Alt sein für Anfänger - Lesung mit Musik und Tanz

Ein anderer Sommer: Alt sein für Anfänger in der Stiftsruine

 Daniela Ziegler und Helmut Baumann tanzen auf der Bühne der Stiftsruine.
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Das Leben genießen, auch wenn man älter wird: Daniela Ziegler und Helmut Baumann machen es beim anderen Sommer vor.

Alt werden? „Alles halb so schlimm“ meinen Daniela Ziegler und Helmut Baumann in ihrem Programm gleichen Titels, das als Teil des anderen Sommers in der Stiftsruine zu sehen war.

Bad Hersfeld - Munter kokettieren die beiden, 72 und 81 Jahre alt, mit den Dingen, die das Alter so mit sich bringt, der Vergesslichkeit, den diversen Zipperlein, den Versuchen, die Alterserscheinungen abzumildern, Schwärmereien für Jüngere oder dem Unwillen, dass überall Menschen durch digitale Technik ersetzt werden.

Das ist nicht nur komisch und löst immer wieder Schmunzeln und Gelächter aus im Publikum, das den Darstellern alters- und erfahrungsmäßig durchaus nah ist. Das ist oft auch bissig und ein wenig bitter. Denn trotz der eingangs gesungenen und getanzten Versicherung, es sei alles nur halb so schlimm, wissen sowohl die Darsteller als auch ihr Publikum, dass Krankheiten, Schmerzen und Beschwerden nicht einfach so wieder verschwinden, dass die Einschränkungen eher mehr als weniger werden und dass auch die Vergesslichkeit nicht einfach so vergessen werden kann.

Manchmal tut‘s dann weh: Helmut Baumann und Daniela Ziegler.

Doch natürlich bringt das Alter auch Vorteile mit sich. Man kann Vieles gelassener angehen und verfügt über einen reichen Schatz an Erinnerungen. Und – auch das mag trostreich sein – älter werden wir alle. Den einen trifft es früher, den anderen später, aber irgendwann eben alle. Und so klingt durchaus ein wenig Schadenfreude durch, wenn Daniela Ziegler den alternden Gentleman mit Stock und Glatze besingt, der früher mal ihr Liebhaber war und sie schnöde verlassen hat oder wenn sie einem Ex, der sich einer Jüngeren zugewandt hat und den sie im Cafe trifft mitteilt, „vorüber ist vorüber“, als er versucht, die schönen alten Zeiten zu beschwören. „Du warst die einzige Frau, die mich je zum Lachen gebracht hat“, sagt er, jetzt seinerseits verlassen.

Auch wenn Männer sich nicht ganz so viele Sorgen um die optischen Folgen des Älterwerdens, Falten und graue Haare machen, ist es auch für den betagten Playboy nicht leicht zu akzeptieren, dass er bei den jungen, schönen Frauen allenfalls Mitleid auslöst, meistens aber einfach übersehen wird, erzählt Helmut Baumann.

Und dann ist da natürlich die Einsamkeit, wenn alle Freunde nach und nach wegsterben und das Wissen, dass einen der eigene Tod möglicherweise auf dem Krankenhausflur ereilt, weil heute nicht mehr „schön gestorben“ wird.

Einfühlsam, elegant, ironisch: Nikolai Orloff am Piano.

Zum Abschluss aber ermutigen Daniela Ziegler und Helmut Baumann in ihrem Programm mit Texten von Lida Winiewicz und der Musik von Thomas Zaufke, die ironisch-elegant von Nikolai Orloff am Flügel gespielt wird, im Alter keinesfalls die Erben zu bedenken, sondern das Leben zu genießen. Vom Publikum wurde das mit lang anhaltendem Beifall belohnt. (Christine Zacharias)

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