Bewahrer der Geschichte

Der Förderkreis Museum in Bad Hersfeld steht kurz vor seiner Auflösung

Das Bild zeigt bei der Einweihung der restaurierten Statue „Heiliger Matthias“ von links Gerhard Kraft und Leni Donceva, Restraurator Jörg Büchner aus Fulda und Bertold Schmidt vom Förderkreis Museum.
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Ein Erfolg des Förderkreises Museum: Die Einweihung der restaurierten Statue „Heiliger Matthias“. Von links Gerhard Kraft und Leni Donceva, Restraurator Jörg Büchner aus Fulda und Bertold Schmidt vom Förderkreis Museum.

Der Förderkreis Museum wird sich auflösen. Das kündigte der Vorsitzende des Vereins, Bertold Schmidt, am Mittwochabend im Kulturausschuss der Stadt Bad Hersfeld an.

Bad Hersfeld - „Wir finden einfach keine Nachfolger für die Führungsfunktionen“, sagte Bertold Schmidt und verwies darauf, dass das Durchschnittsalter der noch verbleibenden 31 Mitglieder bei 72 Jahren liegt. Er kritisierte aber auch das immer komplizierter werdende Vereinsrecht und die vielen gesetzlichen Vorgaben und Auflagen, die die Arbeit von Vereinsfunktionären immer schwieriger machten.

Der Förderverein Museum besteht seit 40 Jahren und hatte ursprünglich über 100 Mitglieder. In den vergangenen Jahren organisierte der Verein allein über 30 Ausstellungen im Kapitelsaal und konnte im Zuge seiner Arbeit viele vergessene historische Schätze, wie die Statue des „Heiligen Matthias“ im Stadtmuseum, für die Nachwelt retten. Zugleich pflegte der Verein das heimische Brauchtum mit Ausstellungen etwa zum historischen Handwerk oder über altes Spielzeuge.

„Museen sind sehenswert und keinesfalls altbacken, das bestätigen uns auch die Reaktionen der Besucher“, sagte Schmidt. Er lobte ausdrücklich die Arbeit von Lisa Hendrich vom Stadtmarketing, die auch für die Museen zuständig ist und selbst Expertin für Museumspädagogik ist. In diesem Bereich sieht Schmidt mit Blick auf junge Leute die Zukunft der Museumsarbeit.

Der Vereinsvorsitzende sparte aber auch nicht mit Kritik. So sei die Lagerung vieler wichtiger Exponate in einer ehemaligen Panzerhalle auf der Hohen Luft das schlimmste Problem des Vereins. „Die Panzerhalle ist total vergammelt, das war schon vor Jahren als Mist erkannt worden, und es bleibt Mist“, bezog er sich auf eine Aussage von Bürgermeister Thomas Fehling bei einem Ortstermin. Doch auch die Lagerung von Exponaten im Museum „ist eine Katastrophe“. Schmidt bedauerte, dass im geplanten Neubau des Festspielfunktionsgebäudes kein „Quadratzentimeter Platz“ für das Museum vorgesehen sei. „Eine Stadt wie Bad Hersfeld braucht ein Museum. Kultur muss mehr Beachtung finden, und das nicht nur in acht Wochen der Festspielzeit.“

Bad Hersfelds Bürgermeister Thomas Fehling bedauerte die Auflösung des Vereins, sah aber keine Möglichkeiten, die Aufgaben der Vereinsführung durch städtische Mitarbeiter zu übernehmen. „Ich will hier keine falschen Hoffnungen wecken, denn auch wenn wir jemanden von der Stadt delegieren würden, könnte niemand das Engagement von Bertold Schmidt und seinen Mitstreitern ersetzen.“ Die Kritik an der „vergammelnden Panzerhalle“ teilte der Bürgermeister, verwies aber darauf, dass in der Stadt Alternativen für die Lagerung fehlten. (Kai A. Struthoff)

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