Bad Hersfelder Festspiele

Das dichtende Klassenzimmer: Umjubelte Premiere des „Club der toten Dichter“

Schauspieler  Götz Schubert liegt in seiner Rolle als Lehrer John Keating auf dem Rücken im Klassenzimmer, um seinen Schülern die Bedeutung von Perspektivwechseln zu zeigen.
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Perspektivwechsel verändern die Sicht auf die Welt: Entweder man steht auf dem Pult oder man liegt auf dem Boden – Lehrer John Keating versucht, seinen Schülern mit vollem Körpereinsatz seine Lebensphilosophie zu vermitteln.

Bekannt ist der „Club der toten Dichter“ als Film. Als Theaterstück erlebte er jetzt seine Uraufführung bei den Bad Hersfelder Festspielen. Es gab „standing ovations“.

Bad Hersfeld – Manchmal sagt ein Bild dann doch noch mehr als alle Worte: Da stehen sie auf ihren Pulten, die Elite-Schüler der konservativen Welton-Academy – ein Akt nie da gewesenen Ungehorsams, ein Zeichen der Solidarität mit ihrem Lehrer John Keating (Götz Schubert), der sie getreu seines Mottos „Carpe Diem“ gelehrt hatte, den Tag zu nutzen, um Außergewöhnliches aus ihrem Leben zu machen.

„Bullshit“ nennt Keating die althergebrachten Lehrbuchweisheiten und fordert seine Schüler auf, die „Dinge aus anderen Perspektiven zu sehen“. Dazu steigt er auf den Tisch, legt sich auf den Boden und ist auch sonst völlig anders als die konservativen Pauker um den autoritären Schulleiter Nolan (vor allem mit seiner nuancierenden Stimme beeindruckend Hannes Hellmann) oder Mr. McAllister (mit toller Tanzeinlage Peter Englert).

Zuerst sind die Schüler skeptisch, stehen sie doch alle unter enormem Erwartungs- und Leistungsdruck ihrer Eltern – und sind doch vor allem Jungs: albern, verliebt, verträumt, verschüchtert. So wie Neil Perry (als sympathischer Anführer stark Till Timmermann), der zwischen seinen künstlerischen Ambitionen und der militärischen Strenge des Vaters (tragisch-borniert Thorsten Nindel) schier zerrissen wird. Oder Todd Anderson (sensibel gespielt von Nico Kleemann), der vom Stotterer zum rebellischen Freigeist wird. Und der verliebte Knox Overstreet (wunderbar einfühlsam und vielschichtig Simon Stache), der um das Herz von Chris (mädchenhaft liebreizend Nell Pietrzyk) wirbt.

Oh Captain! My Captain: Der Club der toten Dichter

Das Bild zeigt den Schauspieler Götz Schubert. Er spielt die Hauptrolle des Lehrers John Keating im „Club der toten Dichter“ bei den Bad Hersfelder Festspielen.
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Das Bild zeigt den Schauspieler Götz Schubert. Er spielt die Hauptrolle des Lehrers John Keating im „Club der toten Dichter“ bei den Bad Hersfelder Festspielen.
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Sie und ihre Klassenkameraden formt Keating zum „Club der toten Dichter“, die das „Mark des Lebens aufsaugen“ und begreifen, dass „Worte und Gedanken die Welt verändern können“.

Regisseur Joern Hinkel bleibt in seiner Inszenierung dicht am Originaldrehbuch des Films „Der Club der toten Dichter“. Er verzichtet bewusst darauf, den Stoff zu modernisieren, und doch bleibt das Thema aktuell wie eh und je. Trotzdem wird wohl mancher Zuschauer den Film mit der Bühneninszenierung vergleichen.

Vor allem Götz Schubert konkurriert hier mit dem Film-Vorbild Robin Williams – doch er muss den Vergleich nicht scheuen. Schubert spielt den Lehrer anders, ernsthafter, dadurch aber glaubwürdiger. Die Liebe zur Poesie und zum Lehrerberuf verkörpert er eindringlich.

Getragen wird das Stück aber vor allem von dem durchweg starken und noch sehr jungen Ensemble, das mit viel Einsatz und auch kleinen Gesten, ungestüm und liebenswert, die ganz unterschiedlichen Charaktere in dieser Schulklasse zum Ausdruck bringt – junge Leute eben, „hormonstrotzend, die Augen voller Hoffnung, denen die ganze Welt offen steht“, wie Keating sagt.

Die Inszenierung setzt bewusst auf starke Bilder, auf Antipoden. Da fängt der schüchterne Stotterer Anderson plötzlich an, frei sprechend und fantasievoll zu assoziieren, und wirft dabei den familiären Ballast ab. Der Wendepunkt des Stücks.

Auch andere hübsche Regieideen beleben das Stück: Da tanzen die toten Dichter im Dunkeln im Schein ihrer irrlichternden Taschenlampen. Da mutiert der spießige Lehrer McAllister nächtens am Transistorradio zum Möchte-gern-Elvis und ist damit gar nicht so weit von seinen Schülern entfernt, die zum Sound des selbst gebastelten Radios mit erstaunlichem tänzerischen Talent mächtig abrocken – eine Reverenz auch an die ausgehenden 1950 Jahre und den Siegeszug des Rock-‘n-Roll.

Doch die Lebensfreude endet abrupt. Neil Perry erschießt sich, nachdem er gerade noch umjubelt dem Puck in Shakespeares Sommernachtstraum gespielt hat. Er zerbricht an den überzogenen Erwartungen seines Vaters Thomas, der zwar nur das beste für ihn will, ihn aber am Ende in den Tod treibt – hingestreckt mit der Pistole, die er ihm selbst geschenkt hat. Zum Sündenbock wird Lehrer Keating gemacht, der die Schule verlassen muss. Und doch bleibt ihm beim Abschied ein letzter Triumph: Seine Saat ist aufgegangen. Mit Walt Whitmans Ausruf „O Captain, my Captain“ verabschieden die Schüler ihren Lehrer, der ihnen selbstständiges Denken statt eingetrichterte Phrasen mit auf den Lebensweg gegeben hat.

Lang anhaltender Applaus und stehende Ovationen des Publikums sind der verdiente Lohn für eine starke Premiereninszenierung. (Kai A Struthoff)

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