Nicht jeder darf mehr rein

Weniger Besuch: Coronavirus trifft auch das Tierheim in Bad Hersfeld

Treffpunkt Tierheimtor: Tierpfleger Toni Zabel übergibt Hund „Maus“ zum Spaziergang.
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Treffpunkt Tierheimtor: Tierpfleger Toni Zabel übergibt Hund „Maus“ zum Spaziergang.

Auch im Bad Hersfelder Tierheim macht sich die Corona-Krise bemerkbar. Sie hat allerdings auch positive Auswirkungen.

Bad Hersfeld – Die Klingel am Tor des Bad Hersfelder Tierheims schrillt und lautes Gebell begleitet Tierpfleger Toni Zabel, als er mit Hund „Maus“ zum Tor eilt.

Auf der anderen Seite wartet schon eine Spaziergängerin, die den Bernhardiner abholt. Das Tierheim betreten dürfen Besucher seit der Pandemie nur noch in Einzelfällen. „Nur wer ernsthaftes Interesse an einem Tier hat, darf mit einer Begleitperson und einem Termin ins Tierheim,“ erklärt Volker Nuhn vom Vorstand des Tierschutzvereins.

Damit jeder Vierbeiner trotz weniger Besucherbetrieb noch genug Auslauf bekommt, haben die Tierheimmitarbeiter die Gassizeiten auf mindestens 45 Minuten festgelegt. Dass wegen der Corona-Krise und der Terminvergabe weniger Menschen gleichzeitig ins Tierheim kommen, wirke sich aber auch positiv auf die Tiere aus, stellen die Experten fest. „Die sind jetzt viel ruhiger“, sagt Tierheimleiter Andreas Rümmler.

Und nicht nur zu den Besuchszeiten ist es stiller im Tierheim geworden – auch nach Torschluss ist es in der Katzenwelt ruhiger. „Vor Kurzem hatten wir noch viele Katzenwelpen, die sind jetzt alle vermittelt“, erzählt der Tierheimleiter.

Doch kaum waren die Katzenwelpen ausgezogen, nahm das Tierheim neue Bewohner auf. Ende August bekam Andreas Rümmler einen Notruf. Auf dem Wehneberg in Bad Hersfeld wurden Kaninchen gesichtet. „Zehn Tiere waren da, die eingefangen werden mussten“, erinnert sich der Tierheimleiter. Doch Rümmler hatte Glück, denn die Schlappohren waren handzahm und leicht einzufangen.

Und lange blieben die Nager nicht im Tierheim. „Jetzt sind nur noch zwei da, die anderen haben schon ein Zuhause gefunden“, freut sich Rümmler. Und solange die verbliebenen Kaninchen auf ein neues Zuhause warten, leisten die Freigängerkatzen des Tierheims den Schlappohren Gesellschaft.

Bei einem anderen Rettungseinsatz des Tierheims waren die Findelkinder nicht ganz so freiwillig einzuladen. „Im Wald in Niederaula habe ich vier Hühner gefangen“, erzählt Rümmler und zeigt auf eine Voliere.

Lauschiges Plätzchen: Kater Sandro hat es sich auf einer wärmenden Decke gemütlich gemacht.

Im ersten Stock über dem Vogelgehege weist Andreas Rümmler auf ein Schild. „Hier ist unser Schulungsraum, da sprechen wir eigentlich mit Schulkassen über den Tierschutz“, sagt der Tierheimleiter. Seit der Corona-Krise Anfang des Jahres durften jedoch keine Schulklassen mehr in das Tierheim kommen.

Die Tische und Stühle bleiben in der Corona-Krise leer, dafür haben es sich drei Königspythons in einer Terrariumsecke bequem gemacht. Weil ihr Besitzer sich nicht mehr um sie kümmern konnte, kamen die Reptilien ins Tierheim. Das teilen sie sich zurzeit mit Ratten, Mäusen, Katzen, Hunden, Kaninchen, und Hühnern. „Um das zu finanzieren, brauchen wir jährlich 180 000 bis 200 000 Euro“, sagt Volker Nuhn.

Im Moment habe der Verein allerdings rund 40 Prozent weniger Umsatz aus der eigenen Hunde- und Katzenpension zu verbuchen. „Und dann mussten wir aufgrund von EU-Richtlinien auch noch eine Quarantänestation für 10  000 Euro bauen“, erklärt Vorstandsmitglied Nuhn. Das habe jedoch nichts mit der Corona-Krise zu tun.

Wirtschaftlich gehe es dem Tierheim trotzdem noch verhältnismäßig gut, so Nuhn. „Hätten wir aber vorher nicht gespart, hätten wir unsere Pfleger jetzt in Kurzarbeit schicken müssen“, erklärt das Vorstandsmitglied. Das sei jedoch für das Wohl der Tiere nicht förderlich, hatte der Vorstand entschieden.

Damit das Tierheim auch weiterhin geöffnet bleiben kann, seien die Tierhelfer gerade in der Coronazeit auf Spenden angewiesen. „Weil Desinfektionsmittel und Masken jetzt so teuer sind wie nie, ist das für uns schwer zu stemmen“, weiß Volker Nuhn.

„Im Tierheim besteht immer Bedarf nach allem“, ergänzt Andreas Rümmler, als es wieder an der Tür klingelt. „Ich habe Hundefutterdosen abzugeben“, ruft eine Frau mit Kind über den Zaun, und schon müssen die Tierretter wieder los, um kistenweise Spenden für ihre Schützlinge einzulagern. (Kim Hornickel)

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