FESTSPIEL-MOMENTE

Lechtenbrink, der Liebling der Hersfelder

Schauspieler Volker Lechtenbrink bei einem Interview 2012 in der Intendanz der Bad Hersfelder Festspiele.
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Echte Liebe zu Bad Hersfeld und den Festspielen: Volker Lechtenbrink bei einem Interview 2012 in der Intendanz.

Die Bad Hersfelder Festspiele 2020 wurden wegen des Coronavirus abgesagt. In der HZ finden sie während der gesamten Spielzeit trotzdem statt. In diesem Artikel geht es um Volker Lechtenbrink, den Liebling der Hersfelder.

Echte Liebe – das nimmt der Fußballverein Borussia Dortmund für sich in Anspruch, wenn er die Zuneigung seiner Fans thematisiert. Echte Liebe, das ist aber auch das, was das Verhältnis des Bad Hersfelder Festspielpublikums zu Volker Lechtenbrink beschreibt. Das war zuletzt vor wenigen Jahren spürbar, als Lechtenbrink von den Zuschauerplätzen der Stiftsruine zur Bühne schritt, um ein paar Worte zu sagen. Schon bei der Nennung seines Namens brandete Beifall auf, nicht höfliches Geklatsche, sondern wärmster Applaus.

Volker Lechtenbrink und die Festspiele – das ist eine lange Geschichte, in der sich beide immer wieder und immer wieder neu begegnet sind. Lechtenbrink stand schon als Jüngling auf der Bühne, wurde mehrfach mit dem Hersfeldpreis ausgezeichnet, war später auch Regisseur und drei Jahre ein erfolgreicher Intendant.

Diese Zeit war auch seine schönste in Bad Hersfeld. „Das war eine wahnsinnige Atmosphäre, jeder liebte jeden“, schwärmt er noch heute und erzählt von Dankesbriefen der Kollegen, die ihn noch Jahre später erreichten. Tatsächlich hatte Lechtenbrink für frische Farbe bei den Festspielen gesorgt, hatte 1995 mit der „Cabaret“-Inszenierung von Rolf von Sydow einen Ausnahme-Darsteller wie Peter Heinrich in die Stiftsruine geholt und im Jahr darauf das Kinderstück eingeführt. Unvergessen bleibt, wie Lechtenbrink selbst als Wachtmeister Dimpfelmoser mit „Tatütata“ die Szene betrat.

„Ich wäre gerne geblieben“, sagt er, doch das war mit dem Hersfelder Bürgermeister Hartmut H. Boehmer nicht zu machen. Der hatte Lechtenbrinks Arbeit das gewünschte Niveau abgesprochen und dabei außer Acht gelassen, dass das Publikum von dieser Art Theater begeistert war. Der Versuch, mit dem kürzlich verstorbenen Helmut Stauss einen Freund als Nachfolger zu etablieren, misslang.

Unter den Bögen: Volker Lechtenbrink als Vorwitz in „Das Salzburger Große Welttheater“ bei den Festspielen 1968.

Wenn Volker Lechtenbrink noch tiefer in seiner Erinnerungskiste kramt, dann fällt ihm das Jahr 1967 ein, als er an der Seite von Theo Lingen in „Was ihr wollt“ spielte. „Ich durfte dann mit ihm an einem Tisch sitzen“, schwingt in seinen Worten noch heute die Hochachtung für den berühmten Kollegen mit. Auch der Name Wolfgang Reichmann fällt ihm in diesem Zusammenhang gleich noch ein, und seine eigenen Inszenierungen von „Romeo und Julia“, „König Lear“ und „Die drei Musketiere“. Es klingt ein wenig nostalgisch, wenn er sagt: „Bad Hersfeld war immer ein Erlebnis.“

Aktuell ist Volker Lechtenbrink guter Dinge. „Mir geht es erstaunlich gut für mein Alter“, sagt der 75-Jährige und übt sich in Corona-bedingter Gelassenheit. „Ich verfalle nicht in Panik, verzichte auf Fake-Posts von angeblichen Aktivitäten und warte ab. Angebote habe ich genug.“

Im Moment arbeitet er an einem Zwei-Personen-Stück mit Eva Mattes, aber auch das bezeichnet er als Wunschkonzert. „Ich muss nichts mehr nachhecheln.“

In der Tat. Und Bad Hersfeld bleibt ja ohnehin seine große Liebe. Die ja auf Gegenseitigkeit beruht.

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