Corona-Lockerungen

Reisebüros in Hersfeld-Rotenburg: Urlaub wird wieder gebucht

Urlaub in Deutschland, so wie hier in Sankt Peter-Ording, ist derzeit gefragt.
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Urlaub in Deutschland, so wie hier in Sankt Peter-Ording, ist derzeit gefragt.

Zu den am meisten von der Corona-Krise gebeutelten Branchen zählt die Reisebranche.

Viele Reisebürobetreiber haben in den vergangenen Wochen um ihre Existenz gebangt und noch immer sind die meisten Beschäftigten in Kurzarbeit. Jetzt scheint sich die Lage zumindest ein wenig zu entspannen, wie mehrere Vertreter berichten.

Zuletzt waren vor allem Stornierungen, Rück- und Umbuchungen zu bearbeiten – was den Reisebüros zwar viel Arbeit, aber keine Einnahmen beschert hat. Nun läuft parallel dazu auch das Buchungsgeschäft langsam wieder an.

„Die Verunsicherung ist noch groß, aber es tut sich was“, sagt etwa Hans-Jürgen Mannel, Geschäftsführer des Bad Hersfelder Reisebüros am Rathaus. „Seit einer Woche verzeichnen wir wieder Neubuchungen.“ Und auch Astrid Zilch, Inhaberin des Reisebüros Zilch in Rotenburg, bestätigt: „Es zieht langsam wieder an. Die Leute wollen verreisen.“ Allerdings sei eben vieles derzeit noch ungewiss.

Ähnlich äußert sich Dennis Krug, Geschäftsführer der Reisewelt Teiser & Hüter mit Sitz in Neuhof. „Neben Beratungen und Stornierungen sind glücklicherweise auch wieder Buchungen zu bearbeiten, aber natürlich längst nicht in dem Umfang, den wir uns wünschen. Neben vereinzelten Reservierungen für das nächste Jahr machen das Gros der Buchungen aktuell tatsächlich Reisen für den Sommer und Herbst 2020 aus.“

Vom Mundschutz im Flieger bis zum Buffet im Hotel: Vieles ist noch unklar

Vorsichtig optimistisch zeigt sich Oliver Schmidt als Geschäftsführer der Rotenburger Reisewelt. Auch er verzeichnet zwar einige Neubuchungen, doch die Situation sei nach wie vor „sehr, sehr schwierig“. Vieles sei nach wie vor unklar, vom Mundschutz im Flugzeug bis zum Buffet im Hotel. Zudem sei es weiterhin schwierig, die Veranstalter zu erreichen.

Zu dem „Umschwung“ dürften die jüngsten Nachrichten beziehungsweise die Ankündigungen verschiedener europäischer Länder geführt haben, die Grenzen für Touristen demnächst wieder öffnen zu wollen. Spanien beispielsweise will ab Juli wieder ausländische Reisende empfangen, die Türkei und Österreich wollen schon ab Mitte Juni Touristen einlassen. Auch Kroatien und Griechenland werben bereits um Touristen.

Neben Reisen ins europäische Ausland ist laut der meisten Reisebüros vermehrt Urlaub innerhalb Deutschlands gefragt, etwa an Nord- und Ostsee.

Derzeit eher Nordsee als Nordamerika

Reisen in die weite Ferne, wie in die USA, nach Südamerika oder Asien, sind auf absehbare Zeit wohl kaum möglich. Doch Urlaub bei den europäischen Nachbarn scheint schon bald wieder erlaubt zu sein, und auch innerhalb Deutschlands bieten sich verschiedene Möglichkeiten.

Eine steigende Nachfrage nach Urlaub an der Nord- und Ostsee sowie in den Alpen verzeichnen denn auch die meisten Reisebüro-Leiter. „Sogar das Erzgebirge und der bayerische Wald sind jetzt gefragt“, sagt Astrid Zilch vom gleichnamigen Reisebüro in Rotenburg. Die Preise an Nord- und Ostsee seien bereits gestiegen und wer seinen Urlaub nun dort verbringen wolle, müsse nicht nur zeitlich flexibel sein. Ähnliches berichten Kollegen.

Bergpanorama: Auch für die Schweiz soll Deutschlands Reisewarnung absehbar fallen. Wandern auf mehr oder weniger einsamen Pfaden ist für manchen nun sicher noch reizvoller, als mit vielen anderen Menschen am Strand zu liegen.

Viele Hotels in den deutschen Urlaubsregionen hätten allerdings auch aufgrund einer corona-bedingten begrenzten Bettenzahl gar keine Verfügbarkeiten mehr, teilt Dennis Krug, Geschäftsführer der Reisewelt Teiser & Hüter, mit. Eine verstärkte Nachfrage nach Urlaub im eigenen Land stellt er bei seinen Kunden bisher ohnehin nicht fest. „Größeres Interesse haben sie eher an der Mittelstrecke, sowohl im Sommer als auch im Herbst, und an unseren Busreisen im Herbst.“

Noch 100-prozentiger Stillstand bei den Busreisebetrieben 

Wobei das Thema Gruppenreisen aktuell nur stiefmütterlich behandelt werde. „Bis heute gibt es leider keine sinnvollen Ansätze, wie ein touristischer Omnibusverkehr oder auch Flusskreuzfahrten wirtschaftlich darstellbar sein könnten“, so Krug. „Wir warten dringlich auf realistische Vorgaben, um eigene Konzepte zu vervollständigen und entsprechende Informationen weitergeben zu können.“ 

Busreisen für Gruppen und Vereine bietet seit knapp 60 Jahren auch der Omnibusbetrieb Arndt in Breitenbach/H. an, bei dem nun „100 Prozent Stillstand“ herrscht, wie Carsten Arndt berichtet. April, Mai und Juni seien eigentlich die Hauptsaison. In Hessen dürften die Reisebusse mit beschränkter Personenzahl im Gegensatz zu anderen Bundesländern zwar fahren, so Arndt. Allerdings herrsche zu große Unsicherheit und niemand könne derzeit mit gutem Gefühl gemeinsam im Bus sitzen, wofür Arndt durchaus Verständnis hat. 

Verständnisvoll hätten in den vergangenen Wochen übrigens auch die meisten Kunden reagiert, sagen die befragten Reisebürobetreiber. Von „sehr viel Verständnis“ spricht Oliver Schmidt von der Rotenburger Reisewelt, dabei sitze man oft zwischen den Stühlen. „Wir versuchen zu helfen, wo es geht und wir werden gebraucht“, meint Hans-Jürgen Mannel vom Bad Hersfelder Reisebüro am Rathaus. 

Er hofft in diesem Sinne auch auf einen positiven Effekt der Krise: Wenn die Menschen in den Reisebüros gut betreut und beraten werden, könne das künftig die nur vermeintlich günstigeren Buchungen im Internet reduzieren. 

In einem sind sich ebenfalls alle einig: Sie unterstützen die Forderung der Branche nach finanzieller Unterstützung. „Die Touristik ist völlig unverschuldet mit dieser Situation konfrontiert worden. Wenn großen Konzernen wie TUI und Lufthansa massive Hilfe zukommen kann, gilt dies umso mehr für den engagierten Mittelstand“, so Krug.

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