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Buchcafé in Bad Hersfeld bangt um Zukunft - Vorstandswahl gescheitert

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Die Vorstandsmitglieder des Buchcafés  Eckart Büxel (links) und Dr. Johannes Brönnecke-Born (rechts) mit Geschäftsführerin Mercedes Thiel.
Sind in Sorge um die Zukunft des Buchcafés: die Vorstandsmitglieder Eckart Büxel (links) und Dr. Johannes Brönnecke-Born (rechts) mit Geschäftsführerin Mercedes Thiel. © Struthoff, Kai A.

Das sozio-kulturelle Zentrum „Buchcafé“ Am Brink in Bad Hersfeld blickt in eine ungewisse Zukunft. Es gibt nicht genügend Freiwillige, die mitarbeiten wollen.

Bad Hersfeld – Bei der jüngsten Mitgliederversammlung des „Vereins für Kultur und Kommunikation e.V.“ fanden sich nicht genügend Kandidaten, um den sechsköpfigen Vorstand plus Kassenwart neu zu bilden. Einige der langjährigen Vorstandsmitglieder hatten sich aufgrund der hohen Arbeitsbelastung zurückgezogen.

Nun soll eine Satzungsänderung die Verkleinerung des Gremiums ermöglichen. Sonst droht eine Abwicklung des Vereins und ein Ende des Buchcafés.

Noch bleibt aber der alte Vorstand im Amt. Auch sämtliche Veranstaltungen für dieses Jahr sind gesichert. „Wir sind richtig gut ausgebucht und erfüllen alle Vertragsverpflichtungen“, betont die hauptamtliche Geschäftsführerin Mercedes Thiel. Sie allein kann aber die Funktionsfähigkeit des soziokulturellen Zentrums nicht allein sicherstellen.

Dies hänge an der Bereitschaft von Menschen, einen Teil ihrer Energie, Zeit und Arbeitskraft dem Buchcafé ehrenamtlich zur Verfügung zu stellen. Dazu gehört das Akquirieren von Bands und Künstlern ebenso wie das Stühle aufstellen oder der Kassen- und Thekendienst bei Veranstaltungen.

„Allen ist klar, dass sich das Buchcafé ändern und mit der Zeit gehen muss“, sagt Vorstandsmitglied Eckart Büxel. Zunehmend strikte Regelungen, hohe rechtliche Vorgaben, zum Beispiel an Sicherheit und Feuerschutz, überfordern das Ehrenamt. „Die Anforderungen und Erwartungen sowie die zeitliche Belastung für den Vorstand sind zu hoch“, berichtet auch Vorstandsmitglied Dr. Johannes Brönneke-Born. Trotz vieler Anstrengungen sei es dem 250 Mitglieder zählenden Trägerverein nicht gelungen, neue und jüngere Leute zur Mitarbeit zu gewinnen.

Mit Blick auf die Bürgermeisterwahl hofft das Buchcafé künftig auf bessere Beziehungen zum Rathaus. Eine Beteiligung der Stadt als Träger des Buchcafés, das dann vom Verein nur noch „bespielt“ würde, sei eine Möglichkeit. Bei Ellis Saal in Bebra-Weiterode habe sich ein solches Model bewährt.

Seit über 40 Jahren eine kulturelle Instanz

Das Buchcafé gibt es seit 1979. Ursprünglich wurde es als links-alternatives sozio-kulturelles Zentrum gegründet. Es ist eines von 36 solcher Zentren in Hessen, aber inzwischen das einzige mit einem Verein als Träger, berichtet Mercedes Thiel. Die Stadt unterstützt das Buchcafé mit Fördergeld. Dieser Betrag sei zwar „nicht niedrig, aber immer ungewiss“, heißt es. Deshalb wäre eine offizielle Beteiligung der Stadt am Buchcafé wünschenswert, meint der jetzige Vorstand. (kai)

„Der Vorhang könnte für immer fallen“

 Das „Buchcafé“ kämpft ums Überleben. Dabei geht es nicht in erster Linie um die Finanzierung, denn die Finanzlage ist gut. Vielmehr fehlt es an Menschen, die im Vorstand Verantwortung für das seit über 40 Jahren bestehende sozio-kulturelle Zentrum übernehmen wollen.

Noch ist der Vorstand laut Satzung mit mindestens sechs und maximal zehn Personen plus Kassenwart üppig besetzt. Dies rühre noch aus den Anfangszeiten des Buchcafés her, als es darum ging, basisdemokratisch möglichst viele in die Entscheidungen einzubeziehen. Jetzt soll durch eine Verkleinerung des Vorstands die Handlungsfähigkeit erhalten bleiben.

„Sollte das nicht gelingen, so müsste der Verein für Kultur und Kommunikation e.V. abgewickelt werden und auf der Bühne im Buchcafé würde tatsächlich der Vorhang für immer fallen“, heißt es in einer Mitteilung des Vorstands. Obwohl der Verein rund 250 Mitglieder hat, hätten an der jüngsten Mitgliederversammlung nur gut eine Dutzend Menschen teilgenommen. Ein deutliches Signal, dass sich etwas ändern muss, erkennen die Vorstandsmitglieder Eckart Büxel und Dr. Johannes Brönneke-Born wie auch die hauptamtliche Geschäftsführerin Mercedes Thiel.

Doch auch wenn die Reorganisation des Vorstands gelänge, um den Verein am Leben zu erhalten, könne es nicht einfach so weiter gehen wie bisher. „Die Zeiten haben sich verändert, die Menschen können und wollen sich nicht mehr langfristig in ihrer Freizeitgestaltung binden – das Ehrenamt hat seine Grenzen.“ Dies hätte auch einige der bisherigen, zum Teil langjährigen Vorstandsmitglieder erkannt und sich deshalb zurückgezogen. „Damit sind neue Lösungen gefragt, und weil das Buchcafé im kulturellen Leben der Stadt eine so wichtige Rolle spielt, sollte sich auch die Stadt bei der Suche nach zukunftsfähigen Konzepten einbinden lassen“, meint der bisherige Vorstand.

Mit Bürgermeister Thomas Fehling herrschte Funkstille. Zudem soll Fehling beispielsweise eine Zusammenarbeit mit den Bad Hersfelder Festspielen als oberster Dienstherr der Künstler untersagt haben, heißt es bedauernd aus dem Buchcafé. Nun sind die Buchcafé-Aktiven mit den drei Bürgermeisterkandidaten verabredet und hoffen auf offenere Ohren. Den Vorwurf „Klientel-Politik“ für ein links-alternatives Publikum zu betreiben, kennen die Buchcafé-Verantwortlichen.

Dieser stamme noch aus der links-liberalen Tradition der Kultureinrichtung. „Inzwischen sind wir offen für alle“, sagt Dr. Brönneke-Born, weiß aber, dass es noch Berührungsängste gibt. Dennoch gebe es neue Kooperationen, etwa mit dem Kulturbund, dem Bach-Haus und der Musikschule.

„Wenn man die Menschen in und um Bad Hersfeld fragt, was das Leben hier lebenswert und attraktiv macht, so zählt für viele das Buchcafé dazu“, heißt es aus dem Trägerverein. Dieses breit gefächerte Programm, das zuweilen auch etwas Exotisches, Randständiges und damit wirtschaftlich Defizitäres auf die Bühne bringt, werde vor allem durch die Mitglieder des Vereins für Kultur und Kommunikation organisiert und getragen.

Wie lange das in den gegenwärtigen Strukturen noch möglich ist, das ist derzeit aber ungewiss. (Kai A. Struthoff)

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