Stadtkirchenturm inspiriert die Künstler

Galerie auf Zeit präsentiert Ausstellung „Der neue Turm“ im Kapitelsaal

Wohnpark „Neuer Turm“ mit Modellhaus Türmerstube heißt dieses Bild Joachim Tatje.
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Wohnpark „Neuer Turm“ mit Modellhaus Türmerstube heißt dieses Bild Joachim Tatje.

20 Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland haben sich mit dem Turm der Bad Hersfelder Stadtkirche auseinandergesetzt und präsentieren ihre Werke nun im Kapitelsaal des Bad Hersfelder Museums.

Bad Hersfeld – Der Turm der Stadtkirche ist eines der Wahrzeichen der Stadt Bad Hersfeld. 20 Künstlerinnen und Künstler aus ganz Deutschland, darunter zwei Bad Hersfelder, haben sich jetzt mit dem markanten gotischen Bauwerk mit der fehlenden Spitze auseinandergesetzt. Das Ergebnis ihrer Arbeiten ist ab sofort im Kapitelsaal des Bad Hersfelder Museums zu sehen.

Eröffnet wird die Ausstellung „Der neue Turm“ am Freitagabend um 18.30 Uhr.

Die Idee für das Projekt hatte Gunter Haedke. Der Berliner ist mit seiner „Galerie auf Zeit“ seit vielen Jahren immer wieder einmal auch in Bad Hersfeld zu Gast. Sein Anliegen ist es, Künstler mit besonders interessanten Ansätzen überregional vorzustellen. Das muss nicht immer allen gefallen. „Kunst soll stören“, ist Haedkes Devise. Inzwischen verfügt er über eine Fülle von Kontakten mit Künstlern und Anbietern von Ausstellungsräumen, sodass er immer neue Ideen für Kunstprojekte in Angriff nehmen kann.

Diesmal also der Bad Hersfelder Kirchturm. Der sei, so sagt Haedke, ziemlich genau 500 Jahre alt. Nachweise dafür gibt es nicht mehr, doch habe der Turm, als Martin Luther im Jahr 1521 in Hersfeld predigte, schon gestanden. Ein Foto des Turmes schickte Haedke an 20 Künstlerinnen und Künstler – von Hamburg bis an den Bodensee, von Berlin bis Düsseldorf – mit der Bitte, sich damit auseinanderzusetzen.

Das Ergebnis hat ihn in seiner Vielfalt begeistert. Die meisten hätten den Turm noch nie vorher gesehen, erzählt Haedke. Einige seien nach Bad Hersfeld gereist, um sich den Stadtkirchenturm vor Ort zu betrachten, Bettina Schünemann habe sogar zwei Tage im Eingangsbereich des Turmes auf den Knien zugebracht, um die Strukturen der alten Steine mit Graphit auf Stoff zu übertragen. Frottage, nennt man diese Technik.

Die Stücke der Zeit von Ahmad Barakizadeh.

Einige Arbeiten haben das Foto weiterverwendet, es zum Beispiel in kleine Stücke zerlegt und neu zusammengesetzt, den Turm verlängert oder gekürzt, in das Foto viele kleine Fenster geschnitten oder es zusammengerollt, am Strand in einen Sandhaufen gesteckt und erneut fotografiert. Andere haben den Turm gezeichnet und dabei verfremdet. Harriet Groß hat die Mückenstürmer-Geschichte aufgegriffen, Eva Be Yauno-Janssen daraus eine Schachfigur gemacht, Volker Dietz eine Rakete.

Einige der Künstler haben sich humorvoll mit dem Stadtkirchenturm auseinandergesetzt, lassen ihn als Drachen fliegen, wie Martin Lindemann oder zeigen ein Neubaugebiet mit dem Modell Türmerhaus wie Joachim Tatje. Es gibt auch politisch-kritische Ansätze. Lara Brekenfeld zeigt den Turm vor einem schmelzenden Eisberg, der in Bad Hersfeld geborene Werner Assenmacher hat den Turm in ein Kondom gehült mit der Botschaft: „Gott verhüte“.

Die Ausstellung ist bis zum Jahresende zu den Öffnungszeiten des Museums (Dienstag bis Samstag von 10 bis 12 und von 15 bis 17 Uhr, Sonn- und Feiertage von 11 bis 17 Uhr) zu sehen. Die zur Vernissage angekündigte Erstaufführung der Glockensonate von Klaus Kühn muss aus gesundheitlichen Gründen ausfallen. Zur Einführung spricht Gunter Haedke. (Christine Zacharias)

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