Prominente Gäste bei der Premiere - Maske auch am Platz

Bad Hersfelder Festspiele werden heute mit „Der Club der toten Dichter“ eröffnet

Das Bild zeigt eine Bühnenszene  aus „Der „Club der toten Dichter“. Junge Männer und zwei Mädchen sitzen auf der dunklen Bühne zusammen, musizieren und rauchen.
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Musik, Alkohol, Zigaretten – und natürlich Mädchen: Der „Club der toten Dichter“ trifft sich nachts in einer Höhle am Fluss und widmet sich der Magie der Poesie und den schönen Dingen des Lebens. Mit dem Stück werden die 70. Bad Hersfelder Festspiele eröffnet.

Mit Joern Hinkels Inszenierung von „Der Club der toten Dichter“ werden heute die 70. Bad Hersfelder Festspiele eröffnet - pandemiebedingt mit besonderen Auflagen.

Bad Hersfeld – Tradition, Ehre Disziplin und Exzellenz: Das sind im Jahr 1959 die Grundprinzipien der alt-ehrwürdigen Welton-Academy, einem teuren Internat für Jungen im amerikanischen Vermont. Hierhin schicken Eltern ihre Sprösslinge, um sie mit harter Hand auf den Ernst des Lebens in höheren Kreisen vorzubereiten.

Doch der neue Lehrer John Keating (Götz Schubert) wirbelt den Muff aus den Talaren und will seinen Schülern die Freiheit des Geistes vermitteln. „Worte und Gedanken können die Welt verbessern“, sagt Keating seinen Schülern. Er fordert sie auf, die althergebrachten Sichtweisen über Bord zu werfen – und dafür auch ganze Seiten aus den Lehrbüchern zu reißen. „Carpe Diem“ – nutze den Tag – ist sein Motto, das von den zunächst skeptischen Jungen zunehmend begeistert aufgenommen wird.

Wie schon Keating zu seiner Schulzeit in der „Hölle von Welton“ gründen sie den „Club der toten Dichter“ und treffen sich nachts heimlich in einer Höhle am Fluss, um über Poesie, aber auch all die anderen Dinge zu reden, die Jungs in diesem Alter so interessieren. Sie alle tragen schwer am Erwartungsdruck ihrer Eltern – und entdecken dank Lehrer Keating erstmals, dass es noch mehr gibt als Disziplin und Exzellenz.

Zum Beispiel Chris Noel (Nell Pietrzyk), ein Mädchen aus der Nachbarschule, in die sich einer der Jungen, Knox Overstreet (Simon Stache aus Bad Hersfeld), unsterblich verliebt, und der versucht, ihr Herz mit der Macht der Poesie zu erobern. Als dann auch noch Neil Perry (Till Timmermann) gegen den ausdrücklichen Willen seines Vaters Thomas, einem strengen Militär (Thorsten Nindel), den Puck in Shakespeares „Sommernachtstraum“ spielt, ist klar, dass alles auf ein tragisches Ende zusteuert.

Das Bühnenstück basiert auf dem gleichnamigen Film von Peter Weir, der 1989 in die Kinos kam und für ganze Generationen von damaligen Schülern und heutigen Eltern und Lehrern prägend war. Das Drehbuch schrieb Tom Schulmann, der darin seine eigenen Erfahrungen an einer Elite-Schule verarbeitet hat und mit dem Oscar ausgezeichnet wurde. Gemeinsam mit Schulmann hat Festspielintendant Joern Hinkel die Bühnenfassung adaptiert. Hinkel verbindet damit Kritik am „altmodischen“ deutschen Bildungssystem, das zu wenig hinterfrage und kaum Zusammenhänge vermittele.

Der Club der toten Dichter indes will frei nach dem amerikanischen Autor Henry David Thoreau „das Dasein auskosten“ und das „Mark des Lebens einsaugen“. Ein Wunsch, den nicht nur Schüler haben, doch der im Leben oft auf der Strecke bleibt.

Festspiele beginnen mit Prominenz und Auflagen - Maske auch am Platz

Mit einem coronabedingt „abgespeckten“ Festakt unmittelbar vor der Aufführung des Premierenstücks „Der Club der toten Dichter“ beginnen am heutigen Donnerstag ab 20 Uhr die 70. Bad Hersfelder Festspiele. Das Jubiläumsjahr war eigentlich 2020. Pandemiebedingt fand seinerzeit aber der „Andere Sommer“ statt.

Auch in diesem Jahr werden die Festspiele noch nicht ganz zum alten Glanz zurückkehren. Die zentrale Botschaft lautet aber: „Wir spielen wieder“. Deshalb blicken Kulturschaffende aus ganz Deutschland gespannt nach Bad Hersfeld und auch das Medieninteresse ist riesengroß. Journalisten von allen großen Medien haben sich laut Pressesprecherin Monika Liegmann zur Premierenvorstellung angesagt.

Der Schirmherr der Festspiele, Ministerpräsident Volker Bouffier, die Bundesjustiz- und Familienministerin Christine Lambrecht sowie Festspielintendant Joern Hinkel und Bürgermeister Thomas Fehling werden mit kurzen Redebeiträgen das Theaterfestival eröffnen.

Obwohl es diesmal keinen „Roten Teppich“ geben kann, haben sich doch zahlreiche Prominente und alte Bekannte der Bad Hersfelder Festspiele angesagt: Box-Legende Henry Maske, Festspiel- und TV-Star Elisabeth Lanz, Hersfeld-Preisträgerin Daniela Ziegler, die Moderatoren Jule Gölsdorf und Thomas Ranft, Börsen-Ikone Frank Lehmann und „Lotto-Fee“ Franziska Reichenbacher wollen an dieser besonderen Festspielpremiere teilnehmen.

Die Hygienevorgaben in und um die Stiftsruine sind streng: Voraussetzung für den Besuch der Vorstellungen ist ein negativer Coronatest, der nicht älter als 24 Stunden sein darf. Neben dem Testnachweis sind auch Ausweisdokumente vorzulegen. Vollständig Geimpfte und Genesene sind von der Testpflicht ausgenommen, müssen aber einen offiziellen Nachweis hierzu im Original (keine Kopie) vorlegen. Ab zwei Stunden vor Vorstellungsbeginn können die Dokumente an verschiedenen Check-In-Punkten rund um die Stiftsruine vorlegt werden. Die Besucher erhalten dann nach Prüfung ein Einlassbändchen. Nur damit können sie den Einlassbereich betreten. Auch auf den Plätzen herrscht Maskenpflicht.

Trotz dieser Einschränkungen freuen sich die Theatermacher, dass es endlich wieder losgeht. Dafür haben die Schauspieler viele Einschränkungen in Kauf genommen, sie wurden regelmäßig getestet, probten zum Teil mit Maske, ihr Bewegungsradius war eingeschränkt. „Es gab aber kein Murren und Knurren, alle sind dankbar, dass wir jetzt endlich wieder den Beruf ausüben, den wir alle so sehr lieben“, so Hinkel. (Kai A. Struthoff)

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