbereiten, das abgeholt werden kann. 

Montags und donnerstags von 11.30 bis 12.30 Uhr findet die Freiluft-Ausgabe neben den Bahngleisen statt. Gegen Regen und Wind schützen bei Bedarf Pavillons und Bauzäune. Etwa 70 Haushalte versorge die Tafel pro Ausgabetag. Wenn man die Notfallausgabe freitags in der Bahnhofsmission und die alle vier Wochen stattfindende Ausgabe speziell für Flüchtlingsfamilien dazu rechne, komme man auf über 300 Haushalte, so Hemel. Die Warteliste ist in der Regel voll. Die Tafeln, die im Kreis von der Diakonie getragen werden, sammeln qualitativ noch einwandfreie Lebensmittel aus Geschäften in der Umgebung ein, um sie an sozial und wirtschaftlich Benachteiligte zu verteilen.

Ganz aussetzen mussten die Bad Hersfelder Helfer ihr Angebot nur kurzzeitig nach Beginn der Pandemie (wir berichteten). Ein alternativer Lieferdienst wurde schon bald wieder eingestellt, weil er sich nicht bewährt habe. Vielen Kunden sei es unangenehm gewesen, wenn die als solche erkennbaren Helfer der Tafel plötzlich im Mehrfamilienhaus auftauchten.

Etwa ein Drittel der Helfer sei in den vergangenen Monaten vor allem aus Altersgründen weggefallen, sagt Hemel. Gleichzeitig sei die Einarbeitung neuer Freiwilliger momentan kaum möglich. Sie hofft, dass sich die Situation nächstes Jahr wieder entspannt. Sorgen bereitet der Tafel im Übrigen nicht nur die Pandemie: Auch die steigenden Sprit- und Energiekosten bekomme man aktuell zu spüren. (Nadine Meier-Maaz)

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